Rettung Rückschlag im russischen Bergwerksdrama


Bei dem verzweifelten Rettungsversuch im russischen Bergwerksdrama haben die Helfer am Dienstag einen Rückschlag erlitten. Wegen eines Rechenfehlers hat sich der erhoffte Durchbruch zu den 13 Verschütteten weiter verzögert.

Bei dem verzweifelten Rettungsversuch im russischen Bergwerksdrama haben die Helfer am Dienstag einen Rückschlag erlitten. Wegen eines Rechenfehlers hat sich der erhoffte Durchbruch zu den 13 Verschütteten weiter verzögert. Am Abend war noch unklar, wann der Rettungsschacht zu den seit Donnerstag vermissten Bergleuten in 700 Metern Tiefe getrieben werden kann. Ärzte versuchten, den wartenden Angehörigen Hoffnung zu machen. Ein Überleben sei möglich, unter Tage gebe es Kondenswasser zum Trinken. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte ein Strafverfahren gegen die Eigentümer des Bergwerks in Nowoschachtinsk an.

Entgegen den Planungen hatten Rettungsmannschaften, die den Tunnel von einem benachbarten Bergwerk graben, den Unglücksort in der Schachtanlage "Sapadnaja" bis zum Abend nicht erreicht. Statt der errechneten 53 Meter sei der Rettungsschacht inzwischen 57 Meter vorangetrieben worden, sagte Bürgermeister Viktor Solnzew. "In den Berechnungen stecken Fehler." Eine kleines Loch, das im Laufe des Tages zu dem vermeintlichen Schacht gebohrt worden sei, erwies sich als falsche Spur. "Die Sonde ist in eine falsche Öffnung geraten", sagte Solnzew.

Den ganzen Tag über warteten insgesamt sieben Rettungstrupps unter Tage auf ihren Einsatz. Nach dem Erreichen des Bergwerkstollens in der Schachtanlage "Sapadnaja" sollten sie in alle Richtungen ausschwärmen und nach den Bergleuten suchen. "Die Männer haben eine Überlebenschance. Sie können dort unten Kondenswasser trinken. Hauptsache, sie behalten die Nerven", sagte ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Die Temperatur im Stollen wurde auf plus 20 Grad geschätzt. Bis zuletzt fehlte jedes Lebenszeichen der 13 Bergleute.

Am vergangenen Donnerstag hatte ein gigantischer Unterwassersee den Grund der Schachtanlage überflutet und 46 Bergleuten alle Fluchtwege versperrt. 33 Arbeiter wurden am Samstag gerettet. Nach tagelangen Anstrengungen gelang es den Einsatzkräften am Montagabend, das rasante Ansteigen des Wasserpegels unter Tage zu stoppen.

Gewerkschafter beklagten, die tödliche Gefahr eines Wassereinbruchs in der seit 65 Jahren betriebenen Schachtanlage sei seit langem ignoriert worden. Den Verantwortlichen droht eine harte Strafe. Es gebe Beweise, dass der Eigentümer, die Bergbau-Holding Rostowugol, gegen Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz verstoßen habe, sagte der stellvertretende russische Generalstaatsanwalt Sergej Fridinski. Unter den 13 verschütteten Männern sind auch der Bergwerksdirektor Wassili Awdejew und dessen Stellvertreter.

Die Familien der ursprünglich 46 verschütteten Bergleute erhielten nach Medienberichten bereits erste Entschädigungszahlungen von den Bergwerkseignern. Jede Familie soll demnach umgerechnet 330 Euro bekommen. Die Arbeiter hatten zuletzt im März ihr volles Gehalt erhalten. Experten gehen davon aus, dass im Bergwerk "Sapadnaja" nach der Überflutung keine Kohle mehr gefördert werden kann. Die Stadt Nowoschachtinsk verliert damit ihren wichtigsten Arbeitgeber.


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