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Mit dem Storch gegen die Nazis: Thor Steinar verklagt Satireprojekt "Storch Heinar"

"Storch Heinar" ist ein Satire-Projekt der Jungsozialisten in Mecklenburg-Vorpommern. Thor Steinar eine Bekleidungsmarke der Firma Mediatex, die in der rechtsextremen Szene weit verbreitet ist. Nun treffen sich beide vor Gericht. Der Vorwurf: Der x-beinige Storch mit dem trotteligen Blick verunglimpfe das ehemalige Logo der Marke.

Storch Heinar ist x-beinig, schaut dämlich drein und hat einen viel zu großen Landser-Helm auf dem Kopf. Weil die Ähnlichkeit des auf einem roten Wappenschild gezeichneten Federviehs mit dem ehemaligen Logo der Bekleidungsmarke Thor Steinar nicht ganz von der Hand zu weisen ist, treffen sich Thor und Storch am Mittwoch vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Die Firma Mediatex, die die bei Anhängern der rechten Szene beliebte Marke Thor Steinar vertreibt, hat Matthias Brodkorb verklagt. Sie findet, dass die Jungsozialisten in Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem auf Hemden, Pullovern und Tassen gedruckten Vogel die Marke Thor Steinar verunglimpfen, und macht den SPD-Landtagsabgeordneten dafür verantwortlich.

Mal kommt Storch Heinar mit dem Schriftzug "Kriminelle Inländer" daher, mal in Anspielung auf die Nazi-Größe Rudolf Hess als "debiler Rudolf" mit Flugzeug. In Anlehnung an den italienischen Faschistenführer und Diktator Benito Mussolini verkörpert er auch schon mal "Benito Storcholini". Inzwischen gibt es auch ein Hundemäntelchen mit dem Aufdruck "Blondi gegen Nazis" oder ein zum "Kältekreuz" ernanntes Eiskristall als Gegenstück zum Keltenkreuz, das in rechten Kreisen sehr beliebt ist.

Mit Storch Heinar hätten die Initiatoren ihrer Arbeit gegen Rechtsextremismus "eine unterhaltsam-satirische Note" geben wollen, sagt Brodkorb, der auch die Internetseite Endstation-Rechts initiiert hat, die über rechte Aktivitäten und die NPD aufklären will. Verkauft wurden von den Storch-Heinar-Artikeln "mehr als wir dachten", bericht der SPD-Politiker. Die Einnahmen fließen in das Endstation-Rechts-Projekt. Dem Verfahren in Nürnberg sieht Brodkorb gelassen entgegen: "Nach Ansicht unserer Anwälte ist Storch Heinar eine zulässige Meinungsäußerung."

Die Firma Mediatex bedruckt ihre T-Shirts, Kapuzenpullover und Jacken - wenn auch keineswegs ausschließlich - gern mit Runen, Totenköpfen und altdeutschen Schriftzügen. Die spielen an auf Wikinger, Germanen und nordische Götter. Mal ist von "Thule Expedition", mal von der "Nordic Division" zu lesen.

Vor allem aber ihr altes Logo wird der Marke in der rechtsextremen Szene zu einiger Beliebtheit verholfen haben. Nach Angaben der Firma im Internet zeigt es ein T und ein S aus einem alten Runenalphabet auf einem roten Wappenschild. Brandenburgische Staatsanwälte sahen darin eine große Ähnlichkeit mit dem Symbol der Waffen-SS und leiteten ein Verbotsverfahren ein, das inzwischen allerdings eingestellt wurde.

Thor Steinar änderte inzwischen das Logo. Dennoch wird der Firma immer wieder vorgeworfen, sie unterstütze aktiv die rechte Szene. Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, in dem auch sechs NPD-Abgeordnete und ihre rund 20 Fraktionsmitarbeiter ein- und ausgehen, ist das Tragen von Thor-Steinar-Kleidung inzwischen untersagt.

Auch wenn der Prozess Brodkorb nach eigenen Worten keine Sorgen bereitet, Geld kostet das Verfahren trotzdem. Mit einem "Retter"-T-Shirt und dem Schriftzug "Weltkriegsverliererbesieger" wirbt Storch Heinar daher um Spenden. Das Motiv ist auf jeden Fall nicht von Thor Steinar abgeguckt, sondern vom Fußballclub 1. FC St. Pauli. Im Jahr 2001 kam der FC Bayern kurz nach dem Gewinn des Weltpokals nach Hamburg wurde von den Bundesliga-Underdogs geschlagen. Seitdem nennen sich die Kiez-Kicker und ihre Fans stolz "Weltpokalsiegerbesieger".

Andreas Frost, AFP / AFP