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Referendum in der Slowakei: Bürger entscheiden über schärfere Gesetze gegen Homosexuelle

In der Slowakei will eine kirchennahe Allianz die ohnehin kaum vorhandenen Rechte von Homosexuellen weiter beschneiden - aus Angst vor EU-Regelungen. Die Bürger sollen über drei Fragen abstimmen.

Die katholische Kirche unterstütz das Referendum, wirbt mit dem Papst dafür

Die katholische Kirche unterstütz das Referendum, wirbt mit dem Papst dafür

Am Samstagmorgen hat in der Slowakei ein Referendum begonnen, das die Rechte von Homosexuellen weiter beschneiden soll. Die 4,4 Millionen Stimmberechtigten sollen entscheiden, ob sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften und die Adoption durch Homosexuelle per Gesetz ausdrücklich verbieten wollen. Eine Antwortmöglichkeit zur Einführung dieser schon bisher nicht bestehenden Rechte ist nicht vorgesehen.

Die Abstimmung wurde von der kirchennahen "Allianz für die Familie" durchgesetzt und umfasst drei Fragen. Die erste Frage geht darum, ob die Ehe nur eine Verbindung zwischen Mann und Frau ist. Mit einer zweiten Frage soll die schon bisher nicht erlaubte Adoption durch Homosexuelle durch ein zusätzliches Gesetz verboten werden. Die dritte Frage betrifft das Recht von Eltern, Sexualkundeunterricht für ihre Kinder zu untersagen.

Ohnehin sind die Rechte von Schwulen und Lesben in dem EU-Land kaum vorhanden. Allerdings befürchten die Initiatoren EU-Regelungen, die das ändern könnten und gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Ehen gleichsetzen könnten. Die Wahllokale sind bis 22 Uhr geöffnet, das Abstimmungsergebnis soll am Sonntagvormittag bekanntgegeben werden.

"Aber wo ist die Mama?"

Bereits im Vorfeld der Abstimmung gab es einige Auseinandersetzungen. So rührten viele Bischöfe offen die Werbetrommel für das Referendum und riefen alle Gläubigen zur Teilnahme auf. Die Kampagne wird auch mit einem zweifelhaften TV-Werbespot beworben. Darin sitzt der kleine Adam an einem Schreibtisch und malt mit Buntstiften sein Ideal von Familie. Mutter und Vater halten ein Kind an den Händen, alle sind glücklich. Da kommt eine Frau rein und stellt ihm zwei junge Männer als seine neuen Eltern vor. Da fragt Adam, der die beiden Händchen haltenden Männer mit unsicherem Bllick mustert: "Aber wo ist denn Mama?"

Fast alle Fernsehsender weigerten sich den Kampagnen-Spot auszustrahlen. Die streng konservativen Bürgervereinigungen, die das Vorhaben unterstützen, fühlten sich durch die Selbstzensur der Medien angegriffen. "Die extrem linken Homo-Aktivisten und Feministen wollen die natürlichen Familien zerschlagen", sagte der Sprecher der Vereinigung, Peter Kremsky.

fin mit Material von DPA
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