VG-Wort Pixel

Exklusivinterview im stern Wie zwei Deutsche sechs Monate Geiselhaft überstanden

Die philippinische Insel Jolo. Zwei deutsche Geiseln. Sechs Monate Gefangenschaft. Henrike Dielen und ihr Lebensgefährte Stefan Okonek waren von April bis Oktober 2014 in die Hände der islamistischen Terrororganisation Abu Sayyaf.
OTON: Die meiste Angst hatte ich um Stefan, dass man dem Stefan etwas antut.
Mit dem Stern sprechen sie erstmals und exklusiv über die Zeit als Geiseln.
OTON: Dass wir umgebracht werden, war natürlich immer eine Angst. Aber ich hatte immer mehr Angst um Stefan, weil er ein Mann ist. Weil ich denke mal, was ich eben noch nie gehört hatte war, dass man einer Frau etwas antut. Deswegen hatte ich um mich jetzt nicht so die Angst. Ich habe immer gedacht, wenn sie jemandem von uns etwas antun, ist Stefan der Erste. Das war meine große Angst. Wie es dann letztlich auch passiert ist. Als man ihn am Schluss so gefoltert hat.
Stefan Okonek und Henrike Dielen haben zwanzig Jahre lang mit ihrem Segelschiff die Welt bereist. Am 17. April 2014 überfallen die Terroristen ihr Boot. Auf einer bekannten Route, die die beiden Deutschen oft gesegelt sind. Es folgen qualvolle Wochen in den Camps der Entführer.
OTON: Am meisten geholfen hat, dass wir beiden zusammen waren. Also Stefan hat mir geholfen. Hat mir Zuversicht gegeben. Hat mich beruhigt. Und er hat immer gesagt, ich müsse mir keine Sorgen machen. Die möchten ja schließlich was erreichen. Und wir sind die Ware sozusagen. Und wenn die Ware verdirbt, dann kriegen die nichts mehr.
Mehrmals drohten die Islamisten öffentlich, ihre Geiseln mit dem Messer zu enthaupten.
OTON: Ich denke es hat auch geholfen, an die schönen Sachen zu denken. Dass man sagt, man lässt die schlechten Seiten beiseite und achtet auf die schönen Sachen. Zum Beispiel war der Wald sehr schön dort. Man konnte also tolle Bäume ankucken. Man konnte Tiere beobachten. Wenn es nur eine Spinne war. Oder eine Ameise. Oder Katzen. Auf die schönen Sachen achten. Das Motto hat uns sehr beruhigt.
Gezeichnet von den vergangenen Monaten kommen die beiden Deutschen im Oktober frei.
OTON: Es ist erstaunlich weit weg mittlerweile. Ich habe jetzt keine bösen Erinnerungen, die mich verfolgen in dem Sinne. Und ich bin heilfroh, dass das so ist. Im Moment gucke ich eher in die Zukunft als in die Vergangenheit.
Lesen Sie das ganze Interview mit Henrike Dielen und Stefan Okonek im neuen Stern. Jetzt im Handel
Mehr
Sechs Monate waren Henrike Dielen und ihr Lebensgefährte Stefan Okonek Gefangene der Abu Sayyaf auf den Philippinen. Nun berichten die beiden erstmals von der traumatischen Geiselhaft.
Von Franziska Reich und Philipp Weber
print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker