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Großprojekt in Dänemark Umstrittener Bau einer künstlichen Insel vor Kopenhagen genehmigt

Eine Luftaufnahme von Kopenhagens Hafen
Lynetteholm soll hier vor Kopenhagens Hafen entstehen
© Nils Meilvang / Picture Alliance
Vor Kopenhagens Küste soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer künstlichen Halbinsel begonnen werden, um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken. Doch die Kritik ist groß.

Dass Dänemark als Land zwischen Nord- und Ostsee die Folgen des Klimawandels und des damit verbundenen steigenden Meeresspiegels in Zukunft zu spüren bekommen wird, ist unbestritten. Ein kontrovers diskutiertes Großprojekt soll nun einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz leisten: Vor dem Kopenhagener Hafen wird eine künstlich angelegte Halbinsel entstehen – das entsprechende Gesetz haben die dänischen Abgeordneten am vierten Juni in einer Abstimmung mit 85 zu zwölf Stimmen beschlossen.

Lynetteholm, so der Name des Eilands, soll durch ein Dammsystem den Hafen der dänischen Hauptstadt vor Sturmfluten und einem steigenden Wasserpegel schützen. Gleichzeitig soll dank des Großprojekts eine Lösung für den Umgang mit überschüssigem Boden aus der Bauindustrie gefunden werden: Tatsächlich sollen für den Bau der knapp drei Quadratkilometer großen Halbinsel 80 Millionen Tonnen Erde und 28 Kubikmeter Sand aufgeschüttet werden. 

Sorge vor Folgen für die Umwelt

Der Bau dieser 400 Fußballfelder großen, künstlichen Insel steht insbesondere bei Umweltschützer:innen in der Kritik: Sie protestieren gegen das Bauvorhaben, da sie negative Auswirkungen des Großprojekts auf die Umwelt fürchten. Alleine für den Transport der benötigten Materialien und Ressourcen  würden laut eines Umweltgutachtens bis zu 350 Lkw-Fahrten pro Tag durch Kopenhagen benötigt werden. Carina Christensen, die Leiterin des Verbandes für den dänischen Straßengüterverkehr (IDT), sieht in Lynetteholm hingegen die Chance, "ein guter Katalysator für den grünen Übergang des Schwerverkehrs zu werden, gerade weil das Projekt so groß ist und sich über so viele Jahre erstreckt." Wie sie in einer Pressemitteilung bekannt gab, liege es jedoch an der Politik, zu entscheiden, auf welche Transportart sie setzen wolle, da auch umweltfreundlichere Alternativen negative Aspekte mit sich brächten: "Elektro-Lkw werden beispielsweise CO2-Emissionen und Lärm reduzieren, dafür aber mehr kosten und zu mehr Fahrten führen."

Die Umweltschützer:innen sind jedoch nicht nur wegen der Transporte besorgt: Ihrer Meinung nach seien die Folgen von Bewegungen und Veränderungen im Sediment des Meeres nicht abzusehen. Diese könnten zu ernsten Konsequenzen für das Ökosystem und die Wasserqualität führen. Eine Umweltgruppe hat bereits Klage gegen den Bau von Lynetteholm vor dem Europäischen Gerichtshof erhoben. Auch Demonstrant:innen versammelte sich während der Abstimmung zum Baugesetz vor dem Parlamentsgebäude. Einer von ihnen, Nicholas Woollhead, zeigte sich im dänischen Rundfunk (DR) empört über die Entscheidungsfällung vor den Kommunalwahlen im November: "Dieses Projekt, das das größte in der Geschichte Kopenhagens und eines der größten Infrastrukturprojekte in der dänischen Geschichte ist, wird einfach über unsere Köpfe hinweg zwischen den Wahlperioden durchgezogen, wo wir keine Chance haben, gehört zu werden."

Ein weißer Mann in Anzug und weißem Hemd steht mit verschränkten Armen vor einem dunkelgrauen Sportwagen auf einer Großbaustelle

Nachdem die Pläne zur Errichtung von Lynetteholm von den Abgeordneten abgesegnet wurden, soll bereits in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden. Rund 30 Jahre soll das Vorhaben in Anspruch nehmen, je nachdem wie gut die Arbeiten voranschreiten werden. Mit dem Festland verbunden werden soll Lynetteholm über eine Ringstraße, einen Tunnel und eine U-Bahn-Linie, 35.000 Menschen sollen in Zukunft dort ihr neues Zuhause finden und damit auch die Wohnsituation in Dänemarks Hauptstadt entspannen.

Quellen:BBC / Verkehrsministerium / Via Ritzau – ITD

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