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Gerichtsurteil: 31 Jahre Haft für "Opa-Bande"

Das Landgericht Hagen hat die mutmaßlich ältesten Bankräuber Deutschlands zu hohen Haftstrafen verurteilt. Laut Staatsanwaltschaft haben die drei Senioren in 16 Jahren 14 Banküberfälle verübt.

Die "Opa-Bankräuber" im Alter zwischen 64 und 74 Jahren sind vom Landgericht Hagen zu Haftstrafen zwischen neun und zwölf Jahren verurteilt worden. Für ihre beispiellose Raubserie von 14 Überfällen erhielt der 64-Jährige zwölf, der 73-Jährige zehn und der 74-Jährige neun Jahre Haft. Als strafmildernd für die vermutlich ältesten Bankräuber Deutschlands wertete das Gericht vor allem die umfassenden Geständnisse sowie das hohe Alter der "Opa-Räuber".

"Man wird einem älteren Angeklagten die Hoffnung ermöglichen müssen, die Entlassung noch zu erleben", sagte der Vorsitzende Richter Horst-Werner Herkenberg in der Urteilsbegründung. Allerdings könne es auch keinen übermäßigen Altersrabatt geben. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die teilweise noch bestehenden Leiden der überfallenen Bankangestellten. "Es handelt sich nicht um Kindereien älterer Herren, die man mit Augenzwinkern begleiten könnte."

Insgesamt 14 Banküberfälle gestanden

Die drei "Opa-Räuber" aus Dortmund und Iserlohn hatten gestanden, zwischen Dezember 1988 und Januar 2004 in unterschiedlicher Beteiligung insgesamt zwölf Banküberfälle in Westfalen und zwei in Niedersachsen begangen zu haben. Die Beute betrug rund eine Million Euro.

Die drei Männer waren vermummt und schwer bewaffnet, unter anderem mit Maschinenpistolen und einer Handgranaten-Attrappe - in die jeweils abgelegenen Filialen gestürmt und hatten Angestellte und Kunden bedroht. Mit einem Vorschlaghammer zertrümmerten die brutal auftretenden Senioren dabei häufig Sicherheitsscheiben. Die monatelang minutiös geplanten Taten wurden in der dunklen Jahreszeit kurz vor Schalterschluss begangen. Zwischen den einzelnen Überfällen führten die drei "ein unauffälliges Leben ohne große Geldausgabe".

Die Gangster hatten bereits lange Zeit ihres Lebens im Gefängnis verbracht. So kommt der 73-Jährige auf 40 Jahre, der 74-Jährige auf rund 16 Jahre und der 64-Jährige auf 10 Jahre hinter Gitter. Für einen der Überfälle verbüßte der heute 73-Jährige bereits zehn Jahre.

Nach einem Tipp von einem Bekannten aus dem Gefängnis und mehrmonatigen Observierungsmaßnahmen konnte das Trio im November 2004 von einer eigens gebildeten "Soko Opa" unmittelbar vor einem neuen Coup festgenommen werden. Die Polizei hatte die Täter zunächst nicht in dieser Altersgruppe gesucht. Bei der Ermittlung überwachte die Polizei unter anderem Telefone, versteckte Wanzen in den Autos der Tatverdächtigen und installierte versteckte Videokameras.

Wegen knapper Rente wurde das Geld knapp

Hauptmotiv für die Taten war Geldbedarf, unter anderem wegen geringer Rentenansprüche. So hatte der 73-Jährige einen Hof gepachtet und entsprechend Geld benötigt. Der 64-Jährige wollte sich ein Polster für das Alter anlegen. Der 74-Jährige hatte einen Teil des Geldes für seine Motorenwerkstatt verwendet. Von der einen Million Euro waren noch mehr als 400.000 Euro gefunden worden.

Die Verteidiger äußerten sich nach dem Urteil "erleichtert" und "zufrieden". Sie hatten zwischen acht und elfeinhalb Jahren gefordert, die Staatsanwaltschaft jeweils knapp 15 Jahre. Das Gericht habe "sehr maßvoll geurteilt", sagte der Verteidiger des 64-Jährigen, Andreas Trode. Der Anwalt des 74-Jährigen, Frank Nobis, sagte: "Er wird sicherlich die Chance haben, in einigen Jahren ein Gnadengesuch zu stellen."

AP/DPA / AP / DPA