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Vor 13 Jahren verschwunden Staatsanwaltschaft Braunschweig spricht von Sachbeweisen für Tod von Madeleine McCann

Vermisste Madeleine "Maddie" McCann; Verdächtiger Christian B.
Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft verdächtigt Christian B., Madeleine "Maddie" McCann getötet zu haben
© Metropolitan Police / AFP, Shutterstock / Rex
Kommen die Ermittler der Lösung des Falls um das Verschwinden von Madeleine "Maddie" McCann näher? Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig bekräftigte jetzt in einem Interview, Beweise für den Tod des Mädchens zu haben.

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft verfügt nach eigenen Angaben über handfeste Beweise dafür, dass die 2007 an der Algarve verschwundene Madeleine McCann nicht mehr am Leben ist.

Das bekräftigte Staatsanwalt Hans Christian Wolters in einem kürzlich ausgestrahlten Interview mit dem portugiesischen öffentlich-rechtlichen Sender RTP. Auf die Frage "Haben Sie irgendwelche Sachbeweise, dass Madeleine tot ist?" antwortete er klar mit: "Ja."

Ermittler sicher: Madeleine "Maddie" McCann ist tot

Um welche Beweise es sich handelt, wollte Wolters auf Nachfrage keine Auskunft geben – möglicherweise, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden.

Sie richten sich gegen den 43-Jährigen Christian B. Der Verdächtige sitzt zurzeit wegen eines Drogendelikts in Kiel im Gefängnis. Anfang 2021 wird diese Strafe verbüßt sein.

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter wegen des Verdachts des Mordes. "Daraus können Sie entnehmen, dass wir davon ausgehen, dass das Mädchen tot ist", sagte Wolters bereits im Juni – ebenfalls ohne konkrete Beweistatsachen zu nennen.

Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian
Der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolter im Juni
© Ole Spata / DPA

Nach Erkenntnissen der Ermittler lebte der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Verschwindens von Madeleine an der portugiesischen Algarve, mehrere Zeugen belasteten ihn. Auch soll B. am Abend des 3. Mai 2007 ein Telefonat in der Nähe der Ferienwohnung der McCanns geführt haben, aus der das Mädchen verschwand.

Weiterer Verdacht gegen Christian B.

Das Bundeskriminalamt veröffentlichte im Juni einen umfangreichen Zeugenaufruf, um den Verdacht gegen B. zu untermauern. Auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" forderten die Fahnder zu Mithilfe in dem Vermisstenfall auf.

Dass die Sachbeweise für den Tod Madeleines den Verdächtigen belasten, sagte Staatsanwalt Wolter in dem Interview mit dem portugiesischen Fernsehen ausdrücklich nicht. Anklage wurde noch nicht erhoben. Offenbar halten die Ermittler die Indizien gegen B. bislang nicht für ausreichend.

Der Beschuldigte selbst bestreitet, die damals Dreijährige getötet zu haben. Verteidiger Friedrich Fülscher sagte jüngst im Interview mit der britischen Zeitung "Daily Mirror", er glaube, dass sein Mandant unschuldig sei und kündigte neue Enthüllungen in den kommenden Tagen an.

Madeleine verschwand am 3. Mai 2007 in Portugal

Derweil wurde bekannt, dass sich nach den Zeugenaufrufen ein mutmaßliches weiteres Opfer von B. bei britischen Medien gemeldet habe. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft leitete daraufhin Ermittlungen gegen den Verdächtigen wegen des Vergewaltigung einer Irin im Jahr 2004 an der Algarve ein.

Madeleine McCann verschwand am Abend des 3. Mai vor 13 Jahren im Sommerurlaub mit ihrer Familie aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz, während die Eltern in der Nähe in einem Restaurant zu Abend gegessen haben. Das Mädchen ist seither verschwunden. Der Vermisstenfall sorgt bis heute immer wieder international für Schlagzeilen.

Maddie oder Madeleine?

Das Verschwinden von Madeleine McCann geht seit 2007 als "Fall Maddie" um die Welt. Die Eltern des kleinen Mädchens selbst nannten und nennen ihre Tochter allerdings stets beim vollen Namen. Die Abkürzung "Maddie" benutzten zuerst britische Boulevardmedien. Der stern hat sich entschlossen, Madeleine so zu nennen, wie die Eltern es tun. Vor allem dann, wenn es in Texten um das Mädchen im Speziellen geht. Für viele Menschen ist der "Fall Maddie" allerdings ein fester Name geworden, das zeigen nicht zuletzt Google-Statistiken. Bei stern.de wird es in Ausnahmesituationen, vor allem dann wenn es um den Fall, also die gesamte Geschichte geht, in Überschriften oder Textpassagen weiter die Bezeichnung "Fall Maddie" geben.

Warum zeigt der stern das Bild von Christian B. verpixelt?

Der Pressekodex und die journalistische Sorgfaltsplicht erlauben eine Veröffentlichung von Fotos oder vollem Namen von Tatverdächtigen nur unter bestimmten Umständen. Im Fall von Christian B. liegen diese nach Auffassung der stern-Redaktion nicht vor: Es gibt bisher keinen eindeutigen Beweis oder gar ein Urteil, dass B. der Mörder von Maddie und/oder Inga ist. Der Verdächtige befindet sich zurzeit wegen eines anderen Deliktes in Haft und damit auf dem Weg der Resozialisierung – diesem Ziel widerspräche eine Veröffentlichung des unverpixelten Fotos, wenn sich der Tatverdacht gegen den 43-Jährigen nicht erhärten sollte.

Quellen: RTP, Bundeskriminalamt, "Aktenzeichen XY ... ungelöst""Daily  Mirror", Nachrichtenagentur DPA


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