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Sorge um Eisbär-Nachwuchs: Bärchen statt Böller in Bremerhaven

An Silvester wird in Bremerhaven traditionell am Weserdeich aufs neue Jahr angestoßen und kräftig geböllert. Diesmal aber soll alles anders sein - aus Rücksicht auf das neue Eisbärenbaby im nahen Zoo.

Sieht nach einer glücklichen Bärenmutter aus, die ihr Junges knuddelt: "Valeska" und Baby in der Wufhöhle (Überwachungskamera).

Sieht nach einer glücklichen Bärenmutter aus, die ihr Junges knuddelt: "Valeska" und Baby in der Wufhöhle (Überwachungskamera).

Es ist fasst schon ein Flehen: "Bitte liebe Bremerhavener, helfen Sie uns, in dem Sie in diesem Jahr auf die Knallerei am Deich verzichten, damit wir gemeinsam im nächsten Jahr viel Freude an unserem kleinen Eisbären haben", heißt es auf der Webseite des Bremerhavener Zoos. Dort ist man eigentlich euphorischer Stimmung: Erstmals seit 41 Jahren ist dort wieder ein gesundes Eisbärenbaby geboren worden. Und da sich Mutter "Valeska" rührend um ihr Neugeborenes kümmert, wäre eigentlich alles in bester Ordnung. Wäre da nicht der nahe Jahreswechsel.

Zoodirektorin Heike Kück sorgt sich um das Wohl des noch namenlosen Bärenbabys. Der Grund: Die Böllerei in der Silvesternacht. Der Zoo liegt ganz in der Nähe des Weserdeichs, der in Bremerhaven traditionell Haupt-Treffpunkt ist, um das neue Jahr mit viel Knallerei, lautem Jubel und Alkohol zu begrüßen. Das Problem: Eine Eisbärenmutter und ihr Junges können viel vertragen, aber kein Getöse in der Nähe der Wurfhöhle. "Die Gefahr ist groß, dass die Eisbärenmutter durch Böllerschüsse verunsichert wird und das Jungtier vernachlässigt", sagte Heike Kück im Gespräch mit Radio Bremen. Möglicherweise könne sogar das Leben des elf Tage jungen Bärchens gefährdet sein.

Stadt sperrt Bereiche rund um den Zoo

Da Eisbären-Nachwuchs weltweit sehr selten ist, unterstützt die Stadt Bremerhaven die Zoodirektorin. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) rief die Bremerhavener und ihre Silvestergäste ebenfalls zur Zurückhaltung auf und bat darum, in der Nähe des Zoogeländes nicht zu böllern. Der an den Zoo grenzende Willy-Brand-Platz sowie die Zoo-nahen Gebiete des Weserdeichs sollen abgesperrt werden, damit kein Böller dem Eisbärchen zu nahe kommt. Ein Risiko besteht dennoch, ist doch die Silverknallerei nach Angaben der Tierschutzvereine ohnehin für die meisten Tiere eine Quälerei.

Der kleine Bremerhavener Eisbär ist am 16. Dezember geboren. Mutter "Valeska" hatte sich schon einige Zeit zuvor in eine per Kamera überwachte Wurfhöhle zurückgezogen. Dort brachte sie auch ihr Junges zur Welt und trug es nach der Geburt sofort vorsichtig in die Wurfhöhle. Einen Tag später wurde sogar ein zweites Jungtier entdeckt, das aber tot war. Die ersten Tage vergingen mit bangem Warten, da es auch vorkommen kann, dass die Bärin keine Milch hat. Doch inzwischen zeugen Kamerabilder und Töne von einem gesunden und zufriedenen Säugling.

Erfolgreiche Zucht sehr schwierig

Die erfolgreiche Zucht von Eisbären in Zoos ist schwierig: 2011 sind weltweit in Zoos laut Internationalem Zuchtbuch nur neun kleine Eisbären groß geworden. Weltberühmt wurde der 2006 #link;http://www.stern.de/panorama/eisbaer-knut-eisbaer-knut-starb-an-virusinfekt-und-gehirnentzuendung-1670380.html;im Berliner Zoologischen Garten geborene "Knut"#, der 2011 nach einer Hirnhauterkrankung ertrunken war. Im Bremerhavener Zoo sind in den Jahren von 1935 bis 1972 immerhin 23 Jungtiere groß geworden. Davon zog alleine die Bärin Suse II 15 Jungtiere groß.

dho mit DPA
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