Ökumenischer Kirchentag Tabu-Bruch in der Gethsemane-Kirche


Sie haben es getan: Trotz des Verbots durch den Papst haben während des ökumenischen Kirchentages ein katholischer Priester und eine evangelische Pastorin ein gemeinsames Abendmahl gefeiert.

Zu einer vom Papst verbotenen gemeinsamen Abendmahlsfeier von Katholiken und Protestanten sind am Donnerstagabend in Berlin etwa 2000 Christen zusammengekommen. Die katholische Messe in der Gethsemane-Kirche hielt der katholische Theologieprofessor und Priester Gotthold Hasenhüttl. Er lehrt an der Universität des Saarlandes. Sein Name war von den Veranstaltern bis kurz nach Beginn der Messe wegen angedrohter Sanktionen der katholischen Kirche geheim gehalten worden.

Ringen um das Wagnis

"Alle sind eingeladen zum Empfang des Abendmahls." Auf diesen einfachen und doch bedeutungsschweren Satz warten Katholiken und Protestanten an diesem Abend gespannt. Gotthold Hasenhüttl spricht ihn mit ernster Miene, der Fernsehsender n-tv überträgt live. Es scheint, als ringe der Theologe mit sich, ob er den Tabu-Bruch der förmlichen Einladung auch an die andere Konfession wagen sollte. Doch der Schritt ist getan; am Ende wird der 1933 in Graz geborene Geistliche die Körbe mit dem Brot heben und sich an alle wenden: "Ihr seid der Leib Christi, empfanget nun, was ihr seid."

Missbrauchs-Vorwürfe

Der Vatikan lehnt ein gemeinsames Abendmahl, das in manchen Gemeinden längst stillschweigend praktiziert wird, nach wie vor ab. Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, hatte noch am selben Tag die Aktion als Missbrauch des Eucharistie-Sakraments für kirchenpolitische Zwecke verurteilt.

Katholische Reformgruppen und die evangelische Gethsemane-Gemeinde im Stadtteil Prenzlauer Berg hatten während des Kirchentages - aber außerhalb des offiziellen Programms - zu der katholischen Messe mit offener Kommunion eingeladen.

Nicht für alle war Platz

Die Kirche war dicht gefüllt. Viele junge Leute und Familien waren gekommen. Einige hundert Gläubige kamen nicht mehr hinein und erlebten den Gottesdienst vor der Tür über Lautsprecher. Die Katholikin Inge Landzettel aus Darmstadt begründete ihr Kommen damit, dass sie seit über 40 Jahren mit einem Protestanten zusammen lebe. "Dieser Gottesdienst ist nicht spektakulär, er ist das Normale. Die Einladung zum Abendmahl kommt von Jesus", meinte die 70-Jährige.

"Wer ausschließt, schließt sich selbst aus"

Hasenhüttl mahnte die Christen zur Einheit. "Keiner der Apostel war je getauft, und dennoch feierten sie miteinander", sagte er. Den anderen anders sein zu lassen, ermögliche echte Gemeinschaft. "Wer hingegen ausschließt, schließt sich selbst von der Gemeinschaft Christi aus." Die Eucharistie wolle jede Spaltung aufheben.

Auf die Bitte des Priesters legten die Teilnehmer des Gottesdienstes beim Friedensgruß sich gegenseitig ein orangenes Band als Symbol der Abendmahlsgemeinschaft um die Schultern. Zum Abschluss drängten sich die Gläubigen, um in der Kirche und auch davor das Abendmahl zu empfangen.

Nächstes gemeinsames Abendmahl am Samstag

Für den Samstag ist in der Gethsemane-Kirche ein weiterer Abendmahlsgottesdienst geplant - diesmal in evangelischer Tradition. Die evangelische Kirche lädt Katholiken grundsätzlich zu ihrem Abendmahl ein, aber Rom untersagt den Katholiken die Teilnahme daran.

Thomas Kunze DPA

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