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Österreich Schwerer Fall von Tierquälerei: Biber aus verbotener Falle gerettet

Ein Biber geht von einem grünbewachsenen Ufer in ein Gewässer
Biber zählen in Europa zu den streng geschützten Arten (Symbolbild)
© Patrick Pleul / Picture Alliance
Der Einsatz von Tellereisenfallen ist eigentlich seit 1995 verboten. Trotzdem fanden österreichische Spaziergänger am Wochenende einen Biber, der in einer solchen Falle eingeklemmt war. Ohne den Einsatz der Passanten hätte das Tier nicht überlebt.

Bei einem Wochenendspaziergang machten Spaziergänger in der Nähe des österreichischen Altheim eine schreckliche Entdeckung: In einem Bachbett fanden sie einen Biber in Lebensgefahr. Das Tier lag im seichten Wasser, eines seiner Beine war in einer verbotenen Tellereisenfalle eingeklemmt.

Der Jäger tauchte nicht auf  

Um den in Europa streng geschützten Biber aus seiner misslichen Lage zu befreien, verständigten die Spaziergänger zunächst den örtlichen Jäger, der zusagte, sich um das Tier zu kümmern. Als die gewissenhaften Spaziergänger jedoch zwei Stunden nach ihrem Anruf noch einmal nach dem verletzten Tier sehen wollten, hatte sich nichts an der Lage des Bibers geändert. Der Jäger schien nicht aufgetaucht zu sein. Um das Tier nicht länger leiden zu lassen, informierten die Spaziergänger den Tierschutzverein Ried.

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Einer ehrenamtliche Mitarbeiterin des Vereins gelang es daraufhin, den aufgrund seiner starken Schmerzen sehr aggressiven Biber einzufangen. "Bei verletzten Wildtieren bitte immer sofort bei uns anrufen, wenn das Tier eine Überlebenschance haben soll", appelliert Pfotenhilfe-Geschäftsführerin Johanna Stadler.

"Das ist ein handfester Skandal"

Die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe brachte das verletzte Tier umgehend zu einem Tierarzt. Dort wurde festgestellt, dass es sich bei dem verletzten Biber um ein Weibchen handelte, welches mehrere Tage in der verbotenen Falle gefangen gewesen sein musste. Angefertigte Röntgenaufnahmen bestätigten dann den grausamen Verdacht: Da Tellereisenfallen aus zwei gezackten Fangbügeln bestehen und bei der Auslösung durch einen Tritt eine hohe Schlagkraft entwickeln, konnte für das Bein der Biberdame nichts mehr getan werden.

Durch den heftigen Zusammenschlag der Bügel waren ihre Knochen vollständig durchbrochen und auch in der Pfote schien das Tier kein Gefühl mehr zu haben. Dem behandelnden Tierarzt blieb nichts anderes übrig, als das verwundete Bein zu amputieren. Zudem litt die Biberdame unter eine Kieferverletzung. Es wird angenommen, dass sie sich mehrfach aus der Falle herauszubeißen versucht hatte. "Das ist ein handfester Skandal", sagt Pfotenhilfe-Geschäftsführerin Johanna Stadler weiter. "Wir schreiben das Jahr 2021 und sind trotzdem mit mittelalterlich anmutenden Foltergeräten konfrontiert. (...) Was muss in einem Menschen vorgehen, um zu solchen Grausamkeiten fähig zu sein, dass er unschuldige Tiere vorsätzlich quält und schwerst verletzt?" Es sei bereits der zweite Vorfall dieser Art innerhalb weniger Woche gewesen. 

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Aufgrund ihrer extremen Grausamkeit sind Tellereisenfalle seit 1995 in der gesamten EU verboten. Gegen den unbekannte Täter wurde Anzeige erstattet, ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft. Die Biberdame befindet sich weiterhin unter ärztlicher Aufsicht. Ob sie wieder ausgewildert werden kann, ist derzeit fraglich.

Quellen: "pfotenhilfe.org" / "meinbezirk.at"

as

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