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"Gender X": Transgender in Pakistan: Es gibt nur drei Wege, Geld zu verdienen – Betteln, Tanzen oder Prostitution

Obwohl das Gesetz in Pakistan vorsieht, dass Transgender-Menschen die gleichen Rechte wie allen anderen zustehen, sieht die Realität im Land anders aus. "Gender X" gewährt Einblick in den harten Alltag von Frauen, die im Körper eines Mannes zur Welt gekommen sind.

Von Manolo Ty

Eine junge Transgender-Frau bettelt an einer Straße

Eine Transgender-Frau bettelt während des Feierabendverkehrs in Pakistans zweitgrößter Stadt Lahore um Geld. Wie jede Nacht wurde sie von ihrem Guru ausgesandt, um Geld für ihre Hidschra-Gemeinschaft, in der sie lebt, zu sammeln. Viele Hidschras leben in genau definierten und organisierten Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaften, angeführt von einer Guru-Mutter. Diese muss für die materiellen und spirituellen Bedürfnisse ihrer Schülerinnen, also der Transgender-Frauen, Sorge tragen und hat dafür ein Anrecht auf Loyalität und einen Teil ihrer Einnahmen.

Für das Projekt "Gender X" war der Berliner Fotograf Manolo Ty anderthalb Jahre im Rahmen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen unterwegs. Er traf Transgender-Frauen, die ihm von ihrem schwierigen Leben erzählten – bis hin zu Morddrohungen von der eigenen Familie.

Pakistans Transgender-Gemeinschaft musste lange dafür kämpfen, um als Vollbürger mit gleichen Rechten nach der Verfassung des Landes akzeptiert zu werden. Die Verfassung Pakistans beinhaltet Klauseln für die Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechts und die Gleichheit vor dem Gesetz. Im Jahr 2009 wurde eine verfassungsrechtliche Petition im Namen der Trans-Geschlechter, die in Pakistan als Hidschras bezeichnet werden, vor dem Obersten Gerichtshof eingereicht. Der Gerichtshof forderte die Provinzen auf, detaillierte Berichte über den Status ihrer Transgender-Bevölkerung vorzulegen. Es wurde ein Arbeitspapier verfasst, in dem die Notwendigkeit besprochen wurde, die Rechte und das Wohlergehen von Hijras im Lichte der Diskriminierung, der Stigmatisierung und der Ausgrenzung, die sie erlitten haben, zu schützen.

Besondere Probleme wurden in den Bereichen der Registrierung von Identität, Beschäftigung und Schulbildung festgestellt. Aber schon heute gehört Pakistan zu einem der ersten Länder in der Welt, in denen Transsexuelle eine eigene Geschlechtsgruppe im Pass zugestanden wurde – entgegen dem Protest vieler einflussreicher arabischer Alliierter. Gleichzeitig führt eine soziale Stigmatisierung weiterhin dazu, dass den meisten Transgenderpersonen nur drei Einkommensquellen zur Verfügung stehen: Betteln, Tanzen und Prostitution.

Das Gesamtergebnis meines Foto- und Filmprojekts "Gender X" ist es, zu einem verstärkten Verständnis der Transgender-Gemeinschaft in Pakistan beizutragen und sie in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Da die Prinzipien der sozialen Eingliederung, der sozialen Gerechtigkeit und die Gleichberechtigung in der Verfassung Pakistans verankert sind, soll ihre Stimme auch das nötige Gehör finden, um die positive gesellschaftliche Veränderung weiterzutragen. Neben der Beschleunigung der integrativen Entwicklung soll die Dokumentation den Schutz Transsexueller in Pakistan durch visuelle und mediale Aufmerksamkeit im In- und Ausland gewährleisten.

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