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Von Hagens "Körperwelten": Sex-Plastinate bleiben verboten

Nächster Akt im Augsburger Theater um die umstrittene "Körperwelten"-Ausstellung: Leichenkünstler Gunther von Hagens darf seine plastinierten Sexual-Akte weiterhin nicht zeigen. Ein Gericht schmetterte seine Klage gegen das Verbot ab.

Gunther von Hagens darf in der Augsburger "Körperwelten"-Ausstellung vorerst keinen plastinierten Sexual-Akt zeigen. Das hat das Verwaltungsgericht Augsburg am Freitag vorläufig entschieden, der Antrag von Hagens zu einer sofortigen Entscheidung wurde als unbegründet zurückgewiesen. Ein endgültiger Beschluss in der Sache soll nächste Woche fallen.

Der umstrittene Plastinator hatte am Donnerstag in seiner Schau für einen Eklat gesorgt, als er trotz Verbots abermals einen Sex-Akt enthüllte. Die Stadt erließ ein erneutes Verbot der Darstellung, ließ den Akt verhüllen und den Ausstellungsraum sperren. Von Hagens hatte dies als Zensur und Bevormundung kritisiert. Mit seiner Klage bezieht sich der 64-jährige Leichenkünstler auf eine Ausführung des Verwaltungsgerichts in einem ersten Urteil, wonach er einzelne Exponate seiner Augsburger Schau der Stadt nicht zur Genehmigung vorlegen müsse. Die Stadt prüft noch, gegen diese Auffassung vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München zu ziehen.

Niederlage auch in Berlin

Zum ersten Mal hatte von Hagens zwei plastinierte Leichen beim Geschlechtsverkehr in der Ausstellung "Der Zyklus des Lebens" gezeigt, die dieses Wochenende in Berlin zu Ende geht. Die Darstellung erzürnte viele Menschen, darunter mehrere Politiker. Auch evangelische Pfarrer protestierten gegen die Schau.

Die Berliner Ausstellung zog ebenfalls eine gerichtliche Auseinandersetzung nach sich, bei der von Hagens unterlag. Das Berliner Verwaltungsgericht verbot ihm, Leichen vor Publikum zu öffnen - auch die Würde von Verstorbenen sei unantastbar. Von Hagens hatte bei einer Live-Präparation im sogenannten Anatomischen Theater der Moderne eine Leiche vor Zuschauern geöffnet.

Die Berliner Schau geht an diesem Sonntag nach knapp vier Monaten im Postbahnhof am Ostbahnhof zu Ende. Die Besucherzahlen erreichten bei weitem nicht die der vorherigen Berlin-Ausstellung im Jahr 2001: Damals waren innerhalb von rund sieben Monaten knapp 1,4 Millionen Besucher gekommen. Die Berliner Ausstellung wird von Mitte September an in der Schweiz zu sehen sein.

DPA / DPA
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