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Berlin und Duisburg: Bombendrohungen gegen Linkspartei und Moschee – unterzeichnet mit "Combat 18"

Sie waren unterzeichnet mit "Combat 18": Zwei Bombendrohungen haben in Berlin und Duisburg für Polizeieinsätze gesorgt. Die Ermittler prüfen nun, ob wirklich das Neonazi-Netzwerk dahintersteckt.

Ditib-Merkez-Moschee in Dusiburg und Parteizentrale der Linken in Berlin nach den Bombendrohungen

In Duisburg wurde nach der Bombendrohung die Ditib-Merkez-Moschee evakuiert (links) in Berlin die Parteizentrale der Linken

DPA

Zwei Bombendrohungen haben in Berlin und Duisburg für Beunruhigung und große Polizeieinsätze gesorgt. Die Polizei geht jeweils von einem politischen Hintergrund aus – unterzeichnet waren die Schreiben mit "Combat 18", dem Namen eines gewaltbereiten, rechtsextremen Netzwerkes.

In Berlin war die Parteizentrale der Linken Ziel des Drohschreibens. Am Vormittag sei eine E-Mail im Karl-Liebknecht-Haus in Mitte eingegangen, in der es um eine Bombe im Gebäude gegangen sei, teilte eine Sprecherin der Partei mit. Das Bürohaus sei evakuiert worden, die Polizei sperrte die Umgebung ab. Nach Prüfung der E-Mail haben Ermittler die Drohung als nicht ernsthaft bewertet, sagte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur DPA. Das Gebäude sei nicht durchsucht worden. Die 40 bis 50 Beschäftigten konnten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Auch Bombendrohung gegen Moschee in Duisburg

Die zweite Drohung richtete sich gegen die Ditib-Merkez-Moschee in Duisburg, eines der größten islamischen Gotteshäuser des Landes. Dort ging gegen 10.20 Uhr eine E-Mail ein, in der die Zündung einer Bombe für den Nachmittag und eine "Katastrophe" angekündigt wurden. Auch hier wurde die Polizei eingeschaltet, die die Moschee räumte und eine Sperrzone einrichtete. Das Gebäude wurde mit einem Sprengstoffspürhund durchsucht. "Gegen 14.30 Uhr waren alle Maßnahmen abgeschlossen – verdächtige Gegenstände wurden nicht gefunden", teilten die Beamten anschließend mit. Die Moschee sollte für den Rest des Tages geschlossen bleiben.

In beiden Fällen haben die zuständigen Staatsschutzstellen der Polizei die Ermittlungen übernommen, um den Absender der Drohmails ausfindig zu machen. Ob es sich tatsächlich um einen oder mehrere Anhänger von "Combat 18" oder ob es sich um Trittbrettfahrer handelt, ist noch unklar. Die Linkspartei spricht bereits von "Rechtsterrorismus".

Erst am 9. Juli war die Ditib-Zentralmoschee in Köln ebenfalls wegen einer Bombendrohung geräumt worden. Auch in dem weiträumigen Moscheekomplex der Domstadt wurde kein Sprengstoff entdeckt. 

Video: Bombendrohung gegen größte Moschee Deutschlands

In diesem Jahr sind bereits dutzendfach Drohschreiben gegen Einrichtungen wie Rathäuser oder Bahnhöfe eingegangen, die zu öffentlichkeitswirksamen Räumungen der Gebäude führten. Gefunden wurde jeweils nichts. Ein Tatverdächtiger aus Halstenbek bei Hamburg wurde im Frühjahr festgenommen, es wird wegen mehr als 200 Drohmails ermittelt.

"Combat 18", der vermeintliche Unterzeichner der Schreiben, gilt als bewaffneter Arm des verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour" (Blut und Ehre). Die 18 ist ein Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H – die Initialen von Adolf Hitler. Auch der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Stephan E., wurde in Medienberichten mehrfach mit "Combat 18" in Verbindung gebracht, bewiesen wurden die angeblichen Kontakte allerdings bislang nicht. 

Quellen: Polizeipräsidium Duisburg, Die Linke bei Twitter, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

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