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Mordvorwürfe gegen Guatemalas Präsidenten: "Wenn Sie das sehen, bin ich ermordet worden"

Makabere Botschaft aus dem Jenseits: Auf einem Videoband hat ein ermordeter Rechtsanwalt den Präsidenten Guatemalas als Auftraggeber seines Mordes beschuldigt. "Wenn Sie dieses Video sehen, bin ich leider ermordet worden", heißt es auf dem Band, das den Medien zugespielt wurde und im Internet kursiert.

Anschuldigungen "aus dem Jenseits": In einem Video, das ein am vergangenen Wochenende erschossener Rechtsanwalt vor seinem Tod aufgezeichnet hatte, wird Guatemalas Präsident Álvaro Colom als Auftraggeber des Mordes beschuldigt. "Guten Abend, meine Name ist Rodrigo Rosenberg Marzano. Wenn Sie dieses Video sehen, dann bin ich leider ermordet worden", beginnt die insgesamt mehr als 18-minütige Aufnahme, die den Medien übergeben worden war.

Der 48-Jährige war am vergangenen Sonntag von Killern während einer Fahrradtour in Guatemala-Stadt erschossen worden. Colom wies die Vorwürfe am Dienstag zurück und bezeichnete sie als Versuch, das Land zu destabilisieren. Zugleich versprach er, alles zu unternehmen, damit die Mörder gefunden werden.

Rosenberg ist auf der auch im Internet veröffentlichten Aufnahme in Jackett und Schlips an einem Tisch sitzend zu sehen. Offenbar war er sich seines bevorstehenden Todes so sicher, dass er in dem Video von sich bereits als einem Toten sprach. Grund seiner Ermordung sei der Umstand, dass er den vor drei Wochen ermordeten Khalil Musa vertreten habe. Der bekannte Unternehmer (74) war zusammen mit seiner Tochter (49) ebenfalls von Unbekannten erschossen worden. Nach Aussage von Rosenberg wurden auch Musa und dessen Tochter im Auftrag des Präsidenten und dessen Frau Sandra Torres umgebracht. Dabei sei es um einen Konflikt über die Führung der florierenden Bank Banrural gegangen. Die Mordopfer hätten sich geweigert, an korrupten Handlungen teilzunehmen.

Rosenberg bezeichnete das Geldinstitut als "Räuberhöhle", durch die das Präsidentenpaar obskure illegale Geschäfte abwickele. Colom sei ein "Mörder, Dieb und Drogenkrimineller", fügte der inzwischen Tote hinzu. Als weitere Schuldige an seinem Tod nannte Rosenberg den Privatsekretär des Präsidenten, Gustavo Alejos, und den der Regierung nahe stehenden Unternehmer Gregorio Valdéz. Alejos habe ihm mit dem Tod gedroht, falls er sich weiter für die Aufklärung der Hintergründe des Todes von Musa und dessen Tochter einsetzen werde.

Colom war 2007 als Mitte-links-Politiker zum Präsidenten gewählt worden. Guatemala weist neben El Salvador und Honduras die höchste Mordrate in Amerika auf. Mehr als zehn Morde sind es pro Tag. Der Staat gilt als unterwandert von der organisierten Kriminalität, die sich vor allem mit dem Drogenschmuggel beschäftigt.

Rosenberg betonte in dem Video, er besitze alle Unterlagen, seine Anschuldigungen zu belegen. In den Medien wurden jedoch sofort Zweifel an der Unabhängigkeit der Justiz geäußert, die diese Unterlagen zu prüfen hätte. So beklagte der einflussreiche guatemaltekische Journalist Mario David García im Interview mit CNN, die Behörden würden sich bei der Fahndung mehr auf diejenigen konzentrieren, die das Video veröffentlicht hätten, als nach den Mördern zu suchen.

DPA / DPA