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Schock unter Anwohnern Stadt Herten kündigt 174 Menschen gleichzeitig die Wohnung

Der historische Stadtkern von Herten-Westerholt.
Der historische Stadtkern von Herten-Westerholt. 174 ehemalige Anwohner müssen sich nach der Wohnungskündigung eine neue Heimat suchen.
© Jochen Tack / Picture Alliance
174 Anwohner aus dem nordrhein-westfälischen Herten müssen sich von einen auf den anderen Tag eine neue Wohnung suchen. Die Stadt hatte mehr als 60 Jahre ohne Genehmigung Wohnungen auf Gewerbeflächen vermieten lassen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de.

Am Anfang stand eine Banalität: Geschäftsleute beschwerten sich über spielende Kinder in einem Gewerbegebiet in Herten (Nordrhein-Westfalen). Doch dann kam heraus, dass hunderte Menschen dort illegal leben. Zum Teil schon seit Jahrzehnten, aber ohne es zu wissen. Denn seit den 60er-Jahren waren gewerblich genutzte Gebäude ohne Genehmigung zu Wohnungen umgewandelt worden. Jetzt sagt die Stadt: 174 Mieter müssen raus aus ihren Wohnungen und sich ein neues Zuhause suchen. Viele sind verzweifelt.

Menschen im Gewerbegebiet Westerholt wussten von nichts

Bei den Menschen im Gewerbegebiet Westerholt herrschen Angst, Wut und Unverständnis. Die Nachricht, dass sie bis Sommer 2022 ausziehen sollen, traf sie wie ein Schock. Denn wie hätten sie ahnen sollen, dass ihre Wohnungen dort gar nicht bewohnt werden dürfen?

"Wir waren geschockt", sagt die Mutter der kleinen Emma Louise Hastigsputh. Schon seit neun Jahren lebt die Familie hier – unter einem Dach mit der Oma. Keiner will hier weg. "Damit haben wir nie gerechnet. Wir haben uns das noch schön gemacht jetzt in der Pandemie, den Garten schön gemacht, so wie wir es immer wollten. Unsere Tochter ist hier geboren, die ist hier groß geworden."

Herten: Anwohner wissen nicht, wohin

Nina Ebert kann nachts nicht mehr schlafen. "Ich habe Magenschmerzen, und das alles vor Weihnachten. Man weiß nicht, was man tun soll." Auch andere Anwohner wissen nicht mehr weiter. "Ich bin krank, mein Mann ist krank. Wir sind vor drei Jahren hier runtergezogen, weil wir keine Treppen mehr steigen können", sagt Brigitte Pellmann. "Wo sollen wir hin? In Herten gibt es keine Wohnungen mehr."

Laut Rechtsanwalt ist die Stadt im Recht

Tatsächlich ist das Wohnen in dem Gewerbegebiet nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa für den Inhaber eines Betriebs oder den Hausmeister. Dass aus den Gebäuden in den letzten Jahrzehnten immer wieder einfach Wohnungen gemacht worden sind, kann Rechtsanwalt Arndt Kempgens nicht nachvollziehen. "Da müssen ganz viele Leute ziemlich lange und intensiv gepennt haben. Aber man muss natürlich sagen: Wenn der baurechtswidrig ist, dann wird das nicht durch die Nutzung erlaubt, sondern bleibt baurechtswidrig", erklärt der Jurist.

Stadt Herten: Verkehr im Gewerbegiebet gefährdet Kinder

Im Gewerbegebiet herrsche viel Verkehr, was für spielende Kinder gefährlich sei, argumentiert die Stadt. Zwar will man "bei der Festlegung des Auszugstermins die persönlichen Verhältnisse" berücksichtigen, wie es in einer Mitteilung heißt. Doch davon, dass die Menschen unter Umständen doch in ihren Wohnungen bleiben können, ist keine Rede.

RTL.de/bst/jus

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