HOME

Niedersachsen: Trächtiges Reh stirbt – wegen der Ignoranz eines Hundebesitzers

Vom 1. April bis zum 15. Juni gilt in Niedersachsen Leinenpflicht für Hunde. Doch nicht jeder Hundebesitzer hält sich daran. Für ein trächtiges Reh hatte das Missachten dieser Verordnung jetzt tödliche Folgen.

Niedersachsen: Ein totes Reh liegt auf einer Grünfläche.

In Niedersachsen hetzten zwei Hunde ein trächtiges Reh zu Tode. Dabei hätten sie gar nicht frei herumlaufen dürfen. (Symbolfoto)

"Das hätte nicht passieren dürfen", schimpft Heinz Brinkmann. Auch Tage nach dem Vorfall im niedersächsischen Nordwohlde ist der Geschäftsführer der Jägerschaft Syke stinksauer. Und das aus gutem Grund. Es geht um die sogenannte Leinenpflicht.

Vom 1. April bis zum 15. Juni müssen Hundebesitzer ihre Tiere in Waldgebieten und den übrigen freien Landschaften in Niedersachsen an der Leine führen. Laut dem Landwirtschaftsministerium sollen so die Wildtiere ihren Nachwuchs ungestört und geschützt auf die Welt bringen können. Doch nicht selten ignorieren einige Besitzer diese Verordnung – frei nach dem Motto: Mein Hund bleibt auf dem Weg, mein Hund wildert nicht.

Niedersachsen: Hunde jagen Reh zu Tode

Dass diese Verordnung seinen Grund hat, zeigt eben jener Vorfall vom 28. April, der Jäger Brinkmann so verärgert. In der Nähe eines Sportplatzes in Nordwohlde jagten zwei nicht angeleinte Hunde eine Ricke. "Die Zunge hing ihr aus dem Hals. Die Hunde waren unmittelbar hinter ihr, bellten dabei laut. Dann ging alles blitzartig. Das Reh prallte in seiner Panik gegen einen Zaun und ging zu Boden. Sofort sprangen die Verfolger auf seinen Körper", berichtete Marina Dreier der "Kreiszeitung".

Die 60-Jährige hat das Ganze aus nächster Nähe beobachtet, weil vier ihrer Pferde ausgebrochen waren und sie die Tiere in der Nähe des Sportplatzes entdeckt hatte. Als sie ihre Rosse gerade einfangen wollte, sah sie die beiden Hunde. Sofort eilte sie zu dem hilflosen Reh – zu spät. Die Ricke war bereits tot.


Das Reh war schwanger

Beim Prall gegen den Zaun hatte sie sich wohl das Genick gebrochen. Zudem war ihr Körper mit Bissspuren übersät. Bei der Untersuchung des Rehs stellte sich dann heraus, dass das Tier trächtig gewesen ist: "Im Körper des Tiers befanden sich zwei nahezu völlig ausgebildete Kitze, die ganz sicher am Wochenende zur Welt gekommen wären", so Jagdaufseher Rudi Ahlers, der den Kadaver genauer untersucht hatte.

Drei Tiere starben, weil ein Hundebesitzer sich nicht an die Anleinpflicht gehalten hat. Dabei gilt die Verordnung schon seit mehreren Jahren. Außerdem weisen alle regionalen Medien und zuständigen Behörden jährlich auf die geltende Verordnung hin. Genau aus diesem Grund sei das Fehlverhalten des Besitzers laut Brinkmann auch "moralisch und juristisch bedenklich". Dem Hundehalter droht jetzt ein Bußgeld.

Ein Rückschlag für alle Kritiker der Leinenpflicht

Für die Kritiker des Leinenzwangs ist der Vorfall ein herber Rückschlag. Eine Initiative aus Hannover hatte vor drei Jahren 15.000 Unterschriften gegen das Gesetz gesammelt. Ihrer Meinung nach liege es im Ermessen des Besitzers, ob sie ihren Hund anleinen müssen. Den Einwand schmetterte das Land Niedersachsen damals ab – allem Anschein nach zu Recht. 

rpw
Themen in diesem Artikel