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Coronakrise Wachmann in Michigan fordert von Kundin das Tragen einer Schutzmaske – und wird getötet

Die Seniorin kam in Haft (Symbolbild)
Tatort Einkaufszentrum: In einer Discounterfiliale im US-Bundesstaat Michigan ist ein Wachmann erschossen worden, nachdem er eine Frau auf die Corona-Schutzmaßnahmen aufmerksam gemacht hatte (Symbolbild)
© Richard Theis / Getty Images
In Michigan ist die Stimmung aufgeheizt. In dem US-Bundesstaat im Mittleren Westen gibt es massive Proteste gegen die Corona-Einschränkungen. Etliche Demonstranten sind gewaltbereit. In einer Mall kam es nun zu einem folgenreichen Vorfall.

Als der Wachmann Calvin Munerlyn am vergangenen Freitag in einer Mall in Michigan auf eine Kundin zuging, ahnte er wohl kaum, dass er wenig später sein Leben verlieren würde. Weil er die junge Frau aufgefordert hatte, in einem Geschäft eine Maske zu tragen, wurde der 43-Jährige getötet. Dies berichteten zahlreiche US-Medien unter Berufung auf die Michigan State Police.

Munerlyn starb den Berichten zufolge in einem Krankenhaus in der Stadt Flint, nachdem ihm in einer Filiale der Discounterkette "Family Dollar" in den Kopf geschossen worden war. Wegen der Tat wurden drei Mitglieder einer Familie von der zuständigen Staatsanwaltschaft des Genessee County angeklagt, wie die Behörde mitteilte. Der Hauptvorwurf: vorsätzlicher Mord. Außerdem werden Sharmel T., 45, ihrem Ehemann Larry T., 44, und Sharmel T.s Sohn Ramoneya B., 23, das Tragen einer versteckten Waffe sowie Verstöße gegen die Regelungen zur Eindämmung des Coronavirus vorgeworfen, heißt es in den Berichten.

Drei Mitglieder einer Familie unter Anklage

"Wie es aussieht, hat Mr. Munerlyn nur seinen Job gemacht", zitiert der Nachrichtensender CNN die Mitteilung des Genessee-County-Staatsanwalts David Leyton. Doch als der Wachmann Sharmel T. darauf hinwies, dass sie im "Family Dollar" eine Schutzmaske tragen müsse, sei ein heftiger Streit entstanden. Es wurde laut. Als die Frau den Mann anschrie und bespuckte wies der Wachmann eine Kassiererin an, die Frau nicht zu bedienen. Laut CNN soll der Vorfall von einer Überwachungskamera festgehalten worden sein.

Sharmel T. verließ das Geschäft wutentbrannt, kehrte nach Angaben der Polizei jedoch mit zwei Männern zurück. Die beiden attackierten Munerlyn und es soll der 23-jährige B. gewesen sein, der dem Wachmann in den Hinterkopf schoss. Die alarmierte Polizei fand den Wachmann bewusstlos mit einer Schusswunde am Kopf auf. Munerlyn wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo er schließlich für tot erklärt wurde.

"Sinnlos und tragisch"

"Der Tod von Calvin Munerlyn ist sinnlos und tragisch, und die Verantwortlichen werden nach dem Gesetz in vollem Umfang zur Rechenschaft gezogen", kündigte Staatsanwalt Leyton in seiner Erklärung zu dem Fall. Allerdings teilten die Behörden mit, dass vorerst nur Sharmel T. in Polizeigewahrsam sei und eine Anklage erwarte. Ihr Mann und auch ihr Sohn, der mutmaßliche Schütze, seien dagegen auf freiem Fuß.

Munerlyn hat nach Angaben seiner Familie rund drei Jahrzehnte im Sicherheitsbereich gearbeitet, in der "Family Dollar"-Filiale war der 43-Jährige aber erst seit einem Jahr. "Wegen einer Maske", zeigte sich eine Cousine des Opfers gegenüber US-Medien fassungslos. "Das war einfach sinnlos. Wegen einer Maske – ich verstehe das nicht." Calvin Munerlyn werde schmerzlich vermisst werden, so die Cousine. Einwohner der Stadt Flint hielten für den ermordeten Wachmann eine Mahnwache bei Kerzenlicht ab.

Corona-Regeln: Aggressive Proteste in Michigan

Michigan gehört zu den US-Bundesstaaten, in denen massiv gegen Beschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Coronakrise protestiert wird. Die Atmosphäre ist nicht selten aufgeheizt und aggressiv. Die Proteste werden durch US-Präsident Donald Trump befeuert, der ein schnellstmögliches Ende für die Wirtschaft propagiert.

Quellen:Nachrichtenagentur AP, CNN, CBS News, MLive Michigan

dho

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