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Gewaltsame Proteste Notstand im Süden Chiles ausgerufen

Sicherheitskräfte halten einen Demonstranten bei den Protesten in Chile fest
Sicherheitskräfte halten einen Demonstranten bei den Protesten in Chile fest
Nachdem sich Konflikte zwischen Sicherheitskräften und Indigenen in Chile zuspitzen, ruft Präsident Piñera den Notstand im Süden des Landes aus. In zwei Regionen soll das Militär nun die Polizei unterstützen.

Nachdem es bei Protesten einer indigenen Bevölkerungsgruppe immer wieder zu Zusammenstößen zwischen chilenischen Sicherheitskräften und Demonstrant:innen kam, hat Chiles Präsident Sebastián Piñera am Dienstag (Ortszeit) den Notstand für zwei südliche Gebiete des Landes ausgerufen. Betroffen sind Teile der Regionen Biobío und La Araucanía.

Militär soll Polizei unterstützen

Präsident Piñera ordnete den Einsatz der Soldaten in den südlichen Gebieten an, um gegen "die schwerwiegende Störung der öffentlichen Ordnung" vorzugehen. So sei es in Teilen von Biobío und La Araucanía "wiederholt zu Gewalttaten im Zusammenhang mit Drogenhandel, Terrorismus und organisierter Kriminalität gekommen, die von bewaffneten Gruppen begangen wurden", erklärte der Staatschef. Neben Zusammenstößen mit der Polizei sei es zudem in den vergangenen Jahren immer wieder zu Brandanschlägen auf Häuser und Fahrzeuge gekommen. Das Militär soll die Polizei nun bei Patrouillen begleiten und in den Regionen logistische Unterstützung bieten.

Am 12. Oktober, an welchem Piñera über die Entsendung des Militärs entschied, gedenken viele Menschen in Lateinamerika dem Tag, an dem der Seefahrer Christoph Columbus im Jahr 1492 Amerika "entdeckte". Die Erinnerung an diesen Tag gestaltet sich allerdings seit Jahren kontrovers. Besonders für die indigenen Bevölkerungsgruppen des Kontinents steht der "Kolumbus-Tag" auch für die gewaltsame Eroberung zahlreicher Gebiete und den Beginn der Kolonialisierung Amerikas.

Meinungen über Piñeras Handeln gespalten

Für die gewaltsam ausgetragenen Teile der Proteste im Süden Chiles sollen radikale Gruppen des indigenen Volkes der Mapuche verantwortlich sein. Diese fordern dabei die Rückgabe des Landes, welches sie als ihren angestammten Besitz betrachten und setzen sich seit Jahrzehnten für mehr Autonomie gegenüber dem chilenischen Staat ein. Mit 1,7 Millionen Angehörigen stellen sie die größte indigene Gruppe des Landes dar, in dem rund 19 Millionen Einwohner leben. Staatschef Piñera betont dabei, es gehe ihm lediglich um die Bekämpfung von Gewalttaten, der verfassungsmäßige Ausnahmezustand richte sich keineswegs gegen ein Volk oder eine Gruppe friedlicher Bürger.

Luciano Rivas, der Gouverneur der Region La Araucanía, hält die Entsendung der Truppen für eine wichtige Entscheidung. Gegenüber dem Nachrichtensender CNN begrüßt er Piñeras Vorgehen und spricht von einer "sehr ernsten Sicherheitskrise" in der Region. Doch es lassen sich auch kritische Stimmen ausmachen. So fällt Lucía Dammert, Politikexpertin von der Universität Santiago, ein negatives Urteil über das Vorgehen von Staatschef Piñeras. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP warnt sie, der Truppeneinsatz könne den Konflikt sogar noch weiter verschärfen. 

mlm DPA AFP

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