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Vertuschungs-Affäre: Das Phantom im Spitzelauto

Die von stern und stern.de aufgedeckten Täuschungsmanöver in der Polizei-Pleite um das "Phantom von Heilbronn" nehmen immer groteskere Züge an: Verantwortliche Ermittler haben auch eine DNA-Spur verheimlicht, wonach die vermeintliche Serienkillerin - die es nie gab - bereits im Wagen eines Polizeispitzels gesessen haben soll.

Von Werner Mathes und Rainer Nübel

Der Mann war eine Vertrauensperson (VP) für die Polizei, und was er Anfang Februar dieses Jahres berichtete, versetzte die Ermittler in höchste Aufregung. Er habe, so meldete der Polizeispitzel, im Raum Heilbronn eine etwa 27 bis 35 Jahre alte Anhalterin mitgenommen, die in Aussehen, Kleidung, Frisur und Stimme einem Mann ähnele: das Gesicht ungeschminkt, die Haare kurz rasiert, im linken Ohr drei Ohrringe, am Ringfinger der linken Hand ein silberner Ring, getragen habe sie eine olivgrüne Jacke, US-Militärkleidung, eine Tarnfleckhose mit schwarzen, olivgrünen, hell- und dunkelbraunen Farbflecken, schwarze Stiefel und eine selbst gestrickte schwarze Wollmütze. Sie habe einen olivgrünen Rucksack mit sich geführt. Und noch etwas ganz Wichtiges habe der Mann bemerkt: Als die Frau ausstieg und dabei ihre Jacke nach oben rutschte, habe er eine schwarze Pistole im Hosenbund gesehen.

Die Geschichte passte genau zum Bild des "Phantoms", das Ermittlungsbehörden bis dahin der Öffentlichkeit vermittelt hatten. Das Fahrzeug des Polizeispitzels wurde umgehend kriminaltechnisch untersucht - mit den inzwischen legendär gewordenen Wattestäbchen. Dabei stieß man tatsächlich auf die DNA-Spur des "Phantoms", einer "unbekannten weiblichen Person (uwP)", die im April 2007 in Heilbronn die junge Polizistin Michéle Kiesewetter erschossen und einen Kollegen schwer verletzt haben sollte.

"Phantom"- Raster passte

Obwohl in diesem Fall fast alles ins "Phantom"- Raster passte, kam die Leitung der Sonderkommission intern zu dem Ergebnis, dass in diesem Fall "kein Zusammenhang mit der unbekannten weiblichen Person herzustellen" sei. Schon zu diesem Zeitpunkt musste den verantwortlichen Ermittlern klar gewesen sein, dass es das "Phantom" gar nicht gab und bei der Sicherung seiner DNA-Spuren etwas nicht stimmen konnte. Doch der Öffentlichkeit gegenüber wurde all dies verschwiegen. Stattdessen verkündeten sie - wie der Chef des Stuttgarter Landeskriminalamts, Klaus Hiller -, man sei der Polizistenmörderin ganz dicht auf den Fersen. Über die DNA-Spur wurde jedoch kein Wort verloren.

Wie der stern in seiner neuen Ausgabe berichtet, gab es bereits im Dezember 2008 und Januar 2009 drei an verschiedenen Tatorten gesicherte DNA-Spuren, die mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht von der vermeintlichen Mörderin der Heilbronner Polizistin stammen konnten. Aber auch diese Spuren waren von baden-württembergischen Polizeichefs monatelang der Öffentlichkeit verheimlicht worden.

Erst am 25. März endete die "Phantom"- Groteske - als stern und stern.de aufdeckten, dass die von Kriminaltechnikern verwendeten Spurentupfer mit der DNA einer Packerin verunreinigt waren. Doch mit den Täuschungsmanövern war auch da noch nicht Schluss. Bereits am Tag danach drohte der Stuttgarter Innenminister Heribert Rech der Firma Greiner Bio-One, die die kontaminierten Wattestäbchen geliefert haben soll, mit Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Unverständlich: Denn in Baden-Württemberg hatte man, wie das Landeskriminalamt zugeben musste, von den Herstellern in all den Jahren nie DNA-freie Spurentupfer verlangt, sondern nur sterile.

Vertuschung im Hintergrundgespräch

Und dann versuchte der Stuttgarter LKA-Boss Hiller auch noch, auf einer Pressekonferenz die Ermittler-Blamage klein zu reden. In den Medien hagelte es daraufhin Kritik. Hiller war angezählt, im Stuttgarter Innenministerium soll man auf seinen Auftritt geradezu schockiert reagiert haben.

