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Flüchtling Abdul Halim Attar Mit einer Handvoll Stifte zum Dreifach-Unternehmer


Die Bilder gingen um die Welt: Abdul Halim Attar trägt in Beirut seine schlafende Tochter auf der Schulter und verkauft ein paar Stifte. Inzwischen hat er eine Bäckerei, ein Restaurant und einen Dönerladen - auch wegen einer Spendenaktion.

Die Fotos, die Abdul Halim Attars Leben veränderten, zeigen ihn an einem heißen Tag in den Straßen Beiruts. Der Palästinenser trägt seine erschöpfte Tochter auf der Schulter und versucht, blaue Stifte zu verkaufen. Die Bilder sind eigentlich nicht spektakulär, aber verstörend. Denn während Attar mit einer Hand die vierjährige Tochter hält und sich mit der anderen flehend an die Autofahrer wendet, zeigt sein Gesicht tiefe Verzweiflung.

Noch vor wenigen Jahren lebte Abdul Halim Attar einem palästinensischen Flüchtlingscamp nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus und arbeitete in einer Schokoladenfabrik. Dann floh er mit seinen beiden Kindern in den Libanon - und versuchte, die Familie mit dem Verkauf von Kleinigkeiten durchzubringen. Vater und Kinder hatten fast alles verloren, vor allem die Chance auf eine Zukunft. Es ging nur noch ums Überleben.

Inzwischen ist alles anders. Knapp vier Monate ist es her, dass der Isländer Gissur Simonarson das Foto auf seinem Twitter-Account teilte und damit eine Lawine des Mitgefühls lostrat. Unzählige Menschen teilten das Bild, kommentierten es, wollten helfen. Und halfen: Simonarson rief eine Spendenkampagne ins Leben, ursprünglich mit dem Ziel, 5000 Dollar zu sammeln. Das Geld war schon nach einer halben Stunde zusammen. Nach wenigen Tagen waren die 100.000-Dollar-Marke geknackt.

Der Sohn geht wieder zur Schule

Heute hat Abdul Halim Attar ein anderes Leben. Wie die Nachrichtenagentur "AP" berichtet, ist der Flüchtling zum Unternehmer geworden: Der 33-Jährige hat in Beirut eine Bäckerei, einen Dönerladen und ein kleines Restaurant eröffnet und beschäftigt 16 syrische Flüchtlinge. Von seiner Frau, die nach Syrien zurückgekehrt ist, lebt er getrennt.

Insgesamt kamen bei der Kampagne knapp 200.000 Dollar zusammen, von denen Attar allerdings bisher nur 40 Prozent erhalten hat. 20.000 Dollar gingen an Gebühren weg, auch die Auszahlung an einen Flüchtling im Libanon ist schwierig. 25.000 Dollar habe er an Freunde und Verwandte in Syrien verschenkt, sagt Attar. "Nicht nur mein Leben hat sich geändert, sondern auch das Leben meiner Kinder und der Menschen in Syrien, denen ich geholfen habe." Die kleine Familie ist in eine Zweizimmerwohnung gezogen, Abdul konnte Spielzeug für die kleine Tochter Reem kaufen. Sein neunjähriger Sohn kann nach drei Jahren endlich wieder in die Schule gehen. 

Er habe das Geld investiert, damit es nicht verloren gehe, sagt Attar. Der 33-Jährige hat großes Glück gehabt - viele andere nicht. Etwa 1,2 Millionen syrischer Flüchtlinge leben im Libanon. Nur etwa ein Drittel davon hat überhaupt irgendeine bezahlte Beschäftigung.

car

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