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Neun Jahre Jugendhaft: Amokläufer von Ansbach wird weggeschlossen

Der Amokläufer vom Ansbacher Gymnasium Carolinum wird auf absehbare Zeit weggeschlossen. Das Landgericht Ansbach verurteilte den 19-Jährigen am Donnerstag zu neun Jahren Jugendhaft wegen versuchten Mordes an 47 Menschen, der schweren Körperverletzung und der versuchten besonders schweren Brandstiftung.

Mehr als sieben Monate nach dem Amoklauf an einer Ansbacher Schule ist der Täter zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Ansbach ordnete am Donnerstag zudem die Unterbringung des 19-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik an. Georg R. war im September 2009 bewaffnet mit Molotow-Cocktails, Beil, Hammer und Messern in seine Schule eingedrungen und hatte mehrere Menschen verletzt, einige davon schwer.

Die Richter in der mittelfränkischen Stadt sprachen den geständigen Angeklagten des versuchten Mordes in 47 Fällen, des versuchten Totschlags, der gefährlichen Körperverletzung, der versuchten besonders schweren Brandstiftung und versuchten Nötigung schuldig. Georg R. nahm das Urteil reglos auf. Er hatte die Tat gestanden, bei seinen Opfern entschuldigte er sich aber nicht.

Der Angeklagte habe sein Leben nur noch als Krise gesehen, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Rösch nach Angaben eines Justizsprechers in seiner Urteilsbegründung. Er habe seinen Tod inszenieren wollen. Georg R. habe "als Massenmörder" in die Geschichte eingehen wollen und deshalb den Amoklauf geplant, bei dem er möglichst viele Menschen töten wollte.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zehn Jahren Jugendhaft und damit die Höchststrafe nach Jugendstrafrecht sowie die Unterbringung in der Psychiatrie gefordert hatte. Die Verteidigung hatte maximal acht Jahre Jugendhaft beantragt.

Ein Gutachter hatte dem Angeklagten wegen einer gravierenden Persönlichkeitsstörung eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Nach Ansicht des Gerichts ist die Tat aber allein mit der Krankheit des Angeklagten nicht zu erklären. Die Ursachen lägen zum erheblichen Teil in dessen Charakter.

Ähnlich hatte sich auch der Staatsanwalt zuvor in seinem nicht-öffentlichen Plädoyer geäußert. Er schilderte den Täter nach Angaben des Justizsprechers als narzisstisch veranlagten Menschen, der sich selbst inszenieren wolle und seine Mitmenschen unter anderem als "Maden" bezeichnet habe. Georg R. habe eine besondere kriminelle Energie an den Tag gelegt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war auch das angebliche Mobbing des Angeklagten nicht der Auslöser. Vielmehr habe sich Georg R. selbst ausgegrenzt.

Bei seinem Amoklauf am 17. September im Ansbacher Carolinum-Gymnasium hatte der damalige Abiturient 13 Schüler und zwei Lehrer verletzt. Einem Mädchen fügte er durch Axthiebe lebensbedrohliche Kopfverletzungen zu. Bevor Georg R. durch Schüsse eines Polizisten außer Gefecht gesetzt wurde, hatte er noch versucht, sich umzubringen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft handelte er aus Hass auf die Menschheit im allgemeinen und die Schule. Frühestens nach Verbüßung der Hälfte seiner Jugendstrafe kann eine Entlassung des Angeklagten geprüft werden.

AFP/APN