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Fährunglück vor Südkorea: Geretteter Passagier nimmt sich das Leben

Hunderte Schüler von der Unglücksfähre "Sewol" bleiben vermisst. Ihr Schulleiter, der gerettet wurde, hat sich offenbar erhängt. Derweil wurde Haftbefehl gegen den Kapitän beantragt.

Noch immer fehlt von 268 Passagieren jede Spur - mit jedem Tag schwinden die Hoffnungen, noch Überlebende der havarierten Fähre "Sewol" zu finden

Noch immer fehlt von 268 Passagieren jede Spur - mit jedem Tag schwinden die Hoffnungen, noch Überlebende der havarierten Fähre "Sewol" zu finden

Nach seiner Rettung aus der am Mittwoch havarierten südkoreanischen Fähre "Sewol" soll sich ein Lehrer, der mit seinen Schülern an Bord war, erhängt haben. Der 52-Jährige sei an einem Baum auf der Insel Chindo in der Nähe des Ortes der Schiffskatastrophe entdeckt worden, berichtet die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Die Polizei gehe von Selbstmord aus. Offensichtlich habe er Schuldgefühle gehabt, weil er gerettet wurde, während viele unter seiner Obhut mitreisende Schüler noch vermisst werden.

Der Mann war stellvertretender Direktor einer Oberschule nahe Seoul. 325 seiner Schüler waren an Bord der "Sewol" - sie waren unterwegs zu einem Ausflug auf die südliche Ferieninsel Cheju. Das Fährschiff war am Mittwoch vor der Südwestküste Südkoreas in Seenot geraten und gesunken. Von den 475 Passagieren wurden 179 Menschen gerettet, etwa 270 gelten jedoch noch als vermisst. Bis Freitagnachmittag (Ortszeit) wurden 28 Leichen rund um die Fähre aus dem Wasser geborgen.

Haftbefehl gegen Kapitän

Doch die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden, schwinden. Wieder gelang es den Tauchern nicht, zu den Passagierdecks vorzudringen, in denen die meisten der Vermissten vermutet werden.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft in Südkorea einen Haftbefehl gegen den 69-jährigen Kapitän beantragt. Auch gegen zwei weitere Crewmitglieder seien Haftbefehle beantragt worden. Ermittlern zufolge wurde die Fähre zum Unglückszeitpunkt von der dritten Offizierin gesteuert. Wo sich der Kapitän genau aufhielt, ist offen. Ihm wird vorgeworfen, das sinkende Schiff als einer der ersten verlassen zu haben. Warum die Fähre auf dem Weg vom Festland kenterte, ist weiter unklar.

kis/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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