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Telefonterror in Wedel Rentnerin treibt Polizisten fast in den Wahnsinn


Noch ist unklar, welche Motive die 73-Jährige hatte. Doch schon jetzt ist sicher: Dieses Wochenende werden die Beamten in Wedel nie vergessen. Denn eine dreiste Großmutter hatte es auf sie abgesehen.
Von Manuela Pfohl

Samstag. Wochenendbeschaulichkeit. Auf der Polizeiwache in Wedel, gleich westlich von Hamburg, hatten es der Dienststellenleiter und seine Kollegen eigentlich ruhig angehen wollen. Der Kaffee war gekocht, die Brote geschmiert, die Zeitung frisch. Keiner der Männer ahnte, dass sie in den nächsten Stunden Ziel eines verrückten Anschlags werden würden. Doch dann zogen sich die düsteren Wolken einer dramatischen Schicht über den Beamten zusammen. Denn es klingelte das Telefon.

Noch heute, zwei Tage danach, fällt es den Kollegen aus Schleswig-Holstein schwer, darüber zu reden, was folgte. Nur soviel wird über eine dürre Pressemitteilung der übergeordneten Dienststelle bekannt: Eine 73-Jährige hatte am Samstag mit pausenlosen Anrufen auf der Wedeler Wache versucht, die Beamten fertig zu machen. Man kannte das schon. Die Frau mache sich regelmäßig einen Spaß daraus, mit mehreren Telefonen bei der Dienststelle anzurufen, so dass mehrere Apparate - manchmal zwei bis drei - gleichzeitig klingeln, berichtet einer der erschütterten Polizisten. Alle hatten vergeblich gehofft, dass es irgendwann einmal vorbei ist damit. Anfangs dachten die Beamten noch, die Frau erzähle ihnen, nur um sich einen Spaß zu machen, "wirre, nicht zusammenhängende Sachverhalte". Doch stimmt das? Oder steckt mehr dahinter? Vielleicht der ganz perfide Plan, die öffentliche Ordnung zu destabilisieren?

Eiskalte Terroristin trinkt Sekt

In der Pressemitteilung der Polizei heißt es, die Beamten hätten mehrfach versucht, deeskalierend auf die Seniorin einzuwirken. Doch die Proteste beeindruckten die offenbar zu allem entschlossene verstockte Angreiferin nicht. In ihrem teuflischen Plan terrorisierte sie die Männer auf der Wache weiter. Ein Klingeln wie aus tausenden Höllen drang Stunde um Stunde aus den Telefonen. Was also sollten die Beamten tun? Aufgeben? Nach Hause gehen, die Wache schließen? Niemals, sagten sich die Gesetzeshüter, aßen ihre Brote, tranken mit (zugegeben) zitternden Händen ihren Kaffee aus und beschlossen schließlich ihrerseits zum Angriff überzugehen. Und zwar richtig.

Sie besorgten sich einen Durchsuchungsbeschluss und fuhren am Abend furchtlos zu der skrupellosen Terror-Oma, die mit allem gerechnet hatte, aber nicht mit dem Todesmut derjenigen, die sie stundenlang so feige schikaniert hatte. Völlig überrascht ließ sie die Streitmacht in ihre Wohnung. Doch von Einsicht keine Spur. Aus der Presseerklärung der Polizei wird deutlich, wie wenig die abgebrühte Gangsterin die Durchsuchung beeindruckte: Sie öffnete in aller Seelenruhe eine Flasche Sekt. Und schlimmer noch: "Sie genoss das Vorgehen sichtlich", so die Polizei.

Es ist nichts mehr, wie es mal war

Die traurige Bilanz am Ende des Schreckenstages ist so verstörend, wie unglaublich. Die Polizei musste fünf Handys und ein Festnetztelefon sicherstellen. Ob damit der Terror ein Ende hat? Zwar erhielt die Frau zum wiederholten Mal eine Anzeige wegen Ordnungswidrigkeit. Doch wird sie sich davon beeindrucken lassen? Was sind ihre Motive? Handelt es sich wirklich nur um eine Einzeltäterin? Und wird der Fall schnell gelöst werden können? Die mutigen Beamten der Wedeler Wache sind skeptisch. Seit Samstag ist in ihrem Dienstzimmer nichts mehr wie es mal war. An geschmierte Brote, heißen Kaffee und eine frische Zeitung denkt hier keiner. Alle Blicke sind auf die Telefone gerichtet. Hochspannung. Wird es wieder klingeln und der Terror von neuem beginnen?


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