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Budelli "Ich habe den Kampf aufgegeben": Italiens Robinson Crusoe muss "seine" Insel räumen

Mauro Morandi steht am Strand der Insel Budelli
Auf seiner Facebook-Seite teilt Morandi viele Eindrücke von der Insel mit seinen Followern 
© Facebook
Seit rund fünf Jahren versucht die Nationalparkbehörde von La Maddalena den italienischen Ableger der Romanfigur Robinson Crusoe, Mauro Morandi, von einer einsamen Insel vor der sardischen Küste zu vertreiben. Nach langem Widerstand ist es ihr nun gelungen: Ende des Monats wird Morandi sein Zuhause verlassen und in eine kleine Wohnung ziehen.

Eine Insel mit dem Namen Budelli, die vor der sardischen Küste liegt und für ihren rosafarbenen Sand bekannt ist, war mehr als 30 Jahre lang das Zuhause von Mauro Morandi. Der 81-jährige gilt als der italienische Robinson Crusoe, denn wie sein Romanvorbild ist auch er auf einer einsamen Insel gelandet und hat dort mehrere Jahrzehnte verbracht. Nun ist diese Zeit jedoch vorbei: Ende April wird Morandi seine Heimat nach jahrelangem Kampf verlassen müssen. Eine Heimkehr, die dieser Robinson Crusoe nur widerwillig und voller Sorgen um die Insel antreten wird.

"Dieses Mal scheint es ernst zu sein"

Auf Budelli gestoßen war Morandi im Jahr 1989, als er eigentlich einen Segeltrip mit seinem Katamaran im Südpazifik machen wollte. Eine Bootspanne zwang ihn, auf der kleinen Insel zu landen und wie der Zufall es wollte, stand der damalige Inselwächter kurz vor der Pension und konnte einen Nachfolger gut brauchen. Kurz entschlossen brach Morandi seinen Segeltörn ab, verkaufte seinen Katamaran und übernahm den Posten des Inselwächters.

Seit 32 Jahren lebt er nun dort, kennt jeden Baum, jede Pflanze und jedes Tier und bleibt im Einklang mit sich und der Natur. Deren Schutz und ihr Erhalt zählen zu Morandis wichtigsten Aufgaben. Sein Zuhause war all die Jahre eine Steinhütte aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, Solarpanele versorgten ihn mit Strom. Dass ihm diese kleine Hütte einmal zum Verhängnis werden würde, hätte der italienische Einsiedler nicht erwartet: "Sie haben mir gesagt, dass sie an meinem Haus arbeiten müssen, und dieses Mal scheint es ernst zu sein", sagte er dem "Guardian".

Jahrelanger behördlicher Druck

Ernst scheint es der Nationalparkbehörde von La Maddalena dieses Mal tatsächlich zu sein. Bereits seit 2016 versucht sie, Morandi zum Verlassen der Insel zu bewegen und hat ihm schon mehrfach mit der Räumung gedroht. Aufgrund von vermeintlichen Verstößen Morandis soll dies nun gelingen: Die Behörde unterstellt dem Inselbewohner, Änderungen an seiner Steinhütte ohne die erforderlichen Genehmigungen vorgenommen zu haben. Morandi selbst gibt nun dem anhaltenden behördlichen Druck nach. "Ich habe den Kampf aufgegeben. Nach 32 Jahren hier bin ich sehr traurig zu gehen", sagte er dem "Guardian". Ende April wird er Budelli verlassen und in eine kleine Wohnung auf der nahegelegenen Insel La Maddalena ziehen."Ich werde am Rande des Hauptortes wohnen, also werde ich nur zum Einkaufen dorthin gehen und den Rest der Zeit für mich bleiben", erklärte er. "Mein Leben wird sich nicht allzu sehr verändern, ich werde immer noch das Meer sehen." 

Bootsunglück

Morandis Kampf begann vor fünf Jahren, als ein sardischer Richter entschied, dass die Insel Budelli wieder in den öffentlichen Besitz übergehen soll. Zuvor hatte sie zunächst einer privaten Firma gehört, die jedoch Pleite ging. 2013 wollte ein neuseeländischer Geschäftsmann daraufhin die Insel kaufen und hatte sich dazu verpflichtet, Morandi als Inselwächter zu behalten. Doch Proteste und eine Intervention der italienischen Regierung vereitelten diesen Plan. Hatte Morandi all die Jahre zuvor ohne Ärger auf der Insel gelebt, sie vom Müll der Tagestouristen gereinigt und diese über das Ökosystem der Insel aufgeklärt, begannen für ihn mit der Verwaltung der Insel durch die Nationalparkbehörde von La Maddalena die Probleme.

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Petitionen gestartet und zahlreiche Unterschriften gesammelt, um Morandi auf der Insel zu halten. Doch, wie es nun scheint, ohne Erfolg. Als Morandi auf seiner Facebook-Seite das Verlassen der Insel verkündete, entfachte er damit eine Welle des Protests. Zahlreiche Nutzer kommentierten den Beitrag und riefen zum Widerstand gegen die Nationalparkbehörde auf. Ohne Morandis Pflege und den Schutz der Insel sei ein weiteres Paradies in Gefahr. Morandi selber teilt diese Ansicht. Seine größte Sorge gilt der Insel, wenn er nicht mehr da ist, um für sie sorgen. Dem "Guardian" sagte er: "Ich hoffe, dass jemand sie so gut beschützen kann, wie ich es getan habe."

Quellen: "The Guardian" / Facebook

as

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