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Wegen Nazi-Parolen Kino sagt Film über Hitler-Attentäter aus Angst ab


Burladingen ist eine beschauliche Gemeinde in Baden-Württemberg. Doch seit Kurzem stören Nazi-Parolen die Ruhe. Ein Kino nahm sogar einen Film über Hitler-Attentäter Georg Elser aus dem Programm.

Aus Angst vor gezielten Anschlägen aus der rechten Szene wurde in einem Kino in dem Städtchen Burladingen die Vorführung eines Films über den Hitler-Attentäter Georg Elser abgesagt. Ursprünglich sollte das historische Drama "Elser – Er hätte die Welt verändert" in der kommenden Woche gezeigt werden. Doch in der Nacht zum Dienstag besprühten Unbekannte das Kino mit Hakenkreuzen und rechten Parolen. Auch das Rathaus, der Polizeiposten und andere private Gebäude wurden beschmiert.

Der Kinobetreiber fühlte sich durch die Nazi-Parolen scheinbar derart stark bedroht, dass er den Dokumentarfilm nicht mehr zeigen möchte. Wie die Zeitung "Schwarzwälder Bote" berichtet, verurteilt die Polizei jedoch diese Entscheidung. Auch wenn dieses Nachgeben menschlich nachvollziehbar sei, sende es trotzdem ein falsches Signal.

Die Polizei vermutet, dass eine Vorführung der Dokumentation "Blut muss fließen", die vor zehn Tagen in den Alb-Lichtspielen gezeigt wurde, die Täter provoziert haben könnte.

Ein Zufall rettete Adolf Hitler

Der Film  "Elser – Er hätte die Welt verändert" porträtiert den Widerstandskämpfer, dessen Attentat auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller in München 1939 scheiterte. Das Attentat sollte während einer Gedenkfeier zum Jahrestag des gescheiterten Putschversuchs vom 9. November 1923 stattfinden. Hinter dem Rednerpult platzierte Elser eine Zeitbombe. Doch Hitlers Rede fiel durch einen Zufall kürzer aus als geplant. 13 Minuten vor der Explosion verließ er und sein Führungsstab das Gebäude. 

Die Bombe explodierte wie von Elser geplant um 21.20. Von den zirka 120 bis 150 Personen, die zuletzt im Saal verblieben waren, wurden acht getötet. 

Eine Flucht gelang Elser nach seinem gescheiterten Anschlag nicht. Er wurde festgenommen, noch bevor es zu der Explosion kam. Bei dem Versuch in die Schweiz zu fliehen, wurde er noch vom Zollgrenzschutz in Konstanz festgenommen. Er hatte sich verdächtig gemacht, weil seine Grenzkarte abgelaufen war und seine Tasche unter anderem eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers und Teile eines Zünders enthielt.

Elser wurde an die Gestapo ausgeliefert. Ab 1941 wurde er als "Sonderhäftling des Führers" ohne Gerichtsverfahren im KZ Sachsenhausen, später im KZ Dachau gefangen gehalten. Am Abend des 9. April 1945 wurde Elser nach über fünf Jahren Haft heimlich ermordet.

ivi

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