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Tiere im fürchterlichen Zustand Sechs Kühe mussten direkt eingeschläfert werden: Molkerei kündigt Skandal-Hof





Immer wieder kamen in den letzten Monaten Tierskandale im bayrischen Allgäu ans Licht.


Jetzt steht ein Milchviehbetrieb in Dietmannsried-Überbach im Landkreis Oberallgäu massiv in der Kritik.


OT Philipp Hörmann, Tierschutzaktivist (Metzger gegen Tiermord)
"Seit vielen Monaten wird das Allgäu durch mehrere Tierschutzskandale regelrecht erschüttert. Man hätte sich eine abschreckende Wirkung bei anderen Viehzüchtern, Milchbauern oder Mästern erwarten können, aber der aktuelle Fall in Überbach bei Dietmannsried zeigt genau das Gegenteil."


Nachdem ein anonymer Hinweis bei den Behörden eingeht, stellt das Veterinäramt Oberallgäu am 09. Dezember erschreckende Zustände in dem Milchviehbetrieb fest.


Noch während der Kontrolle müssen 26 von insgesamt rund 90 Rindern aufgrund verschiedener Verletzungen sofort von einem Tierarzt behandelt werden.


Sechs der Tiere werden wegen ihres miserablen gesundheitlichen Zustandes und fehlender Heilungschancen direkt eingeschläfert, wie das Veterinäramt dem stern bestätigt.


Überwiegend hätten die Rinder Verletzungen im Klauenbereich gehabt.


Dies gibt Aufschluss auf die schlechte Bodenhygiene im Stall, wie die Tierschützer vermuten.


Die Tierschützer von der Gruppe "Metzger gegen Tiermord", ehemalige Metzger, die nach eigenen Aussagen inzwischen vegan leben und sich für Tierwohl einsetzen, behalten den Betrieb daraufhin im Auge.


In der Nacht von Sonntag auf Montag legen sie sich vor dem Hof auf die Lauer.
 
OT Philipp Hörmann, Tierschutzaktivist (Metzger gegen Tiermord)
"Im Laufe des gestrigen Tages häuften sich die Hinweise, dass wohl eine größere Räumung bzw. eine größere Menge Tiere verladen werden soll. Daraufhin haben die Metzger gegen Tiermord beschlossen, den Hof mit einem Team nicht aus den Augen zu lassen. Bei der anschließenden Verfolgung des Transporters fiel vor allem die sehr unsichere Fahrweise bzw. das Fahrverhalten des Fahrzeugs auf. Dies führte zur Alarmierung der Polizei."


Auf Anfrage teilt die Polizeipressestelle Kempten dem stern mit, dass der Transport beanstandungsfrei verlaufen sei.


Die insgesamt 35 Rinder werden unter Polizeibegleitung zu einem Schlachthof in Buchloe gebracht.
Dort führt ein Tierarzt des Landratsamtes Ostallgäu standardmäßig eine amtliche Schlachttieruntersuchung durch.


Der Leiter der Veterinärbehörde im Ostallgäuer Landratsamt sagt gegenüber der Augsburger Allgemeinen, dass die Tiere zwar nicht in einem "super Zustand aber dennoch transportfähig" gewesen seien.


O OT Peter Hübner, Tierschutzaktivist (Metzger gegen Tiermord)
"Inwieweit dabei kranke Tiere mit an Bord gewesen sind, um dort vielleicht noch Geld zu verdienen, das müssen nun die Behörden dokumentieren und feststellen."


Laut Veterinäramt Oberallgäu befand sich unter den an den Schlachthof gelieferten Tiere keines der 26 Tiere, die am 09.12. wegen unterschiedlicher Lahmheiten vom Veterinäramt beanstandet worden waren.


Für die Vermutung der Tierschützer, dass der Landwirt mit der Schlachtung ein Drittel seiner Tiere Spuren beseitigen wollte, gibt es also keine Beweise.


Besonders brisant an dem Fall: Der Betreiber des Milchviehbetriebs hat in der Gemeinde ein politisches Amt im Zusammenhang mit Landwirtschaft inne.
  
OT Peter Hübner, Tierschutzaktivist (Metzger gegen Tiermord)
"Diese politische Verflechtung finde ich gefährlich. Das muss zwingend überprüft werden."
 
Der stern hat den Landwirt um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten, aber noch keine Rückmeldung erhalten.  


Die Käserei Champignon, die von dem Milchviehbetrieb Lieferungen bezogen hat, arbeitet auf Anfrage des stern nicht mehr mit dem Bauern zusammen:


"Nachdem wir von den Vorkommnissen über mögliche Tierschutzverletzungen Kenntnis erlangt haben, haben wir die Lieferbeziehungen mit dem betreffenden Hof aus ethischen und moralischen Gründen umgehend beendet."


Ein Ermittlungsverfahren gegen den Betreiber wird wegen mehrerer Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aus formalen Gründen vermutlich erst Ende Februar/Anfang März bei der Staatsanwaltschaft Kempten eingehen.


Der politisch aktive Landwirt hat also nicht nur mit wirtschaftlichen, sondern auch mit juristischen Konsequenzen zu rechnen.

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Nachdem ein anonymer Hinweis beim zuständigen Veterinäramt eingegangen war, stellte ein Tierarzt erschreckende Zustände in einem Hof im Landkreis Oberallgäu fest. Brisant: Der Landwirt ist in der Gemeinde politisch aktiv – im Bereich der Landwirtschaft. 

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