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Notstand in sieben US-Staaten: Verheerende Unwetter fordern 170 Tote

Mehr als 100 Tornados bringen den USA erneut Tod und Verwüstung - und die Sturmsaison hat gerade erst begonnen. Ganze Häuserblocks wurden weggerissen. Die Zahl der Toten steigt sprunghaft. Mit weiteren verheerenden Stürmen ist zu rechnen.

Die Zahl der bei Tornados im Mittleren Westen und Süden der USA getöteten Menschen ist auf 159 gestiegen - zuvor war von 76 Toten die Rede gewesen. Allein im Bundesstaat Alabama seien in der Nacht zum Donnerstag rund 130 Menschen ums Leben gekommen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Die Tornados hatten ganze Häuserzeilen weggerissen, heftiger Regen hatte zu schlimmen Überschwemmungen geführt. Bis Mitternacht (Ortszeit) seien mindestens 138 Tornados allein über die ebenfalls hart getroffenen Bundesstaaten Tennessee und Mississippi hinweggefegt, meldete der Nationale Wetterdienst (NWS). Hunderttausende Menschen in der Region waren ohne Strom.

Gouverneure rufen nach Nationalgarde

Eine Sprecherin des Katastrophenschutzes in Alabama sagte, die Stadt Tuscaloosa sei von einem Tornado am Mittwochabend stark verwüstet worden. Dort seien Gebäude einfach verschwunden. "Buchstäblich wurde Häuserblock um Häuserblock der Stadt ausradiert", zitierte CNN Bürgermeister Walter Maddox. Das Schicksal der Bewohner sei ungewiss. Der Südstaat wurde am Mittwoch gleich von zwei Sturmfronten heimgesucht.

In Arkansas kamen elf Menschen ums Leben. Weitere Todesopfer gab es in Mississippi und Missouri. Dort mussten hunderte Menschen ihre Häuser verlassen, nachdem Flüsse über die Ufer getreten waren. In den Bundesstaaten Alabama, Arkansas, Kentucky, Mississippi, Missouri, Tennessee und Oklahoma wurde der Notstand ausgerufen. Mehrere Gouverneure riefen die Nationalgarde zur Hilfe. US-Präsident Barack Obama ordnete sofortige Hilfe an - vor allem für das besonders betroffene Alabama. Dazu sollten auch Such- und Rettungskräfte gehören. "Unsere Gedanken sind bei all jenen, die von dieser Verwüstung betroffen sind, und wir loben den heldenhaften Einsatz jener, die unermüdlich gegen die Folgen dieser Katastrophe gearbeitet haben", erklärte Obama.

Neue Unwetterwarnungen

Der NWS warnte unterdessen vor neuen Tornados, Hagel, Überschwemmungen und Blitzschlag in den Südstaaten Alabama, Georgia und Mississippi sowie vor Unwettern in weiteren 21 Bundesstaaten von den Großen Seen bis zur Golfküste und zum Atlantik. Erst am Freitag könne sich die Lage vorübergehend entspannen, doch bereits am Samstag seien neue schwere Regenfälle und starker Wind zu befürchten.

Die Unwetter folgen auf einen nassen Frühling und einen schneereichen Winter, die Böden können deshalb keinen weiteren Regen aufnehmen und die Wasserstände in den Flüssen sind bereits hoch.

Experten erwarten lebendige Hurrikan-Saison

Für die diesjährige Hurrikan-Saison vom 1. Juni bis zum 30. November sagte der Wetterdienst Weather Services International (WSI) heftige Stürme voraus. Voraussichtlich 15 starke Stürme würden das Festland der USA heimsuchen. WSI rechnet mit acht Orkanen, davon mindestens vier der Stufe drei oder stärker auf der fünfstufigen Saffir-Simpson- kala.

Betroffen von den Stürmen dürfte demnach vor allem die Küste am Golf von Mexiko sein. Die Sturmsaison werde aber wahrscheinlich nicht so heftig wie in den Jahren 2010 und 2005 ausfallen. Seit 2008 war kein Hurrikan mehr auf das US-Festland getroffen. Vergangenes Jahr gab es im Atlantikgebiet 19 Tropenstürme in Amerika und der Karibik, zwölf davon waren Hurrikane.

dho/AFP/DPA / DPA