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Aussteiger Ultraromance: Dieser Mann arbeitet nur sechs Monate im Jahr

Der Amerikaner Benedict hält Arbeit für unnatürlich. Also verdient er nur sechs Monate im Jahr Geld, die andere Hälfte fährt er mit seinem Rad durch die Welt und lebt dabei von zehn Dollar pro Tag.

Von Tim Schulze

Benedict, der sich auf Instagram Ultraromance nennt, auf einem Fahrrad.

Ultraromance lebt konsequent seine Vorstellung von radikaler Freiheit

Benedict lebt seinen Traum von Freiheit. Ohne Stress, ohne Termine, ohne Schreibtisch. Zumindest sechs Monate im Jahr. Dann setzt sich der Amerikaner auf sein Fahrrad, wenn es die Temperaturen zulassen mit freiem Oberkörper, und fährt los. Seine Trips führen in die Natur fernab vom hektischen Leben des Normalbürgers. Meist in den USA, aber auch in Neuseeland oder Norwegen. Seine Ausrüstung besteht aus einer bescheidenen Camping-Ausrüstung und ein bisschen Geld. Der 35-Jährige radelt allein, zu zweit oder in einer Gruppe. Denn er ist kein Einsiedler, der abgeschirmt von der Welt ein einsames Dasein fristet. Im Gegenteil: Er teilt seine Erfahrungen über den Online-Dienst Instagram mit der Welt. Über 41.000 Menschen folgen Benedict so weltweit auf seinen Touren.

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Ein von J. "Poppi" Cool Romance (@ultraromance) gepostetes Foto am


Mit seinem Rauschebart, den Hippiehaaren und Tätowierungen sieht er aus wie ein Natur-Hipster. Aber im Gegensatz zu seinen urbanen Verwandten hat der Amerikaner dem Konsum abgeschworen und berauscht sich an der grenzenlosen Freiheit, die er auf seinen Fahrten verspürt.

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Ein von J. "Poppi" Cool Romance (@ultraromance) gepostetes Foto am


"Wir haben diese vorgefertigte Meinung, was Erfolg in der modernen Welt bedeutet. (…) Ich schäme mich nicht, dass ich nicht arbeiten mag. Arbeit ist sehr unnatürlich. Ich mag die einfachen Dinge. Papierkram und Rechnungen sind nichts für mich", erzählte Benedict jüngst dem Onlinemagazin "Business Insider"

Er hat einen Abschluss in Geschichte und Anthropologie gemacht. Im Studium habe er gelernt, sagt er, dass die Menschen vor der industriellen Revolution nur rund neun Stunden in der Woche benötigten, um alles Nötige zu besorgen. Der Rest sei Freizeit gewesen: "Das ist für uns ein natürliches Leben.“ Nach dem Studium versuchte er sich als Sportlehrer, merkte aber schnell, dass das Leben, das vor ihm lag, nichts für ihn ist: Heirat, Haus, Auto, Hypothekenzahlungen – so wollte Benedict nicht enden: "Das war definitiv nichts für mich."

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Ein von J. "Poppi" Cool Romance (@ultraromance) gepostetes Foto am


Das Geld für seine Reisen verdient er in den Sommermonaten bei seinem Vater, der Angeltouren für Touristen in Connecticut anbietet. Rund 10.000 Dollar spart er sich zusammen, das Geld vergräbt er angeblich im Garten von Verwandten. Nach Ende der Saison beginnt er dann seine Touren. "Ich mag die ultimative Freiheit ohne jegliche Verpflichtungen. Aber ich bin kein Einsiedler, der einsam auf einem Berg lebt", betont er. "Ich mag das Internet und ich liebe Instagram und all den Kram - ich liebe Whole Food (ein Bio-Supermarkt, Anm. d. Red.) Es gibt viele Annehmlichkeiten, auf ich nicht verzichten will."

Seit 15 Jahren lebt er dieses Leben. Er hat seitdem nicht länger als sechs Monate am selben Ort verbracht. Auf den Touren lebt er meist im Zelt, kauft nur das Nötigste im Supermarkt. Früchte und Pilze findet er in der Natur, Meer und Flüsse spenden Fisch. Wie lange er noch so leben kann, darüber macht er sich offensichtlich keine Gedanken. Vielleicht könne er seine Leidenschaft zu Geld machen und ein ruhigeres Leben führen, fragte ihn ein Reporter des "Bicycling"- Magazins. Benedict antwortete nur: "Yeah. Wenn ich ein maßgeschneidertes Rad hätte, wäre das unglaublich.“

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