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Ostholstein: Schlachtung von Kaninchen entsetzt Fünftklässler

"Ernährung in der Steinzeit" lautete das Thema der Projektwoche. In einer fünften Klasse sind die Pädagogen dabei wohl etwas zu lebensnah in die Materie eingestiegen. Den entsetzten Schülern wurde zunächst ein lebendiges Kaninchen präsentiert – um es dann fachgerecht zu schlachten und auszuweiden.

Erst wurde das Kaninchen gestreichelt, dann wurde es geschlachtet - mit diesem Projekt hat eine Schule in Schleswig-Holstein Schüler der fünften Klassen und einige Eltern entsetzt. Wie ein Sprecher des Schulministeriums in Kiel bestätigte, brachen mehrere Schüler der Gemeinschaftsschule Ratekau in Ostholstein bei der Schlachtung im Rahmen einer Projektwoche in Tränen aus. Der im Vorfeld nicht informierte Schulleiter habe inzwischen sichergestellt, dass sich solch ein Projekt in Zukunft nicht wiederhole, sagte der Ministeriumssprecher. Disziplinarmaßnahmen gegen die Lehrer seien zunächst nicht geplant.

Mit dem Hammer betäubt, dann die Kehle durchgeschnitten

Das Projekt stand laut "Lübecker Nachrichten" unter der Überschrift "Ernährung in der Steinzeit". Zu der Schlachtung kam es dem Bericht zufolge eher spontan. Ein Vater aus der Elternschaft, der Landwirt und als Sozialpädagoge auch pädagogisch geschult ist, habe das Kaninchen mitgebracht. Vor der Schlachtung durften die Mädchen und Jungen das Kaninchen noch einmal streicheln. Der Vater, der die Tötung vornahm, sagte der Zeitung: "Das war so etwas wie Abschiednehmen. Die Kinder sagten 'Tschüss, liebes Kaninchen und danke, dass wir dich essen dürfen'." Danach habe er es vor den Augen der Schüler mit einem Hammer betäubt, dem Tier die Kehle durchtrennt, es aufgeschnitten, ausgenommen und das Fell abgezogen.

Elternbeirat ist entsetzt

Medienberichten zufolge war die Teilnahme an dem Projekt freiwillig, von hundert möglichen Schülern habe etwa die Hälfte zugesehen. Dagegen sagte der Ministeriumssprecher, die Freiwilligkeit sei nicht eindeutig gewesen. Zwar hätten sich die Schüler freiwillig für das Projekt melden können - es sei aber nicht absehbar gewesen, was da auf sie zukomme. Immerhin habe der Vater das Tier aber weidmännisch getötet und ausgenommen, so dass die Schlachtung unter dem Aspekt des Tierschutzes nicht zu beanstanden sei.

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats für Gemeinschaftsschulen, Stefan Hirt, kritisierte das Projekt in den "Lübecker Nachrichten" scharf. "Die Idee mag okay sein, die Umsetzung ist pervers." Das Schlachten von Tieren habe in einer Schule nichts zu suchen. "Wir leben heute nicht mehr in der Steinzeit."

kng/AFP / AFP