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Sommerloch-Star Yvonne: Von Kühen, Medien und Eutern

Yvonne narrt uns alle. Das Theater um die flüchtige Kuh nimmt groteske Züge an - und kostet mehrere tausend Euro. stern.de sagt, woher das Geld für die Suche kommt. Und was passiert, wenn Yvonne nicht gefunden wird.

Von Anna Miller

In Sachen Yvonne sind sich die Reporter für nichts zu schade. Auch nicht dafür, morgens um sechs Uhr auf einer verlassenen Weide im Nirgendwo zu stehen. Dort wartete bei Tagesanbruch ein Helikopter auf die Meute - und für die Suche nach Yvonne. Kostenpunkt: 4500 Euro. Gesponsert von "Antenne Bayern". Mit an Bord: Wärmebildkamera und sechs Fachkräfte. Doch die flüchtige Kuh wurde noch immer nicht gesichtet. Yvonne bleibt verschwunden. Und alle bleiben sie besessen von diesem Rindvieh, das seit zwei Monaten durchs Unterholz jagt.

Der wohl Besessenste von allen ist Michael Aufhauser vom Gnadenhof Aiderbichl. "Wir haben erst heute wieder eine heiße Spur entdeckt. Haben einen umgerannten Zaun gefunden und eine Stelle, wo sie sich mehrmals hingelegt hat", erzählt Michael Aufhauser euphorisch in den Hörer. Ein Bett soll sie sich gemacht haben, regelrecht zur Sesshaftigkeit tendieren. "Das ist das allererste Mal, dass das passiert ist", sagt Aufhauser. Hockt sie in den nächsten Tagen wieder woanders, wird eben "erneut in die Lüfte gestiegen".

Die Suche nach der bayerischen Kuh, sie nimmt kein Ende. Immer absurdere Methoden werden ausprobiert, gestandene Blätter berichten im Tagesrhythmus von der Kuh, die eigentlich ein Reh sein will. Für die Menschen scheint Yvonne eine Heldin zu sein, ein freiheitsstrebendes Individuum, ja gar eine Identifikationsfigur. Lauf, Yvonne, lauf. Und noch beherrscht uns das Sommerloch. Doch warum sucht ein österreichischer Gnadenhof wie wild nach dem Tier? Und wer finanziert diesen Wahnsinn überhaupt?

Yvonne, eine Geldeintreiberin

"Wir erhalten keinerlei öffentliche Gelder", versichert Michael Aufhauser vom Gut Aiderbichl. Die Kosten für die Suche nach Yvonne würden vollständig von der Stiftung Gut Aiderbichl getragen. "Das sind allesamt Privatpersonen, die für die Rettungsaktionen aufkommen." 250.000 registrierte Patenschaften hat Gnadenhof Aiderbichl. Da kommt eine ganze Stange Geld zusammen, um das geflohene Rindvieh wieder zurück auf die Weide zu holen.

Für Gut Aiderbichl lohnt sich die flüchtige Kuh allemal. Die PR ist gigantisch. "Ich hätte niemals eine derartige Plattform für meine Anliegen gehabt, wenn Yvonne nicht ausgebüxt wäre", sagt Aufhauser.

Warum kann Yvonne nicht im Wald bleiben?

"Es ist durchaus denkbar, dass Yvonne von sich aus im Wald bleiben wird und da auch gut leben kann", sagt Aufhauser. Aber: Das Waldgesetz in Deutschland erlaubt nur im Wald einheimischen Tieren den Aufenthalt. Per Gesetz wird also alles abgeschossen, was nicht in den Wald gehört. "Dass Yvonne aber einfach so abgeschossen wird, ist eigentlich ausgeschlossen", sagt Aufhauser. "Dafür ist sie viel zu prominent. Die Leute würden noch heftiger protestieren als damals bei Braunbär Bruno."

Die Polizei hat die Gnadenfrist der Kuh zwischenzeitlich bis zum 26. August verlängert. Die Angst vor militanten Yvonne-Freunden ist wohl einfach zu groß. Solange Yvonne also im Wald bleibt und nicht auf Autobahnen oder Kinderspielplätze rennt, kann sie weiter rumlaufen, wie es ihr grade passt.

Was passiert, wenn Yvonne nicht gefunden wird?

"Yvonne wird noch eine Weile gut leben können", sagt Aufhauser. Spätestens im Winter aber ergeben sich einige Probleme. "Eine Kuh ist nicht für die Wildnis gemacht. Sie würde das Gras unter dem Schnee hervorscharren müssen - ich weiß nicht, ob sie das hinkriegt", sagt Aufhauser. Selbst der "klügsten Kuh Deutschlands" sind also mentale Grenzen gesetzt. Außerdem könnte sie sich an Eisstücken schneiden, Entzündungen wären die Folge. "Wenn man die nicht sofort behandelt, stirbt das Tier." Und ein Platzen des Euters? "Wenn eine Kuh nicht gemolken wird oder nicht trächtig ist, versiegt die Milch automatisch", sagt Aufhauser.

Aufhauser und sein Team geben nicht auf. "Wir suchen so lange weiter, bis sie gefunden ist. Wir haben beschlossen, Tierleben zu schützen. Wir gehen den ganzen Weg", sagt Aufhauser. Doch auch er ahnt: Irgendwann hat die Geschichte ein Ende. Und das wird wohl genau so einfach sein wie bei den meisten anderen Rettungsaktionen. "Da wird wohl irgendwann jemand anrufen und sagen 'Hallo, vor meinem Garten steht 'ne Kuh'." Und das war's dann mit dem Sommerloch.

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