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Polizei-Ermittlungen Sexueller Missbrauch und Sex-Rankings – Vorwürfe gegen Model-Boss

Angeblich sollen die Manager die Sehnsucht junger Mädchen nach einer Model-Karriere ausgenutzt haben (Symbolfoto)
Angeblich sollen die Manager die Sehnsucht junger Mädchen nach einer Model-Karriere ausgenutzt haben (Symbolfoto)
© Webphotographeer / Getty Images
Schon 1999 wurden Vorwürfe gegen die europäische Modelagentur Elite und einige Manager bekannt. Nun verfolgt die Polizei Missbrauchsvorwürfe von 14 Frauen.

13 Models und eine Journalistin behaupten, dass sie in den 1980er und 1990er-Jahren von dem ehemaligen Europa-Chef der Agentur Elite Model Management, Gérald Marie, sexuell missbraucht und vergewaltigt worden sind. Damit wird ein Fall wieder aufgerührt, der schon vor 20 Jahren für Aufsehen sorgte. Doch heute untersucht die Polizei in Frankreich die Vorwürfe, die seit Langem grassieren. Und ein ehemaliger Geschäftspartner von Elite arbeitet mit der Polizei zusammen. Laut seinen Aussagen gab es eine regelrechte Missbrauchskultur in der Firma.

Nachwuchswettbewerbe

Omar Harfouch, heute 52, arbeitete nach 1997 drei Jahre lang mit der Agentur zusammen. Er hatte damals die Rechte für den "Elite Model Look Wettbewerb" für Nachwuchsmodels in der Ukraine und anderen Ländern gekauft. Er sagt, dass die Manager gewohnheitsmäßig mit den teils sehr jungen Models sexuelle Beziehungen hatten. In der Agentur soll es eine Sex-Rangliste der Models gegeben haben. Bei Wettbewerben sprachen sie von einem "Podium der Pussies". Harfouch hat sich bei der leitenden Ermittlerin gemeldet, um den Aussagen der Frauen mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Er behauptete, er selbst sei Zeuge von sexueller Belästigung und Missbrauch gewesen.

Starke Vorwürfe

Der "London Times" sagte der Libanese: "Ich habe mich bei der Polizei gemeldet, um ihnen bei ihren Ermittlungen zu helfen und zu zeigen, wie es funktioniert hat."

Er behauptet unter anderem:

"Gérald und ein paar Booker der Agentur hatten eine Tafel, auf der sie aufschrieben, wer mit den meisten Frauen geschlafen hat. Das Kriterium für diesen Wettbewerb war ihr Alter."

"Je jünger sie waren, desto mehr Punkte, und je mehr Jungfrauen, desto mehr Punkte. Am Ende einer jeden Modewoche verglichen sie ihre Heldentaten."

Der "Marianne" sagte Hartfouch: "Er legte seine Hand immer wieder auf das Gesäß oder die Brüste dieser Teenager-Mädchen und nannte sie "Fotzen", als sie auf dem Laufsteg vorgeführt wurden. Die Atmosphäre war so, dass die Models verstanden, dass es sie "Mühe" kostete, einen Preis zu gewinnen."  Bei einer Gelegenheit, so Harfouch, berührte Marie die Brüste eines Teenager-Models, schob sie dann zu einem Kollegen und sagte ihm: "Spiel ein bisschen mit ihren Brüsten, damit sie wachsen."

Lange Vorgeschichte

Die Auseinandersetzungen von Harfouch und Gérald Marie haben allerdings eine lange Geschichte. Schon 1999 strahlte die BBC eine Dokumentation über Elite Model Management aus. Es folgten weitere Berichte und jahrelange juristische Auseinandersetzungen, die jedoch kein eindeutiges Bild ergaben. Damals ging es um Fragen der Berichterstattung und der Verleumdung, nun gibt es eine polizeiliche Ermittlung. Die Hauptklägerin ist Lisa Brinkworth, die damals in der Dokumentation mitgearbeitet hatte. Sie behauptet, dass sie selbst von Marie sexuell missbraucht wurde. Auch das bekannte amerikanische Model Carré Otis gibt an, dass sie im Alter von 17 Jahren von Marie vergewaltigt wurde, als sie in Paris arbeitete. "Wir sind jetzt erwachsene Frauen und wir gehen nicht mehr weg. Diese Welt scheint für Außenstehende unverständlich zu sein, aber wenn man sie erlebt hat, war sie ein absoluter Albtraum."

Quelle: The Times, Marianne

kra

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