Erdbeben in den Abruzzen Forscher warnte vor Beben - und wurde angezeigt


Hätte die Katastrophe von L'Aquila gemildert werden können? Ein italienischer Forscher hat offenbar frühzeitig vor einem verheerenden Erdstoß in der Region gewarnt - und wurde wegen Panikmache angezeigt. Jetzt fordert er eine Entschuldigung.

Ein italienischer Wissenschafter hat vor Wochen vor einem schweren Erdbeben in Mittelitalien gewarnt, erhielt jedoch von den Behörden einen Maulkorb verpasst. Die Vorhersagen von Giampaolo Giuliani Giuliani führten vor einem Monat dazu, dass Wagen mit Lautsprechern in der Stadt L'Aquila die Bevölkerung zum Verlassen ihrer Häuser aufforderten.

Der Forscher hatte ein großes Beben auf der Grundlage von Messungen des Gases Radon vorhergesagt. Der Bürgermeister zeigte Giuliani jedoch wegen der "Verbreitung von Panik" bei der Polizei an. Er musste seine Forschungsergebnisse aus dem Internet entfernen. Ende März traf sich dann ein Ausschuss des italienischen Krisenstabes in der Stadt und erklärte, es sei kein Grund zur Besorgnis erkennbar.

"Jetzt gibt es Leute, die sich bei mir entschuldigen müssen", sagte Giuliani am Montag der Zeitung "La Repubblica". "Und das, was geschehen ist, haben sie auf dem Gewissen."

Der Forscher lebt selbst in L'Aquila. Als ihm am Sonntag klargeworden sei, dass ein Erdbeben bevorstehe, sei er hilflos gewesen, sagte er. "Ich wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte. Gegen mich wurde ermittelt, weil ich gesagt hatte, dass es ein Beben geben würde."

Enzo Boschi, der Chef des Nationalen Geophysik-Instituts, wies die Vorhersage Giulianis zurück. "Jedes Mal nach einem Erdbeben gibt es Leute, die es vorhergesagt haben wollen", sagte er. "Soweit ich weiß, hat niemand präzise dieses Beben vorhergesagt." Erdbeben könnten nicht vorhergesagt werden. Das wirkliche Problem sei, dass Italien sich grundsätzlich nicht auf schwere Beben vorbereite. "Wir erleben Erdbeben, aber dann vergessen wir sie und tun nichts. Es ist nicht Teil unserer Kultur, Vorbereitungen zu treffen oder in Gebieten, wo es schwere Erdbeben geben könnte, angemessen zu bauen."

Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam hält die Radon-Methode ebenfalls für nicht geeignet, konkrete Aussagen über bevorstehende Beben zu treffen. Giuliani sei durchaus ein ernsthafter Wissenschaftler, unterstrich Kind. Aber er habe ein Beben innerhalb des nächsten Tages vorhergesagt, was nicht eingetreten sei.

Der Potsdamer Geophysiker sagte, seiner Ansicht nach sei sein Kollege mit der Prognose leichtfertig an die Öffentlichkeit gegangen. Dass später tatsächlich ein schweres Beben folgte, sei Zufall gewesen.

Bei der Radon-Methode wird der Austritt des Edelgases aus der Erde gemessen. Die Idee sei, dass sich die Menge ändere, wenn sich ein Beben vorbereite und sich in der Erde Klüfte auftäten, erläuterte Kind. Diese Methode habe aber bislang noch kein wissenschaftlich belastbares Ergebnis gebracht.

Reuters/AP AP Reuters

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