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Keddie Murders: Der mysteriöse Mordfall aus Hütte 28

Am 11. April 1981 ereignet sich in dem winzigen Ort Keddie in Kalifornien ein grausames Verbrechen. Eine Mutter, zwei ihrer Kinder und eine befreundete Jugendliche werden bestialisch ermordet. Schnell finden sich zwei Verdächtige. Doch verhaftet wird bis heute niemand.

Die alte "Cabin 28" - vor Jahren wurde sie abgerissen.

Die alte "Cabin 28" - vor Jahren wurde sie abgerissen. Die Morde, die in ihr stattfanden, bleiben unaufgeklärt.

Die kleine Gemeinde Keddie im Norden Kaliforniens hat gerade einmal 66 Einwohner. Trotzdem ist das Städtchen weit über seine Grenzen bekannt. Der Grund dafür sind die schrecklichen Ereignisse des 11. April 1981, die sich dort in der "Cabin 28" in einer kleinen Wohnsiedlung abgespielt haben. Die grausame Tat ging als "Keddie Murders" in die Kriminalgeschichte der USA ein.

Noch immer ist es ein Rätsel, was genau sich in dieser Nacht zugetragen hat. Die Polizei hat es nie vollständig klären können. Klar ist nur: Am Morgen des 12. April kehrt die 14-Jährige Sheila Sharp nach einer Übernachtung bei Freunden nach Hause zurück. Als sie die Tür öffnet, bietet sich ihr ein grausiger Anblick. Auf dem Boden im Wohnzimmer liegen drei Leichen: Ihre 36-jährige Mutter Sue, ihr 15-jähriger Bruder Johnny und dessen Freundin Dana Wintergate, 17 Jahre alt. Die Opfer sind übel zugerichtet. Ihre Hände und Füße sind mit Kabeln gefesselt, überall in der kleinen Hütte läuft Blut in den Holzboden.

Alle drei Toten weisen Verletzungen von Schlägen mit zwei verschiedenen Hämmern auf. Die Todesumstände erklärt sich die Polizei wie folgt. Sue und ihr Sohn: mit mehreren Messerstichen getötet. Dana: erwürgt. Zwei blutverschmierte Messer und ein Hammer liegen in der Wohnung. Vom zweiten Hammer fehlt jede Spur.

Über der Leiche der Mutter liegt eine gelbe Decke. "Wer immer das getan hat - und es waren mehrere - muss von oben bis unten voller Blut gewesen sein", berichtete einer der damaligen Polizisten Jahre später dem "People Magazine".

In einem Nebenzimmer des Tatorts werden damals die beiden Brüder von Sheila, Greg und Rick, gefunden, fünf und zehn Jahre sind sie alt. Bei ihnen ist auch ein Nachbarjunge, Justin Smartt. Alle drei sind unversehrt, sie haben von den schrecklichen Ereignissen im Wohnzimmer offenbar nichts mitbekommen. Die 12-jährige Schwester Tina ist verschwunden. Erst drei Jahre später werden ihre sterblichen Überreste knapp 50 Kilometer entfernt in einem Waldstück entdeckt.

Keddie vom grausamen Verbrechen erschüttert

Das Verbrechen erschütterte die kleine Gemeinde und die gesamte Region. Trotzdem kamen die Ermittlungen nicht gut voran. Laut der US-Seite "The Line Up.com" legte sich die Polizei relativ schnell auf zwei Hauptverdächtige fest: zwei vorbestrafte Männer, die ein paar Häuser weiter wohnten. Einer davon ist der Vater des Jungen, der mit den beiden Sharp-Söhnen in einem angrenzenden Zimmer des Tatorts schlief. Der andere wohnte seit einiger Zeit bei dem Nachbarn und dessen Familie. Dem Bericht zufolge gab es Beweismaterial gegen beide, dennoch wurde keiner von ihnen je verhaftet. Mittlerweile sind beide verstorben.

Seit jeher hält sich hartnäckig die Theorie, dass das örtliche Sheriff-Büro den Fall nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit verfolgt hat. Auch Gerüchte um eine mögliche Vertuschung wurden mit den Jahren immer lauter. Der örtliche Polizeichef soll ein Bekannter der beiden Hauptverdächtigen gewesen sein. Der Fall wurde ungelöst zu den Akten gelegt.

Erst im Jahr 2013 öffnete der neue Sheriff von Keddie den Fall neu. Er war ein alter Jugendfreund der minderjährigen Opfer. Zusammen mit einem mittlerweile pensionierten Polizisten von damals stieß er auf einige Ungereimtheiten: So fanden die beiden einen Tonmitschnitt eines anonymen Anrufs bei der Polizei aus dem Jahr 1984. Der Anrufer ordnete die kurz zuvor gefundenen Leichenteile der vermissten Tochter Tina zu, obwohl Gerichtsmediziner dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestätigt hatten. Nach Angaben des Sheriffs lag die Aufnahme ungeöffnet verpackt in einer alten Beweismaterialbox und war noch nie abgehört worden.

Verdächtiger gestand Morde indirekt

Außerdem fand der neue Sheriff einen Brief des verdächtigen Nachbarn. Er war adressiert an seine damalige Ehefrau, in der er ihr den Mord indirekt gestand: "Ich habe den Preis für deine Liebe gezahlt und nun, da ich sie mit vier Leben gekauft habe, sagst du mir, dass du fertig mit mir bist? Klasse, was willst du sonst noch?", stand darin. Die Ex-Frau gab gegenüber der Polizei an, den Brief nie bekommen zu haben, bestätigte allerdings die Handschrift ihres Mannes. 

Unweit vom Tatort wurde im Zuge der neuen Ermittlungen zudem ein Hammer gefunden, den jemand dort offenbar absichtlich versteckt hatte. Der verdächtige Nachbar hatte in einer Vernehmung kurz nach den Morden angegeben, so einen Hammer "verlegt" zu haben. "Das war schon fast ein Geständnis", sagte der pensionierte Polizist und heutige Ermittler der "Sacramento Bee".

Das Motiv des Nachbarn soll demnach gewesen sein, dass das spätere Opfer Sue sich in seine Ehe eingemischt und seiner Frau geraten habe, ihn zu verlassen. Die Jugendlichen wären demnach Zufallsopfer gewesen, weil sie möglicherweise während der Tat hereingeplatzt seien. Warum das jüngste Opfer mehrere Kilometer weit entfernt gefunden wurde, bleibt allerdings auch bei dieser These unklar. Der Fall ist bis heute offiziell ungeklärt, es gab nicht einmal eine Festnahme. 2004 wurde die "Cabin 28" abgerissen.

Der neue Ermittlungspartner des Sheriffs hält eine mögliche Vertuschung durch die Polizei nicht mehr für unmöglich. "Man muss nur eins und eins zusammen zählen und wundert sich, warum das hier nicht getan wurde", sagte er der "Sacramento Bee". Und auch der neue Sherrif von Keddie selbst zeigte sich von seinen Ergebnissen überrascht: "Jetzt verstehe ich die Spekulationen bei so vielen Menschen da draußen. Sowas kannst du dir nicht ausdenken."

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