Vergewaltigungsvorwurf Rätselhaftes Gutachten belastet Marco W.


Ein türkisches Boulevardblatt meldet unter Berufung auf ein angeblich medizinisches Gutachten, dass sich der Vergewaltigungsvorwurf gegen Marco W. erhärtet. Stimmt nicht, konterte Marcos Anwalt Jürgen Schmidt: "So ein Gutachten gibt es nicht."

Dem seit drei Monaten in der Türkei inhaftierte 17-jährige Marco aus Uelzen droht nach einem Zeitungsbericht angeblich eine Erweiterung der Anklage auf Vergewaltigung. Das zumindest berichtete die türkische Zeitung "Sabah" am Freitag unter Berufung auf ein medizinisches Gutachten. Daraus gehe hervor, dass Marco das 13-jährige britische Mädchen Charlotte M. vergewaltigt habe. Das Gutachten sei dem Gericht in Antalya bei der nicht öffentlichen Verhandlung am sechsten Juli zugeleitet worden.

Laut "Sabah" würde das medizinische Gutachten Marco W.'s Behauptung, keinerlei "Beziehung" zu dem britischen Mädchen gehabt zu haben, nun endgültig ad absurdum führe. Weiter stünde im Gutachten, so "Sabah" weiter, dass es eindeutig zu einer sexuellen Handlung zwischen den beiden Teenagern gekommen sei. Die Engländerin sei dabei nicht sexuell belästigt, sondern vergewaltigt worden, so das türkische Boulevardblatt weiter. Das behaupte der Gynäkologe, der das britische Mädchen im Staatlichen Krankenhaus in Manavgat untersucht hat. Er will bei der Untersuchung Spermien "im hintersten Teil der Vagina" gefunden haben, zitierte das Blatt aus dem Gutachten. Der Arzt solle beim nächsten Gerichtstermin am 8. August angehört werden.

Der Anwalt des in der Türkei inhaftierten Marco hat den Bericht zurückgewiesen. "Ein medizinisches Gutachten, wonach Marco die 13-Jährige vergewaltigt haben soll, gibt es nicht", sagte Anwalt Jürgen Schmidt am Freitag in Uelzen. Laut Schmidt sagte, wisse auch das türkische Gericht nicht, wie die Zeitung zu dieser Annahme komme.

Widersprüchliche Aussagen

Marco soll die junge Britin während des Osterurlaubs sexuell belästigt haben. Der Schüler war nach einer Anzeige der Eltern des Mädchens in Untersuchungshaft genommen worden. Nach seiner Darstellung war die Initiative zu gemeinsamen Zärtlichkeiten von der 13-Jährigen ausgegangen, die sich als 15-Jährige ausgegeben habe. Die Engländerin sprach von sexueller Belästigung ohne ihre Einwilligung. Marco habe sich auf sie gelegt, als sie schlief, sie aber nicht vergewaltigt. Marcos türkischer Anwalt war bei dem Gerichtstermin erneut mit einem Antrag auf vorläufige Freilassung gescheitert. Die Staatsanwaltschaft in Lüneburg leitete parallel Ermittlungen gegen Marco ein, um das Verfahren nach Deutschland holen zu können. Entsprechende Schritte zwischen der deutschen und türkischen Justiz wurden allerdings noch nicht vorbereitet.

Özlem Topcu mit DPA

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