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Video Zehn Jahre Haft für "IS-Rückkehrerin" Jennifer W.

Das Oberlandesgericht in München hat am Montag die sogenannte "IS-Rückkehrerin" Jennifer W. zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die deutsche Frau hatte laut Gericht unter anderem ein fünfjähriges jesidisches Mädchen verdursten lassen. Die Jesiden sind laut Auswärtigem Amt eine ethnische Minderheit vor allem im Nordirak und in Nordsyrien. Anwältin Natalie von Wistinghausen sagte als Vertreterin der Nebenklage im Namen der Mutter des Mädchens: "Wissen Sie, ich denke, für eine Mutter, die ihr Kind verloren hat, gibt es keine Strafe, die hart genug ist. Unsere Mandantin glaubt das auch. Für sie war es wichtig - und das sagte sie während des Prozesses - dass die Welt weiß, wer verantwortlich ist, und heute hat sie eine solche Entscheidung erhalten." Das Gericht hat die 30-jährige Angeklagte für schuldig befunden, Kämpfer des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) im Irak unterstützt und Beihilfe zu versuchtem Mord geleistet zu haben. Die Frau wurde auch Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland, wegen Beihilfe zu versuchten Kriegsverbrechen und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt, wie Gerichtssprecher Florian Gliwitzky, sagte: "Das Gericht verhängte eine Einsatz- Strafe von 9 Jahren für den Tod des Kindes infolge der Sklaverei, die es als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ansah, und zwei Jahre und sechs Monate für die Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe. Daraus ergab sich eine Gesamtstrafe von 10 Jahren." Die Anklage hatte die nun Verurteilte beschuldigt, sich 2014 der militanten Gruppe "IS" angeschlossen und sich in die Entscheidungs- und Kommandostruktur der Gruppe integriert zu haben. Die Bundesanwaltschaft hatte lebenslange Haft für die Angeklagte gefordert. Claudia Gorf von der Bundesanwaltschaft sagte: "In einem Prozess wie diesem geht es nicht um Sieg oder Niederlage. Es geht darum, die Schuld eines Angeklagten festzustellen. Für mich ist es entscheidend, dass ein Verbrechen, von dem niemand geglaubt hätte, dass es jemals aufgeklärt werden würde, heute in einem Strafprozess aufgeklärt wurde." Laut Anklage hatte die Frau das fünfjährige Mädchen verdursten lassen, nachdem ihr Ehemann, ein Kämpfer des "IS", das Kind ohne Schutz vor sengender Hitze in einem Innenhof angekettet hatte, und zwar offenbar deswegen, weil das Mädchen eine Matratze eingenässt hatte. Die Verteidigung hatte für eine Höchststrafe von zwei Jahren plädiert, wie der Anwalt von Jennifer W. sagte, Ali Aydin: "Niemand bezweifelt das große Leid, das die Nebenklägerin und die Jesiden durchgemacht haben. Für uns war es wichtig, die subjektive Schuld der Angeklagten zu isolieren und sie nicht für das verantwortlich zu machen, was der IS als Ganzes den Jesiden zweifelsohne angetan hat." Die nun Verurteilte, die 2018 auf ihrem geplanten Rückweg von Deutschland ins IS-Gebiet in Syrien verhaftet wurde, war laut Anklage auch Mitglied der "Moralpolizei" des IS. Diese patrouillierte in irakischen Städten wie Falludscha und Mossul, um sicherzustellen, dass Frauen die strengen Kleider- und Verhaltensregeln des IS einhielten.
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Das Gericht hat die 30-jährige Angeklagte für schuldig befunden, Kämpfer des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) im Irak unterstützt und Beihilfe zu versuchtem Mord geleistet zu haben.

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