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Starke Unwetter in Deutschland: Die Republik im Hauptwaschgang

Das erste große Unwetter des Sommers hatte Deutschland am Montag fest im Griff. Ob im hohen Norden oder im tiefen Süden - Gewitter mit Starkregen verwandelten Straßen in Flüsse und ließen zahlreiche Keller volllaufen.

Hamburgs Bahnhofshalle nach dem großen Starkregen: Fahrgäste waten durch knöchelhohes Wasser. Ein Unwetter während des abendlichen Berufsverkehrs hat die Stadt ins Chaos gestürzt. Keller liefen voll, Unterführungen und U-Bahn-Eingänge wurden überschwemmt. Ein Mann wurde vom Blitz getroffen und schwer verletzt. Ein Feuerwehr-Sprecher: "Wir haben Ausnahmezustand". In Hamburg waren mehr als 1000 Feuerwehrleute im Einsatz. Sie wurden auch zum Rathaus, zur Staatsoper und dem bekannten Hotel "Atlantic" gerufen. Wegen der Wassermassen mussten einige Bereiche des Bahnhofs gesperrt werden.

Doch nicht nur die Feuerwehr sprang ein: In vielen Stadtteilen entwickelte sich Nachbarschaftshilfe der feuchten Art. Teilweise mit Mülltonnen versuchten die Bewohner der Wassermassen in den überfluteten Büroräumen Herr zu werden.

Für das Auspumpen von Kellern mussten allerdings meist die Profis einspringen. Innerhalb von gut vier Stunden mussten die Retter in Hamburg zu rund 1100 Einsätzen ausrücken. Im Einkaufszentrum "Europa-Passage" brach das Wasser gleich auf mehreren Ebenen ein. Daraufhin fielen Teile der abgehängten Decken herunter, das Gebäude musste geräumt werden. Am Hamburger Flughafen gab es kurzzeitig keine Starts und Landungen, S-Bahn-Linien waren stundenlang lahmgelegt. In Berlin waren besonders der Südosten der Stadt sowie die Bezirke Mitte und Prenzlauer Berg betroffen.

Zwischen Memmingen und Landsberg brachte starker Hagel auf der Autobahn die Autos zum Bremsen. Wegen schlechter Sicht, Windböen und daumendicker Hagelkörner auf der Fahrbahn war vielerorts auf den Straßen kein Durchkommen. Teilweise erinnerten die hagelbedeckten Flächen in Süddeutschland an einen Besuch des Winters.

Auch im hessichen Alsfeld war Land unter. Mehr als 100 Liter Wasser pro Quadratmeter wurden hier am Sonntag innerhalb weniger Stunden registriert - fast das Doppelte der üblichen Monatsmenge. Die Straßen in den Stadtteilen Hattendorf, Berfa, Heidelbach, Eudorf und Eifa standen zeitweise unter Wasser. Feuerwehr und THW waren permanent im Einsatz.

Bevor die Unwetter-Fronten ihren Weg über Deutschland antraten, genossen die Menschen den Sommertag im Schwimmbad - so sind Wasseransammlungen wesentlich beliebter.

Während des Unwetters ist im mittelfränkischen Großschwarzenlohe eine alte Eiche auf ein Mehrfamilienhaus gestürzt. Verletzt wurde dort niemand. In Mittelfranken und im Oberallgäu wüteten die Unwetter aber schwer. Ein Blitzeinschlag in ein Wehr bei Ochsenfurt nahe Würzburg legte die Schifffahrt auf dem Main für einige Zeit lahm. Behinderungen gab es auch auf Bahnstrecken. Nach Einschätzung der Wetterfrösche werden die teils schweren Gewitterregen zunächst weitergehen. Solche Unwetter sind in schwül-heißer Sommerluft nach Angaben von Meteorologen nicht ungewöhnlich.

In Oberdollendorf, einem Stadtteil von Königswinter bei Bonn enstand eine regelrechte Wasserstraße. Dort kam ein Mädchen ums Leben, das von einer Gartenmauer begraben wurde. Obwohl Hilfe rasch zur Stelle war, konnte die 13-Jährige nicht mehr grettet werden.

In einem Wildpark in Mechernich wurden 30 Hirsche vom Blitz getroffen und sofort getötet. "Die waren komplett durchgegart und hatten blaue Phosphor-Augen", berichtete der Wildpark-Besitzer.

hw/RED