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Chemnitz Händler wirbt auf Wochenmarkt für berüchtigte "Zwölf Stämme"-Sekte

Chemnitz, Sachsen: Blick über den leeren Marktplatz zum Alten Rathaus
Chemnitz, Sachsen: Blick über den leeren Marktplatz zum Alten Rathaus
© Hendrik Schmidt/ / Picture Alliance
Ein Händler hat auf dem Wochenmarkt in Chemnitz versucht, Mitglieder für die Sekte "Zwölf Stämme" zu werben. Der Oberbürgermeister reagiert umgehend.

Der Betreiber eines Hofladens hat auf dem Chemnitzer Wochenmarkt versucht, neue Mitglieder für die Sekte "Zwölf Stämme" zu werben. Das berichteten "Tag24" und Radio Chemnitz. Demnach habe er Besucher:innen angesprochen, ihnen von der umstrittenen Glaubensgemeinschaft erzählt und Einladungen zu einem Hofladen im tschechischen Skalná ausgesprochen, wo die Sekte auch ihren Sitz hat. 

"Wir sind mit dem Händler ins Gespräch gekommen, da mein elfjähriger Sohn auch den Wunsch hat, Biobauer zu werden", zitierte "Tag24" eine Betroffene. "Schnell hatte ich eine Visitenkarte mit tschechischen Adressen in der Hand." Daraufhin sei eine Einladung zum Hofladen nach Skalná gefolgt. Die Frau vermutete, dass der Mann gutgläubige Menschen habe anlocken wollen.

"Der Händler wird keine Zulassung mehr erhalten"

Die Sekte ist immer wieder in die Schlagzeilen geraten, jüngst im Fall um eine vermisste Elfjährige aus Bayern, die nach Angaben der "Zwölf Stämme" dort untergekommen sein soll (der stern berichtete). Im September 2013 hatten die Behörden wegen Prügelvorwürfen 40 Jungen und Mädchen aus der Gemeinschaft geholt und bei Pflegefamilien und in Heimen untergebracht. Das Vorgehen der Behörden gegen die Sekte im Jahr 2013 hatte danach zu jahrelangen Prozessen geführt. Die "Zwölf Stämme" waren wegen des Vorgehens der deutschen Behörden nach Tschechien umgesiedelt. 

Gegenüber "Tag24" habe der Händler seine Mitgliedschaft bei der Sekte bestätigt, sich darüber hinaus aber nicht äußern wollen. Laut Stadtverwaltung sei der Mann nur einmal mit seinem Stand auf dem Markt gewesen und wolle nicht mehr wiederkommen. Einen eigenen Stand könnte er ohnehin nicht mehr aufstellen: "Der Händler wird keine Zulassungen mehr erhalten", sagte Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) zu "Tag24". "Das Marktamt hat die Anzeige intensiv geprüft und der Verdacht hat sich bestätigt." 

Quellen:"Tag24", Radio Chemnitz

fs

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