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Crowdfunding für Therapie So hart kämpft Ben für ein Leben ohne Rollstuhl

Ben bei der Therapie: Am 25. Juni stand er erstmals nach 13 Jahren wieder eigenständig auf seinen Beinen.
Ben bei der Therapie: Am 25. Juni stand er erstmals nach 13 Jahren wieder eigenständig auf seinen Beinen.
© Youtube/Patrick Schäfer
Mit 21 bricht sich Ben beim Football-Training den 5. Halswirbel. Seitdem sitzt der Berliner im Rollstuhl. Weil seine Krankenkasse die Therapie nicht bezahlt, bittet er weltweit um Hilfe - mit Erfolg.

Den 25. Juni 2015 wird Benjamin Baltruschat nicht so schnell vergessen. Es ist der Tag, an dem er das erste Mal seit 13 Jahren wieder auf seinen eigenen Beinen steht und selbstständig läuft. Es sind kleine Schritte, wackelige Schritte und Benjamin braucht einen Rollator, auf den er sich stützen kann. Aber er läuft.

Der Unfall, der sein Leben verändert  

Vor 13 Jahren hat er sich beim Football-Training den 5. Halswirbel gebrochen. Bei einer Übung ist er unglücklich mit seinem Gegenspieler zusammengeprallt. Er hat gleich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. "Es war wie so ein Kabel, das durchgeknallt ist", beschreibt er den Moment nach seinem Unfall. "Alle anderen aus dem Team meinten am Anfang, dass ich mir bestimmt nur einen Wirbel eingeklemmt habe, aber ich wusste gleich, dass es was schlimmeres ist. Das merkt man einfach." Seit dem Unfall ist Ben querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Doch das will er ändern. Ben will wieder laufen. Unbedingt.

Der lange Weg zurück auf die Beine

Im Zentrum für Rehabilitation Pforzheim will Ben wieder auf die Beine kommen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat Erfolgsgeschichten von anderen Patienten gelesen. Patienten, die eine ähnliche Krankengeschichte haben wie er und die dort wieder laufen gelernt haben. Menschen, die zuvor schon unzählige andere Therapien gemacht haben. Alle ohne Erfolg. Menschen wie er. Die nicht aufgeben wollen, obwohl es aussichtslos  scheint. Nach seinem ersten Probetraining ist er sicher: Wenn er jemals wieder laufen will, dann lernt er es nur hier.

Doch die Therapie ist teuer und dauert lange. Nach eigenen Angaben braucht Ben sechs bis acht Stunden Physiotherapie am Tag und mindestens zwei Therapeuten, die ihn mobilisieren. Therapie und Unterkunft kosten rund 4500 bis 5000 Euro die Woche. Geld, das seine Krankenkasse nicht zahlen will. Die Kasse verweist Ben auf Vertragskliniken, in denen er eine Therapie machen kann. Doch das überzeugt ihn nicht. "Um wieder laufen zu lernen, muss ich laufen", meint Ben. Und dass - so glaubt er - geht nicht in der angebotenen Einrichtung.

Crowdfunding für ein neues Leben

Um das Geld für die Therapie zusammenzubekommen, hat Ben im vergangenen Jahr eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. "Sick of Wheels" hat er sie genannt - keinen Bock mehr auf den Rollstuhl. Auf der Plattform Indiegogo sammelt er Geld. Und tatsächlich bekommt er so viel zusammen, um die ersten Monate seiner Therapie bezahlen zu können.  Die Fortschritte der Therapie dokumentiert er auf seiner Facebook-Seite. Er hat sogar ein Youtube-Video ins Netz gestellt, um anderen Menschen seine Erfolge zu zeigen. Und um Werbung zu machen. Werbung für seine Spendenseite. Denn lange kann er sich den teuren Aufenthalt in der Klinik nicht mehr leisten. Aber aufgeben will er nicht.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
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"Irgendwann werde ich wieder laufen"

"Je länger ich in der Klinik bleiben kann, desto mehr Fortschritte mache ich", sagt Ben. Elf Wochen ist er jetzt schon dort. Die Therapie läuft gut. Am 25. Juni macht er seine ersten eigenen Schritte nach 13 Jahren im Rollstuhl.

Mit den Aufnahmen aus der Klinik möchte Ben nun auch seine Krankenkasse überzeugen, dass sie ihn bei der Therapie unterstützt. Allerdings glaubt er nicht daran, dass es klappt. Also sammelt er weiter und hofft, dass ihm die Menschen weiter helfen. "Ich möchte ein Vorbild sein und den Menschen zeigen, dass man trotz eines harten Schicksals noch ein schönes Leben haben kann", sagt er. Auch dafür verfolgt er seinen Traum. Den Traum, irgendwann wieder auf den eigenen Beinen zu stehen. "Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann wieder laufen werde", sagt Ben. Auch, wenn die Ärzte etwas anderes sagen.

as

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