Die LKA-Spitze handelte sofort - und startete das nächste Ablenkungsmanöver, das sich im forschen Vorstoß des Innenministers schon angedeutet hatte. Nach stern.de-Informationen luden der LKA-Chef und sein Stellvertreter einzelne Journalisten zu Hintergrundgesprächen, in denen sie den Medienvertretern klar zu machen versuchten, selbst getäuscht worden zu sein - von der Firma Greiner Bio-One. Dabei legte man teilweise Informationen und Unterlagen österreichischer Fahnder vor. Tatsächlich hatte der Wattestäbchen-Lieferant Greiner in der Vergangenheit Fehler gemacht: Im Produktionszeitraum zwischen 2001 und 2004 waren in Kartons versehentlich Bescheinigungen für DNA-Freiheit mitgeschickt worden. "Als unsere Qualitätssicherung 2004 darauf aufmerksam wurde, haben wir das sofort geändert", sagt Greiner-Geschäftsführer Heinz Schmid, "seitdem ist das nicht mehr vorgekommen". Baden-württembergische Fahnder waren erst lange danach, im Frühjahr 2007, erstmals auf die "Phantom"-Spur gestoßen - im Zusammenhang mit dem Heilbronner Polizistenmord. Und das Kriminaltechnische Institut des LKA bestätigt selbst: DNA-Freiheit hatte man bei keiner Bestellung verlangt.

Dennoch stand nach diesen Hintergrundgesprächen ein schwerer Vorwurf gegen Greiner Bio-One im öffentlichen Raum: Der Wattestäbchen-Lieferant habe Polizeidienststellen "getäuscht" und entgegen seiner jetzigen Behauptung doch die DNA-Freiheit garantiert. Zudem hatte das LKA einen weiteren und noch schwerer wiegenden Vorwurf lanciert: Es gebe, so war danach zu lesen, "klare Hinweise" darauf, dass die Greiner-Geschäftsführung den Inhalt der firmeneigenen Homepage, wo es um die Bewerbung der Wattestäbchen ging, vor seiner Pressekonferenz am 27. März geändert - um zu vertuschen, dass man doch eine Garantie für DNA-Freiheit gegeben habe, und um Schadensersatzansprüche des Landes abzuwenden.

Vorsätzliche Täuschung?

Der in Bedrängnis geratene LKA-Chef Hiller kam damit erst mal aus der Schusslinie. Einige Medien berichteten nun von einer "Wende" im "Phantom"- Fall. Jetzt sei es eine Affäre des Herstellers, nicht mehr der Polizei. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft leitete prompt einen "Beobachtungsvorgang", eine Vorstufe von Ermittlungen, gegen Greiner Bio-One ein. Und der Innenminister hielt Schadensersatzforderungen gegen die Firma nach wie vor für möglich. In Österreich dagegen waren solche Forderungen nie ein Thema gewesen. Heute gibt die Stuttgarter LKA-Leitung die Unschuld vom Lande: Man habe "der Firma Greiner zu keinem Zeitpunkt eine vorsätzliche Täuschung von Kunden unterstellt", erklärt Hiller. Richtig. Es waren ja Journalisten, die das in die Welt setzten - nach dem vertraulichen Gespräch mit der LKA-Spitze.

Greiner Bio-One, in seinem Ruf schwer geschädigt, wollte es jedoch genau wissen: Die Firma beauftragte noch Ende März externe Computer-Spezialisten damit, die Festplatte ihres zentralen Rechners umfangreich zu prüfen, um den Manipulationsverdacht zu klären. Gleichzeitig wurde eine Kopie der Festplatte einem Notar übergeben. Inzwischen liegt das Ergebnis vor: Die beiden unabhängigen Gutachter fanden keine Hinweise darauf, dass die Homepage in der fraglichen Zeit verändert oder gar manipuliert worden war. Auch das österreichische Bundeskriminalamt, auf das sich das Stuttgarter LKA in dieser Sache gerne beruft, stellte inzwischen gegenüber dem Anwalt der Firma Greiner und auch auf stern.de-Anfrage klar, Greiner habe damals lediglich eine Pressemitteilung auf seine Homepage gestellt. Es sei keineswegs um Manipulation gegangen.

Grüne fordern Aufklärung

Die Grünen im Stuttgarter Landtag fordern jetzt die "rückhaltlose Aufklärung der DNA-Panne". Es habe sich der Eindruck verdichtet, dass vom Innenministerium und den Polizeiführungen alles getan worden sei, um die Verantwortung von sich weg zu schieben. Dringend müsse nun geklärt werden, wer die Verantwortung für zurückgehaltene und gegebenenfalls auch falsche Informationen trage, betont die Fraktion in einem Landtags-Antrag. Innenminister Rech solle sich bei der Firma Greiner Bio-One entschuldigen und die "erkennbar haltlosen Vorwürfe" gegen das Unternehmen öffentlich richtig stellen.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.

Von:

Rainer Nübel und