Notlandung "Ich schaffe es nicht mehr auf die Landebahn"


Bei einer dramatischen Notlandung auf einem Acker bei München sind 32 Flugzeuginsassen mit dem Schrecken davon gekommen. Den Piloten des Jets vom Typ Fokker 70 der Austrian Airlines gelang eine holperige Bauchlandung auf gefrorenem Boden.

"Ich schaffe es nicht mehr auf die Landebahn." Diesen Notruf schickte Flugkapitän Jan Michael Kurka (32) am Montag um 8.16 Uhr noch an den Tower des Münchner Flughafens. Dann mussten er und sein Copilot Markus Türk wegen massiver Triebwerksprobleme ihres zweistrahligen Düsenflugzeugs rasch handeln. In einer meisterhaften Notlandung steuerten sie die Fokker 70 der Austrian Airlines auf einen Acker nahe dem Airport-Gelände. Das fast 31 Meter lange und mehr als 30 Tonnen schwere Flugzeug schlitterte über das schneebedeckte Erdreich und kam nach etwa 500 Metern weitgehend unversehrt zum Stehen. Von den 28 Passagieren und 4 Crewmitgliedern an Bord wurden nach Polizeiangaben 8 Personen leicht verletzt.

"Das war schon eine hervorragende Pilotenleistung", sagte Experte Peter Trautmann von der Flughafen München GmbH (FMG). Auch Chefpilot Gustav Baldauf von der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines lobte die "höchste Professionalität" seiner Piloten.

Normale Landung unmöglich

Die Passagiermaschine war am frühen Morgen in Wien nach München gestartet und etwa zur Hälfte belegt. Um 8.08 Uhr meldete Kurka dem Münchner Tower einen Triebwerksschaden. Im Landeanflug war die Leistung gleich beider Triebwerke auf weniger als ein Drittel abgesackt, berichtete Sprecherin Livia d'Andrea-Böhm von Austrian Airlines. Eine normale Landung war unter diesen Umständen unmöglich. Binnen Sekunden musste Kapitän Kurka entscheiden. Ein schneebedeckter Acker bei der Gemeinde Reisen, rund 4,5 Kilometer östlich des Münchner Flughafens, schien die letzte Rettung.

Der Pilot fuhr die Fahrwerke aus. Doch das brachte zu viel Luftwiderstand und bremste die Maschine zu sehr ab: Zurück mit den Fahrwerken, entschied Kurka. Im Gleitflug manövrierte er die Maschine an Hochspannungsmasten vorbei zielgenau auf den Acker. Erst im letzten Moment fuhr er das Bugfahrwerk ganz und das hintere Fahrwerk nur zum geringen Teil aus. Die Passagiere durchlitten bange Minuten. Die Crew hatte sie per Lautsprecher über die Notlandung informiert und noch Sicherheitstipps gegeben.

Schneedecke und leicht gefrorener Boden "ein Glücksfall"

Wäre der Acker uneben gewesen, hätte es leicht zu einem Unglück kommen können, sagte FMG-Experte Trautmann. Auch die Schneedecke und der leicht gefrorene Boden seien "ein Glücksfall" gewesen. "Da kann man schön dahinrutschen."

In dichtem Schneetreiben kam das Flugzeug um 8.17 Uhr, nur eine Minute nach dem letzten Notruf, zu Boden. Das Flugzeug sei "sauber reingeschlittert", berichteten Augenzeugen. Nach beängstigendem Gepolter bei der Rutschpartie - das Bugfahrwerk wurde abgerissen - konnten Passagiere und Crew aufatmen und die Maschine durch die Türen verlassen. Alle Passagiere - 14 Männer, 13 Frauen und ein Kleinkind - wurden zunächst zum Flughafen gebracht und anschließend medizinisch und psychologisch betreut.

Luftfahrtbundesamt nimmt Ermittlungen auf

"Es gibt keine große Aufregung", sagte ein Flughafensprecher. "Die meisten haben das wohl ganz gelassen genommen." Trautmann bestätigte, die Piloten hätten auf ihn einen "ganz normalen und sehr gefassten" Eindruck gemacht. Das Luftfahrtbundesamt nahm die Ermittlungen zur Ursache der Notlandung auf. Der Flieger soll in den kommenden Tagen aus dem landwirtschaftlichen Abseits geborgen werden.

Kristina Pezzei und Jürgen Balthasar DPA

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