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Berlin vertraulich! 13 Minuten zu spät


Georg Elser plante sein Attentat auf Hitler minutiös, trotzdem ging es schief. Der Widerständler wurde verurteilt und erschossen. Nun ehrt ihn Berlin mit einer Skulptur.
Von Hans Peter Schütz

Die Stadt Konstanz gedenkt des schwäbischen NS-Widerstandskämpfers Georg Elser mit einer Büste beim Emmishofer Zoll, wo ihn die Nazis einst festnahm, als er auf der Flucht war. Auch in Berlin steht bereits eine Elser-Büste. Am 8. November kommt ein Denkmal für den Mann, der mit einem Bombenattentat auf Hitler den Krieg hatte verhindern wollen, hinzu: eine 17 Meter hohen Elser-Skulptur an der Ecke Wilhelmstraße/Vossstraße. Sie steht damit auf dem Areal des ehemaligen Führerbunkers.

In der baden-württembergischen Landesvertretung an der Spree ist man stolz auf Elser. Er sei der "typische Schwabe" unter den Widerständlern gegen Hitler gewesen. "Eben ein richtiger, präziser Schaffer." Stimmt. Denn der im württembergischen Hermaringen geborene Elser hatte in 30 Nächten eine Bombe mit Zeitzünder gebaut und danach in einer Säule des Bürgerbräukellers platziert. Sie explodierte am 8. November 39 um 21.20 Uhr, genau zu der von Elser berechneten Zeit. Die Präzision des ausgeklügelten Zeitzünders hatte der gelernte Schreiner bewerkstelligen können, weil er vor dem Attentat auch einige Jahre in einer Uhrenfabrik gearbeitet hatte. Danach heuerte er als Arbeiter in einem Steinbruch an, um sich dort Sprengstoff zu besorgen. Ab Ende August ging Elser jeden Abend in den Bürgerbräukeller, versteckte sich in der Besenkammer, bis das Lokal geschlossen wurde und brachte die Bombe in der ausgehöhlten Säule unter.

Doch Hitler kam davon, weil er ausgerechnet an diesem Tag wegen schlechten Wetters nicht nach Berlin zurückflog, sondern den Zug nahm und daher viel kürzer als geplant redete. Er verließ den Saal 13 Minuten vor der Explosion der Bombe. Sie tötete acht Menschen und verletzte über 60 Menschen.

Elser wurde zunächst als "Sonderhäftling des Führers" in verschiedenen KZ unter dem Namen "Eller" gefangen gehalten. Die SS ermordete ihn schließlich per Genickschuss, am 9. April 1945. Lange Zeit nach dem Krieg wurde behauptet, Elser sei ein SS-Unterscharführer gewesen. Erst in den sechziger Jahren fanden Historiker heraus, dass er ein mutiger Einzeltäter gewesen war. Angemessen gewürdigt wird er in der Bundesrepublik erst seit etwa 20 Jahren. Seit 2001 wird alle zwei Jahre ein Georg-Elser-Preis für Zivilcourage verliehen.

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Dass man auf das Wort der Bundeskanzlerin nur bedingt setzen kann, dass sie heute mal so, morgen ganz anders redet, weiß die Unionsfraktion seit ihrer abrupten Kehrtwende in der Atompolitik. Aber Angela Merkel neigt auch bei kleineren Problemfragen zum Wortbruch. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hatte zunächst Merkels Zusicherung, er dürfe bei der Bundeswehrreform die Zentrale seines Ressorts endlich von Bonn nach Berlin verlagern. Doch den Regierungserlass für die Reform hat sie dann doch nicht unterschrieben. Grund: Umweltminister Norbert Röttgen, CDU-Chef in NRW, hatte ihr mit "großem Krach" gedroht, wenn sie den Umzug aus dem nordrhein-westfälischen Bonn genehmige. Merke: Ein Kanzlerinnen-Wort ist zuweilen keines!

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Stinksauer war Unions-Fraktionschef Volker Kauder darüber, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei der Euro-Debatte des Bundestags den beiden Abweichlern Klaus-Peter Willsch (CDU) und Frank Schäffler (FDP) Rederecht einräumte, obwohl sie von ihren Fraktionen nicht als Redner nominiert worden waren. Seither charakterisiert Kauder Lammerts Entscheidung auf spezielle Weise: "Beim Empfang des Papstes im Bundestag", sagt er, "haben sich zwei Unfehlbare getroffen – Benedikt XVI. und Lammert."

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Normalerweise haben Linkspartei und CSU wenig miteinander am Hut. Im familiären Ernstfall ist dennoch eine schwarz-dunkelrote Koalition möglich. Katja Kipping, Vorsitzende des Bundestag-Ausschusses für Arbeit und Soziales und stellvertretende Chefin der Linkspartei, bekommt in etwa sechs Wochen ein Baby. Den Mutterschaftsurlaub will sie nehmen, in dieser Zeit lässt sie sich im Ausschussvorsitz vom CSU-Abgeordneten Max Straubinger vertreten. Kipping versichert: "Wir vertrauen uns nahezu blind." Ein bemerkenswerter Satz für eine Abgeordnete, die als mit Abstand schärfste Gegnerin der Hartz-IV-Gesetze gilt.


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