Niederlande Euros aus Fairtrade-Baumwolle

Euro-Scheine werden aus billigen Baumwollresten gemacht. Ein paar junge niederländische Gewerkschafter forderten, stattdessen fair gehandelte Baumwolle zu benutzen. Zu diesem Zweck gingen sie eine kuriose Wette mit dem Finanzminister ein - und gewannen.
Von Albert Eikenaar

Es ging um eine Wette. Die Jugendabteilung einer niederländischen Gewerkschaft forderte voriges Jahr den Haager Finanzminister Gerrit Zalm heraus, einen "sauberen" Euro einzuführen. Dieser stimmte zu, unter einer Bedingung: die Junggewerkschaftler sollten zuerst mindestens 10.000 Euro einsammeln für die Dritte-Welt-Hilfsorganisation Solidaridad.

Zalm rechnete nicht mit Wetteinlösung

Der Politiker rechnete nicht damit, dass seine Kontrahenten die Wette ernst nahmen und innerhalb von einem Monat sogar 12.332 Euro auf das Konto von Solidaridad überweisen würden. Zalm geriet damit in Zugzwang. Denn er ist überhaupt nicht zuständig für die Fabrikation der Geldscheine. Das geschieht unter Aufsicht der Zentralbank und - im technischenSinne - der Drucker. Gerrit Zalm musste also den Präsidenten der Notenbank überzeugen mitzumachen. Das gelang ihm tatsächlich.

Bislang verwenden die Gelddruckereien der Euroländer (auch in der BRD) Baumwollreste, ein Nebenprodukt der Textilindustrie als Grundstoff für die Herstellung der Scheine. Diese Abfälle kommen zu Schleuderpreisen auf den Markt, vor allem aus den USA. Das Material ist dort durch staatliche Subventionen so billig, dass Baumwollbauern in Dritte-Welt-Ländern nicht imstande sind, gegen diese Niedrigstpreise zu liefern. Sie gehen leer aus und leben in Armut.

Baumwollkämmlinge aus Entwicklungsländern

Ziel der Gewerkschaftsjugend ist es nun, dass der niederländischen Gelddrucker sogenannte Baumwollkämmlinge aus Entwicklungsländern gegen faire Bedingungen bezieht, als Geste der Solidarität. Nach dem Muster des Transfairhandels mit Kaffee.

Inzwischen läuft das Projekt an unter dem Motto "Der Euro stinkt". Eine Arbeitsgruppe der Juniorgewerkschaftler - die CNV-Jongeren - und Solidaridad sind dabei, eine Struktur aufzubauen, bei der Bauern in Indien und Afrika Kämmlingswolle gegen einen garantiert "fairen" Preis liefern. Der NL-Notendrucker braucht für den Anfang 80 Tonnen, um die Produktion für eine Periode von zwei Jahren anlaufen zu lassen. "Aber es kostet Zeit, diese Menge tatsächlich aufzutreiben", so Niek Fransen, Sprecher der CNV-Jongeren. "Wir hoffen, nächtes Jahr die Logistik endgültig auf die Beine gestellt zu haben".

EZB und andere Euro-Staaten für die Idee begeistern

Wenn es mit der Organisation klappt und wenn die Niederlande die ersten "fairen" Euroscheine tatsächlich vertrieben haben, wollen Zentralbank und Gewerkschaftsorganisation die Idee bei der EZB auf den Tisch legen und andere Euro-Staaten für die Einführung der sauberen Euro's begeistern.

Der Münchner Technologiekonzern Giesecke & Devrient, Produzent von Euroscheinen, bezieht die Baumwollabfälle jetzt noch nach internationalen Ausschreibungen hinsichtlich der erforderlichen Qualität aus aller Welt. Dabei sei man "offen für positive Veränderungen", so ein Firmensprecher.


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