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Rekorddürre im November: Ein ganz und gar untypischer Herbst

Dieser November ist der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Während sich der Süden an der vielen Sonne erfreut, richtet die Dürre allerlei Schäden an. Der Grund für das Wetterphänomen: Über Deutschland steht die Luft still.

Der Sommer fiel ins Wasser - dafür gab es im Herbst zu wenig Regen. So trocken war es im November seit mindestens 130 Jahren nicht in Deutschland, seit Monatsbeginn fiel kein nennenswerter Niederschlag. Auch die Schauer vom Wochenende trafen nur den Norden und brachten wenig. Sie können nicht verhindern, dass der November 2011 als der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 in die Geschichte der Meteorologie eingeht.

Normalerweise fallen im November im Schnitt 67,4 Liter Regen pro Quadratmeter, Mitte des Monats war es noch nicht einmal ein halber Liter. Der bisherige November-Trockenheitsrekord war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Jahr 1920 gemessen worden, damals fielen im ganzen Monat im Schnitt 10,2 Liter pro Quadratmeter.

Schon der September und der Oktober und der gesamte Frühling waren zu trocken. Nur der Sommer fiel zu nass aus, trotzdem bleibt ein Regendefizit. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres hat es nach der DWD-Statistik im Schnitt rund 55 Liter pro Quadratmeter weniger geregnet als üblich, und da ist der November noch gar nicht berücksichtigt.

Die Luft steht

Verkehrte Welt: Während es vielerorts im Flachland und entlang der Flüsse zu kalt war, weil sich dicke, für Autofahrer gefährliche Nebelbänke hartnäckig hielten, fielen auf den Bergen Sonnenschein- und Wärmerekorde, das stand schon zur Monatsmitte fest. Inversionslage nennen die Meteorologen eine Wetterkonstellation, bei der starke Hochdruckgebiete das Wetter bestimmen und Regentiefs aus Westen konstant ablenken. Das war in Deutschland schon seit Oktober so.

Kein Wind konnte die Luftschichten mischen, und so war es im Flachland häufig neblig und kalt bei nur knapp über Null Grad. Der Nebel sorgte zwar vielerorts für sehr feuchte Luft, aber zur Aufbesserung der Niederschlagsbilanz taugte er nicht. "Nebelnässe spielt in der Bilanz keine Rolle", sagte DWD-Meteorologe Jens Hoffmann am Montag.

Schadstoffe sammelten sich am Boden und trieben die Feinstaub-Messwerte in die Höhe. In manchen Städten wurde der EU-Grenzwert bis zum 26. November an mehr als 50 Tagen überschritten, erlaubt sind 35 Überschreitungstage im Jahr. Spitzenreiter war nach Angaben des Umweltbundesamtes die Ruhrgebiets-Stadt Gelsenkirchen, wo der Grenzwert an 78 Tagen überschritten wurde. Das sei ein Resultat der ungewöhnlich lange dauernden austauscharmen Inversions-Wetterlage in diesem Herbst, berichtete das Umweltbundesamt.

Waldbrand in Bayern

In den Bergen herrscht dagegen herrlichster Sonnenschein bei strahlend blauem Himmel und fast frühlingshaften Temperaturen. Wintersportler fürchten schon um ihr Vergnügen - die Grundlage ist jedenfalls dürftig. Auf der Zugspitze schmolz der Schnee in der Novembersonne von 30 Zentimeter auf weniger als 20 Zentimeter zusammen. In der Trockenheit geriet ein Waldstück bei Lenggries in Oberbayern in Brand - Waldbrände zu dieser Jahreszeit sind nach Angaben von Meteorologen äußerst ungewöhnlich. Das schöne Wetter lockte in den Mittelgebirgen ins Freie, aber Bauern und Binnenschiffer machen sich langsam Sorgen wegen der anhaltenden Trockenheit. Wegen Niedrigwassers musste die Schifffahrt auf dem Rhein eingeschränkt werden, Schiffe können nur noch mit reduzierter Ladung fahren. Fähren stellten ihren Betrieb ein. Im Norden gab es wegen des dichten Nebels mehrmals Massenkarambolagen, bei denen Autofahrer ums Leben kamen.

Für die Bauern ist die Trockenheit noch nicht dramatisch, denn die Vegetation ist bereits in der Ruhephase. Die Herbstsaat von Getreide und Raps sei weitgehend abgeschlossen und die Samen gekeimt, sagte DWD-Experte Ekko Bruns. Aber über den Winter müsse es regnen, um die im Boden aufgebrauchten Wasserreserven wieder aufzufüllen. "Wenn die Pflanzen im Frühling wachsen, brauchen sie viel Wasser."

seh/DPA / DPA
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