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Kinder verunglückten im Urlaub: Thomas Cook erhielt mehr Entschädigung als Eltern

Im Internet kursieren Boykott-Aufrufe gegen Thomas Cook. Der Grund: Der Reiseveranstalter strich nach einem Urlaubsunfall eine höhere Entschädigung ein als die Eltern der zu Tode verunglückten Kinder.

Die Mutter der beiden verstorbenen Kinder, Sharron Wood, gibt im Februar 2010 mit ihrem Ehemann Paul ein kurzes Statement zum Prozessauftakt auf Korfu

Die Mutter der beiden verstorbenen Kinder, Sharron Wood, gibt im Februar 2010 mit ihrem Ehemann Paul ein kurzes Statement zum Prozessauftakt auf Korfu

Der Reisekonzern Thomas Cook wird im Internet massiv dafür angegangen, wie er nach dem Tod von zwei Kindern in deren Familienurlaub mit Entschädigungszahlungen umgegangen ist.

Medienberichten zufolge soll der Konzern selbst eine höhere Wiedergutmachung bekommen haben, als die Eltern der verunglückten Kinder. Die britische Familie hatte im Jahr 2006 Urlaub auf Korfu gemacht. In ihrer Ferienwohnung des Louis Corcyra Beach Hotel war der Gasboiler defekt gewesen. Die daraus austretenden Dämpfe vergifteten die siebenjährige Christi Shepherd und ihren ein Jahr jüngeren Bruder Bobby. Der mit anwesende Vater der beiden Kinder, Neil Shepherd, und seine neue Partnerin Ruth Beatson fielen ins Koma, überlebten das Unglück aber beide - zumindest körperlich - unbeschadet.

Über zwei Millionen Euro Entschädigung

Thomas Cook hat nach eigener Auskunft 1,5 Millionen Pfund (umgerechnet 2,09 Millionen Euro) von dem griechischen Hotelbetreiber erhalten. Nach Medienberichten bekamen die Eltern nur einen Bruchteil der Summe, nämlich etwa ein Zehntel des Betrages. Die Mutter der beiden verstorbenen Kinder, Sharon Wood, sagte der britischen Mail on Sunday in einem Interview: "Es scheint, als würde das Leben unserer Kinder nur einen Bruchteil des Rufes von Thomas Cook wert sein."

Das Unternehmen hat das erhaltene Geld nach eigenen Angaben für gemeinnützige Zwecke an die UN-Kinder-Organisation Unicef gestiftet. "Wir denken, das ist das Richtige und entschuldigen uns bei der Familie für all das, was sie durchmachen mussten." Auch auf der Facebook-Seite von Thomas Cook UK solidarisierte sich das Unternehmen mit der Familie und bemühte sich um Aufklärung.

Everyone at Thomas Cook was shocked and deeply saddened by the tragic loss of Robert and Christianne Shepherd in 2006....

Posted by Thomas Cook UK on Mittwoch, 13. Mai 2015

Kunden rufen zum Boykott auf

Doch so ein Facebook-Post - Jahre nach dem Unglück - ist vielen Internetnutzern nicht genug. In sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook riefen sie zum Boykott des britischen Unternehmens auf.

Kunde Dave Meredith verkündete beispielsweise am 20. Mai auf der Thomas-Cook-Facebook-Seite: "Wenn man gezwungen wird, sich zu entschuldigen, ist das noch keine Entschuldigung. Ich werde euer Reiseunternehmen nie wieder nutzen."

Mit dieser Sichtweise ist er nicht allein. Viele User kündigen an, keine Reisen mehr über Thomas Cook buchen zu wollen.

Weitere betroffene Eltern mischen sich in die Diskussion ein und berichten von ihren verunglückten Kindern. So klagte ein Vater Thomas Cook an, seinen Sohn 2007 getötet zu haben. Es sei bewiesen worden, dass der Balkon ihres mallorquinischen Hotels seit fünf Jahren nicht gewartet worden sei. Als sein Sohn sich daran anlehnte, gab das Geländer nach und viel mit dem Kind zu Boden. Das Reiseunternehmen habe nie den Kontakt zu den Eltern gesucht, geschweige denn, sich bei ihnen entschuldigt.

Ein weiterer Grund für einige Facebook-User bereits gebuchte Reisen wieder zu stornieren. Ein User verkündete, er storniere seine Reise mit der Begründung, er habe auch Kinder.

Aktien des Reisekonzerns fallen

Laut Cook-Chef Peter Fankhauser schlägt sich die öffentliche Empörung aber bisher nicht im Geschäft nieder: "Bis jetzt sehen wir keinen Effekt bei unseren Buchungen."

Zugleich räumte er ein, dass es beim Umgang mit der Familie der Kinder in der Vergangenheit einige Fehler gegeben habe. "Zuallererst möchte ich mein tiefes Bedauern über den tragischen Tod dieser Kinder zum Ausdruck bringen", sagte der Manager in einem Interview.

Für das erste Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres wies Thomas Cook einen operativen Verlust von 173 Millionen Pfund (240 Millionen Euro) aus. Aktien des Reiseveranstalters fielen um mehr als ein Prozent, nachdem sie schon am Montag rund drei Prozent verloren hatten. Das Management bekräftigte die Prognose, im Gesamtjahr währungsbereinigt mit Wachstum zu rechnen. Die Buchungen für den Sommer seien ermutigend.

grete / Reuters