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Stromausfall in Brasilien: Caipis im Dunkeln

In der künftigen Olympia-Stadt Rio de Janeiro, der Metropole Sao Paulo und zahlreichen weiteren Städten gingen in der Nacht zum Mittwoch die Lichter aus.

Nach einem Schaden im Überleitungssystem des größten brasilianischen Wasserkraftwerks haben bis zu 60 Millionen Menschen mehr als zwei Stunden im Dunkeln gesessen. In der künftigen Olympia-Stadt Rio de Janeiro, der Metropole Sao Paulo und zahlreichen weiteren Städten gingen in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) die Lichter aus. Auch im Nachbarland Paraguay herrschte 20 Minuten lang Finsternis. Der Vorfall löste viel Kritik an der Infrastruktur Brasiliens aus, die überwiegend als marode beschrieben wurde.

Ursache war nach amtlichen Angaben eine von Gewitterstürmen ausgelöste Störung in den Überlandleitungen des Wasserkraftwerks Itaipu an der Grenze zu Paraguay. Dadurch fiel mit einem Schlag eine Leistung von 17.000 Megawatt aus. Itaipu ist nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt und deckt 20 Prozent des brasilianischen Strombedarfs.

Der Gouverneur von Rio, Sergio Cabral, schickte Elitetruppen der Polizei auf die Straßen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Während des Blackouts stieg die Zahl der Raubüberfälle vor allem in der Nähe des Stadions Maracana deutlich an. Dort wird 2014 das Finale der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen, zwei Jahre später soll dort die Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Sommerspiele stattfinden.

Vor allem mit Blick auf diese bevorstehenden Ereignisse galt der Stromausfall als äußerst peinlich. Er offenbarte Analysten zufolge den schlechten Zustand der brasilianischen Infrastruktur und die Hilflosigkeit der Behörden gegen Banden- und Drogenkriminalität.

Präsident Luiz Inacio Lula da Silva verwahrte sich gegen solche Kritik. Seit seinem Amtsantritt 2003 sei enorm viel für die Verbesserung der Stromversorgung getan worden. "Wir haben in knapp sieben Jahren 30 Prozent des Stromnetzes der vergangenen 130 Jahre aufgebaut", betonte der Präsident.

Die Behörden machten ungewöhnlich starke Stürme für die Leitungsschäden verantwortlich. Gleichwohl äußerten sich viele Bewohner von Rio de Janeiro besorgt über das Ansehen der künftigen Olympia-Stadt. "Das Image Brasiliens und besonders von Rio ist wegen all der Gewalt schon schlecht genug", sagte der 35-jährige Grafikdesigner Paulo Viera. "Da brauchen wir das nicht auch noch."

Bradley Brooks/AP / AP