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US-Immobilienerbe Er gestand aus Versehen, Menschen getötet zu haben. Jetzt ist gegen Millionär Robert Durst ein Mord-Urteil gefallen.

Mordurteil: Robert Durst vor Gericht
Robert Durst sitzt in einem Gerichtssaal in Inglewood, Kalifornien. Die Aufnahme entstand am 18. Mai 2021.
© Al Seib/POOL / AFP
In Robert Dursts Umfeld verschwinden oder sterben Menschen: erst seine Frau, dann eine Freundin, schließlich ein Nachbar. Jahre später verplappert sich der US-Millionär bei Filmaufnahmen auf bizarre Weise. Nun wurde er wegen Mordes verurteilt.

Elf Worte. Mehr brauchte es nicht, um den Mordprozess gegen den New Yorker Immobilienerben und Millionär Robert Durst ins Rollen zu bringen. Durst sprach die belastenden Worte selbst aus, im Rahmen einer Doku-Serie des Senders HBO, die 2015 ausgestrahlt worden war.

"What the hell did I do? Killed them all, of course", hatte Durst während der Dreharbeiten vor sich hingemurmelt, offenbar in dem Glauben, sein Mikrofon sei längst ausgeschaltet. "Was zum Teufel habe ich getan? Sie alle umgebracht, natürlich."

Ein unbeabsichtigtes Geständnis? Die Ermittler nahmen Durst im März 2015 fest, noch bevor die letzte Folge der Doku-Serie "The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst" ausgestrahlt wurde. Über fünfeinhalb Jahre schleppte sich das Verfahren, die Corona-Pandemie sorgte für weitere Verzögerungen. Jetzt ist gegen den 78-Jährigen in Los Angeles ein Mordurteil gefallen – auch weil er sich im Prozess durch seine Aussagen immer weiter belastet hatte.

Dursts Ehefrau gilt seit fast 40 Jahren als vermisst

Die Geschworenen sehen es als erwiesen an, dass Durst seine enge Freundin Susan Berman im Dezember 2000 durch einen Schuss in den Hinterkopf in deren Haus in Los Angeles getötet hat. Brisant: Berman sollte am darauffolgenden Tag zu dem Verschwinden von Dursts Ehefrau Kathleen McCormack befragt werden. Auch in diesem Fall wird Durst seit Jahrzehnten verdächtigt, allerdings konnte ihm nie nachgewiesen werden, etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben.

Von der jungen Medizinstudentin fehlt seit 1982 jede Spur. McCormack wurde 2017 für tot erklärt.

Die Mord-Verurteilung wirft nicht nur ein Schlaglicht auf das Verschwinden von Kathleen McCormack , sondern auch auf einen weiteren Todesfall, der sich ein Jahr nach dem Mord an Susan Berman zugetragen hatte. Durst war zu dieser Zeit in Texas untergetaucht und gab sich als stumme Frau aus, um einer Befragung durch die Polizei zu entgehen. Das Versteckspiel endete erst, als 2001 zersägte Körperteile seines Nachbarn Morris Black in der Galveston Bay angespült wurden.

Durst behauptete daraufhin, den älteren Nachbarn in Notwehr erschossen zu haben. Tatsächlich glaubte ein Gericht seiner Darstellung und sprach ihn frei. Weil wichtige Beweisstücke fehlten und Durst zunächst nicht zu einer Anhörung erschienen war, musste er dennoch für fünf Jahre in Haft. 

Zweifel an geistigem Zustand

Robert Durst stammt von einer der reichsten und mächtigsten Immobiliendynastien New Yorks ab. Sein geistiger Zustand wurde vor Gericht oft in Frage gestellt, auch weil Durst immer wieder mit teils bizarren Handlungen aufgefallen war. So hatte er einst versucht, in einem Supermarkt ein Hähnchen-Sandwich, Heftpflaster und eine Zeitung zu klauen, obwohl er mehrere Zehntausend Dollar in bar mit sich führte.

Staatsanwälte bezeichneten den 78-Jährigen als "narzisstischen Psychopathen". Sein eigener Bruder, Douglas Durst, soll nach Angaben der "BBC" vor Gericht ausgesagt haben, dass Robert auch ihn gerne töten würde.

Das Strafmaß gegen den 78-Jährigen soll am 18. Oktober verkündet werden. Bekommt er lebenslange Haft, könnte Durst im Gefängnis sterben. 

ikr

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