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Kriminalität in England: Mörderische Aufnahmerituale – wie britische Lehrer ihre Schüler vor der Gewaltwelle schützen

Großbritannien erlebt eine Flut von Messerattacken auf Schüler. Die Polizei ist hilflos. Lehrer versuchen, ihre Schüler zu schützen, doch die toten Kinder haben die Pädagogen inzwischen traumatisiert.

Der 14-jährige Jaden Moodie war noch ein Kind, als er ermordet wurde.

Der 14-jährige Jaden Moodie war noch ein Kind, als er ermordet wurde.

Commons

Nicht nur der Brexit hält Großbritannien in Atem, sondern auch eine schreckliche Gewaltwelle schockt die Nation. Immer wieder kommt es zu brutalen Messerattacken. Opfer und Täter sind häufig Schüler und Jugendliche. In den ersten zwei Monaten des Jahres wurden bereits zehn Jugendliche erstochen, fünf allein in der Hauptstadt. Die Angriffe gehören oftmals zu brutalen Aufnahmeritualen von kriminellen Gangs.

Der "Telegraph" sprach nun mit Lehrern, wie sie die Gewalt erleben. In gewisser Weise stehen sie an vorderster Front – meist sind Opfer und Täter noch Schüler. Gill Burbridge, Direktorin des Leyton Sixth Form College in Waltham Forest, sagte der Zeitung: "Es ist schrecklich, das zu sagen, aber mein erster Instinkt ist immer: 'Ist es einer von unseren?'"

"Hinter diesen Statistiken, hinter diesen Daten stehen echte junge Menschen. Das ist so verwirrend. Wenn man das Gesicht eines jungen Menschen in der Zeitung sieht - das sind echte junge Personen, die hier verloren gehen", so Burbridge weiter.

Der ängstliche Blick zum Handy

Im April 2018 saß sie in einer Konferenz, in der beraten wurde, wie die Schulen auf die Flut von Messerangriffen reagieren könnte, als ihr Handy die nächste Attacke anzeigte. Ihr Ex-Schüler Israel Ogunsola wurde an einem warmen Abend unter einer Eisenbahnbrücke ermordet.

Burbridge versucht ihre Schüler, so gut es geht, auf den Dschungel der Stadt vorzubereiten. Nun gibt es Kurse in "urban awareness" – das bedeutet in etwa "städtische Wachsamkeit" – hier sollen die Kinder lernen, mögliche Angreifer zu erkennen. Eine schwierige Aufgabe. Die Mutproben-Morde ereignen sich wie bei einem professionellen Killer aus dem Blauen heraus. Dann wird ein Opfer zufällig ausgewählt, es gibt keine Vorzeichen, die es hätten warnen könnten und es gibt auch keine persönliche Beziehung zum Täter.

Im Januar verlor Burbridge den nur 14 Jahre alten Jaden Moodie. Er wurde in einer wilden nur 30 Sekunden dauernden Attacke getötet - nur wenige Gehminuten von der Schule entfernt. Jaden sah noch aus wie ein Kind, sagte Burbridge.

Sicherheitspersonal am Schultor

Die Schule selbst gilt als sicher, auch die Wohnungen daheim. "In diesen Orten fühlen sich die Schüler sehr sicher. Das Problem beginnt, wenn die Schüler draußen sind." An den Schultoren stehen Sicherheitsleute, an manchen Schulen werden die Schüler von Lehrern in Gruppen zum Bus eskortiert. Weitere Maßnahmen zeigen eher die Hilflosigkeit der Behörden.

Einige Schulen verbieten generell Smartphones, damit ihre Schüler nicht wegen dieser Geräte niedergestochen werden. Andere ordne an, dass die obligatorische Schuluniform außerhalb der Schulzeit möglichst schnell gewechselt wird. Sie fürchten, dass die Uniform die Schüler als Opfer markiert.

Letztes Mittel Schulverweis

Immer wieder greift Burbridge zu einem umstrittenen Mittel: Sie verweist gewalttätige Jugendliche dauerhaft von der Schule. Diese Methode ist umstritten, denn diese Schüler schließen sich dann meist erst recht den brutalen Banden an.

Doch Burbridge weiß sich keinen anderen Rat mehr: "Eindeutig besitzt der Schutz der Schüler Priorität für jeden Schulleiter. Wenn ein junger Mensch eine Bedrohung für seine Mitschüler oder das Personal darstellt, dann ist es eindeutig zu unsicher, wenn dieser junge Mensch weiterhin in der Einrichtung bleibt ...."

Quelle: Telegraph

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