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Urteil: "Chatroom-Mörder" zu lebenslanger Haft verurteilt

Er lernte seine Opfer im Internet-Chat kennen, erschlich sich ihr Vertrauen, traf sich mit ihnen zum Sex. Zwei Frauen bezahlten ihr Treffen mit Christian G. mit ihrem Leben. Nun wurde der "Chatroom-Mörder" zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Wegen Mordes und Körperverletzung ist der sogenannte "Chatroom-Killer" aus Hamburg vom Landgericht Essen zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte Christian G. hatte gestanden, zwei seiner Internet-Bekanntschaften im Juni 2008 getötet zu haben. Eine Mordabsicht bestritt er jedoch.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen zweifachen Mordes die Höchststrafe gefordert: Lebenslange Haft bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Dies hätte eine Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Sein erstes Opfer, eine 26-jährige Frau aus Stade bei Hamburg, hatte der 27-Jährige am 5. Juni getroffen. Er führte sie laut Staatsanwaltschaft auf eine einsame Wiese und stach ihr dort plötzlich ein Messer in den Hals. Der Angeklagte selbst bezeichnete die Tat als Unglücksfall. Es habe einen Streit gegeben, und er habe die Frau lediglich beruhigen und wegschieben wollen. Dabei habe er ihr an den Hals gefasst.

Sein Verteidiger Burkhard Benecken erklärte, sein Mandant sei in diesem Fall nicht schuldig. Dessen Darstellung sei nicht zu widerlegen. Das Gericht entschied in diesem Fall auf vorsätzliche Körperverletzung.

Als Mord bewertete die Strafkammer dagegen den gewaltsamen Tod einer 39-jährigen Frau aus Marl. Der 27-Jährige hatte erklärt, sie habe Geld von ihm gewollt und ihm gedroht, ihn der Vergewaltigung zu bezichtigen. Dies habe ihn besonders aufgebracht, da er als Kind habe mit ansehen müssen, wie sein Vater seine Mutter vergewaltigte.

Er sei der 39-Jährigen auf einen Spaziergang gefolgt, um sie zur Rede zu stellen. Als er vor ihr stand, habe er plötzlich wie damals "die Augen von Jesus" vor sich gesehen: "Sie haben das Messer geführt."

Der Verteidiger hatte für Totschlag in einem minderschweren Fall eine "angemessene und milde" Freiheitsstrafe beantragt. Staatsanwalt Hans-Christian Gutjahr hatte dem Angeklagten seine Erklärungsversuche nicht abgenommen. Er habe die Frauen heimtückisch von hinten mit einem Messer angegriffen, sagte er in seinem Plädoyer. Es sei geradezu pervers, im Zusammenhang mit Gewalttaten von Jesus zu reden.

Auch der Gutachter, der den 27-Jährigen als voll schuldfähig eingestuft hatte, habe erklärt, die Ausführungen des Angeklagten seien wenig plausibel. In einem Gespräch mit einem Zellengenossen soll G. laut Staatsanwalt außerdem gestanden haben, die Frau aus Stade erstochen zu haben.

AP/DPA / AP / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?