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Skurriler Auftritt in US-Late-Night-Show: Wenn der Depri-Deutsche Weihnachten feiert

Weihnachten in Deutschland ist eine trostlose Angelegenheit - glaubt man US-Comedian Stephen Colbert. Der lässt in seiner Satire-Show einen zutiefst depressiven Deutschen vom Fest erzählen.

Der US-Moderator Stephen Colbert veralbert in seiner Show gerne stramm-konservative Republikaner. Und nun auch die angeblich steifen Deutschen.

Der US-Moderator Stephen Colbert veralbert in seiner Show gerne stramm-konservative Republikaner. Und nun auch die angeblich steifen Deutschen.

Für gewöhnlich nimmt der der amerikanische Moderator Stephen Colbert in seiner Satire-Show "The Colbert Report" Politiker jeglicher Couleur auf die Schippe. Besonders gerne spielt der selbsterklärte Demokrat dabei einen völlig ignoranten, stramm-konservativen Kommentator. Die Kollegen vom Fernsehsender Fox News, die den Republikanern in der Regel treu ergeben sind, lässt das wie Idioten aussehen. "Finden Sie nicht, dass George W. Bush ein großartiger Präsident ist"?, lautete noch zu dessen Amtszeit eine von Colberts Lieblingsfragen in jedem Interview. Mit dem Satire-Format erreicht der 49-Jährige ein Millionenpublikum.

In einer Dezembersendung hatte es Colbert nun jedoch auf die Deutschen abgesehen. Um über Weihnachten in verschiedenen Kulturen zu plaudern, hatte er einen "Vertreter Deutschlands" zu Gast: den angeblichen Botschafter der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen in New York, Hans Beinholtz. "Wer ist der Weihnachtsmann?", fragt Colbert seinen Gast, der einen Nikolausmütze trägt - und erwartet einen weihnachtliche-beschwingte Antwort. Doch Beinholtz denkt gar nicht daran: "Der Weihnachtsmann ist ein Landstreicher", antwortert er mit todernster Miene. "Vom Alter gekrümmt, jeder Gemeinschaft beraubt, sein einziger Freund ist ein Kiefernzweig."

"Aber nur um es klarzustellen", geht der Moderator dazwischen. "Die Deutschen lieben doch ihren Weihnachtsmann, oder?" Ja, natürlich, antwortet der - und fährt nüchtern fort: "Wenn sich der eisige trostlose Winter über Deutschland legt, sind seine Geschenke die einzige Ablenkung von der erdrückenden Dunkelheit. Dann, wenn der Wolf der Vergessenheit an unserer Türe leckt, mit seiner nimmersatten Zunge, bis wir zu schwach zum Kämpfen sind und uns niederlegen, um von der Kälte des Schnees gepackt zu werden."

Ein Gift namens Hoffnung

"Komm schon, es ist Weihnachten, lass uns etwas fröhlicher sein", probiert es Colbert aufmunternd, woraufhin ihm Beinholtz - so feierlich wie ihm möglich - ein Zuckerrohr überreicht. Nur um sogleich über das Wesen von Geschenken zu philosophieren: "Jedes Geschenk steht letztlich für die Kiste, in die wir alle eines Tages gesteckt werden." Das geht Colbert dann doch zu weit, er versucht, den übellaunigen gelaunten Gast abzuwürgen. Prompt schwebt ein Mistelstrauch über den Moderatorentisch herein.

Zum erwarteten Kuss kommt es aber nicht. Stattdessen sagt Beinholtz mit Todesmiene: "Mistelbeeren sind ein tödliches Gift. So wie die Hoffnung. Frohe Weihnachten für Deutschland, frohe Weihnachten für die ganze Welt!"

Nach dieser Betrachtung stellt sich die Frage, welches Bild die Amis eigentlich von uns Deutschen haben.

as