VG-Wort Pixel

Investigativjournalist Schwer verletzt bei Attentat: Niederländischer Reporter Peter R. de Vries gestorben

Peter R. de Vries spricht in ein Mikrofon
Peter R. de Vries, hier in einem Interview 2017, kämpfte mehr als eine Woche um sein Leben
© Remko de Waal / AFP
Peter R. de Vries ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Investigativjournalist war vergangene Woche in Amsterdam niedergeschossen worden. Das Attentat stand womöglich in Verbindung zu seiner Arbeit.

Der prominente niederländische Kriminal-Reporter Peter R. de Vries ist knapp zehn Tage nach dem Mordanschlag auf ihn seinen schweren Verletzungen erlegen. Das teilte die Familie am Donnerstag in Amsterdam mit. Der 64-Jährige war am 6. Juli auf offener Straße in Amsterdam niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden.

"Peter hat bis zuletzt gekämpft, aber er hat den Kampf verloren", erklärte seine Familie in einer von RTL veröffentlichten Mitteilung. De Vries sei von seinen Liebsten umgeben gewesen, als er gestorben sei. Vorbereitungen für seine Beerdigung seien noch nicht getroffen worden. "Wir sind unglaublich stolz auf ihn und gleichzeitig unendlich traurig", erklärte die Familie weiter. 

Kollegen und Politiker reagierten bestürzt auf den Tod des bekannten Reporters. Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einer "unbegreiflichen" Nachricht. Auch die EU-Spitzen und Journalistenverbände reagierten erschüttert.

Niederlande schockiert nach dem Mordanschlag auf den Journalisten

Ein Mann hatte auf den Reporter auf offener Straße mehrere Schüsse abgegeben, als er ein TV-Studio verlassen hatte. Der Mordanschlag hat die Niederlande zutiefst geschockt und war auch international mit Entsetzen aufgenommen worden. Der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, schrieb auf Twitter: "Sein Mut, das organisierte Verbrechen zu entblößen und die dunkelsten Teile unserer Gesellschaften zu beleuchten, wird uns immer in Erinnerung bleiben."

Nach den Schüssen auf de Vries am vergangenen Dienstag waren ein 21-Jähriger aus Rotterdam und ein in den Niederlanden lebender 35-jähriger polnischer Staatsbürger festgenommen worden. Ein zunächst ebenfalls festgenommener dritter Mann wurde wieder freigelassen. . Die Polizei hatte sich bisher nicht zu Hintergründen der Tat geäußert. Vieles deutet jedoch daraufhin, dass der Mord in Verbindung steht mit der Arbeit des Reporters.

Peter R. de Vries soll auf der Abschussliste eines Drogenbosses gestanden haben

De Vries ist wegen seiner Rolle in hochkarätigen Kriminalfällen sowie als Sprecher von Kriminalitätsopfern bekannt. Medienberichten zufolge war er zuletzt Vertrauensperson des wichtigsten Kronzeugen in einem Prozess gegen den mutmaßlichen Drogenboss Ridouan Taghi. Der Bruder des Kronzeugen sowie auch sein Verteidiger waren bereits 2019 ermordet worden. Auch der Reporter war bedroht worden. Doch er hatte Personenschutz abgelehnt.

Nach früheren Angaben von de Vries stand er auf Taghis "Abschussliste". Der Drogenboss gilt als meistgesuchter Verbrecher der Niederlande, seine Organisation wird von Staatsanwälten als "gut geölte Tötungsmaschine" beschrieben. Der Angriff auf den Journalisten hatte über die Grenzen der Niederlande hinweg für Entsetzen gesorgt.

De Vries war fast 30 Jahre lang der führende Kriminalreporter der Niederlande und war oft auch als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen aufgetreten. Regelmäßig war er Gast bei TV-Talkshows. International bekannt wurde der Reporter 1987 mit seinem Bestseller über die Entführung des Bierbrauers Freddy Heineken. 2008 gewann er einen Emmy Award für seine Reportagen über den Fall von Natalee Holloway. Die Amerikanerin war 2005 auf Aruba verschwunden und vermutlich von einem Niederländer getötet worden.

Der Chef des niederländischen Journalistenverbands, Thomas Bruning, sagte der Nachrichtenagentur AFP kürzlich, er sei "überzeugt, dass der Angriff mit der beratenden Tätigkeit zu tun hatte, der Herr de Vries für den Kronzeugen in einem großen Mafia-Verfahren nachging". Der im März eröffnete Prozess wird von strengen Sicherheitsvorkehrungen begleitet, seit 2019 ein Zeugen-Anwalt auf offener Straße erschossen worden war.

Er brachte "Licht ins Dunkel krimineller Machenschaften"

Als "furchtbar" bezeichnete de Vries' Tod der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall. "Mit Peter R. de Vries verliert der Journalismus einen engagierten, mutigen Kollegen, der Licht ins Dunkel krimineller Machenschaften gebracht hat und dafür mit dem Leben bezahlen musste", erklärte der DJV-Chef. Die Ermittlungsbehörden müssten den Mord nun "schonungslos" aufklären und die "Täter ihrer gerechten Strafe zuführen". 

Der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF), Christophe Deloire, nannte de Vries' Ermordung eine "neue Episode in einer dunklen Serie (an Journalistenmorden) in Europa". Die organisierte Kriminalität sei eine massive Bedrohung für den Journalismus in der EU, twitterte er.

Amsterdam: Kriminalreporter Peter R. de Vries (links) wurde auf offener Straße in den Kopf geschossen.

Sehen Sie ein Dokument vom Tag der Tat: Bei Schüssen im Zentrum von Amsterdam wurde der bekannte Kriminal-Journalist Peter R. de Vries lebensgefährlich verletzt. Der 64-Jährige sei mit einem Kopfschuss ins Krankenhaus gebracht worden. Die Polizei nahm drei Verdächtige fest – darunter auch der mutmaßliche Schütze.

AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker