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Feuer in Würzburger Altenheim: Drei Senioren kommen in den Flammen um

Mehr als 100 pflegebedürftige Menschen schlafen in ihren Betten, als in ihrem Altenheim in Würzburg Feuer ausbricht. Nur wenige können sich selbst helfen. Schier endlose Minuten müssen die Senioren auf Rettung warten. Für drei Menschen kommt jede Hilfe zu spät.

Drei hilflose Senioren sind in der Nacht zum Dienstag bei einem Feuer in ihrem Würzburger Altenheim ums Leben gekommen. Zwei Menschen schwebten nach dem Brand in Lebensgefahr, vier weitere kamen mit schweren Rauchvergiftungen in ein Krankenhaus. Außerdem mussten drei Rettungskräfte ärztlich behandelt werden. 19 der insgesamt 124 Heimbewohner wurden vor den Flammen in der ersten Etage des Gebäudes in Sicherheit gebracht. Die Ursache des Brandes war zunächst unklar.

Unter den Toten ist eine 89-jährige Frau, in deren Zimmer das Feuer ausgebrochen war. Sie sei verbrannt, sagte der Würzburger Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt. Zudem starben eine 70 Jahre alte Frau und ein 67 Jahre alter Mann an Rauchvergiftung. Auch etliche andere Heimbewohner erlitten Rauchvergiftungen. "Viele wurden wiederbelebt", erklärte Schmitt.

"Diese Menschen wurden wirklich gerettet, sie mussten teilweise 'rausgetragen werden", schilderte Polizeisprecher Schmitt die brenzlige Lage mitten in der Nacht. Unvorstellbar die Panik, nicht aus eigener Kraft aus einem brennenden Gebäude fliehen zu können. Als die mehr als 200 Einsatzkräfte an dem Heim ankamen, schränkte bereits dichter Rauch die Sicht erheblich ein.

Die überwiegend bettlägerigen Männer und Frauen wurden mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, als der dichte Rauch den Flur entlang zog. Die Einsatzkräfte mussten bei einigen Zimmern die Türen eintreten, um zu den verängstigenden Menschen zu gelangen. "Das Pflegepersonal hat mit uns zusammengearbeitet", berichtete Einsatzleiter Bernd Schäflein von der Würzburger Berufsfeuerwehr. Mit Hilfe der Heimmitarbeiter konnten die Feuerwehrleute zu den hilflosen Senioren vordringen und sie befreien. Alle seien ansprechbar, aber teilweise schlaftrunken gewesen, berichtete Schäflein.

"Es gibt Bewohner, die wünschen, dass ihre Türen verschlossen sind", erklärte der bestürzte Heimleiter Hendrik Lütke. Die Männer und Frauen fühlten sich so während des Schlafs sicherer. Die Mitarbeiter des evangelischen Wohnstifts St. Paul hätten die Zimmer nicht von außen abgeschlossen. "Es ist ein Fiasko, es ist eine Katastrophe", sagte Lütke. Wahrscheinlich werde es am Freitag (10. Dezember) einen Gedenkgottesdienst für die Opfer geben.

Experten vom Landeskriminalamt und der Polizei müssen nun die Spuren auswerten. "Die Brandursache ist noch absolut unklar. Wir können noch nicht einmal Vermutungen anstellen", sagte Schmitt. Auch zur Schadenshöhe waren zunächst keine Angaben möglich.

Der Brand war kurz vor Mitternacht in dem Heim im Stadtteil Heidingsfeld entdeckt worden. Nachdem das Feuer gelöscht und das Gebäude von Rauch befreit war, wurden die unverletzten Menschen in andere Räume des Hauses gebracht. "Die Zimmer der ersten Etage sind unbewohnbar", sagte Schmitt.

Das 1981 eröffnete evangelische Wohnstift ist für insgesamt 141 Senioren ausgelegt. Etwa 100 Mitarbeiter sind fest angestellt, unterstützt durch gut 35 ehrenamtliche Kräfte. Träger der Einrichtung ist das Diakonische Werk Würzburg.

Die Deutsche Hospiz Stiftung verlangte einen verbesserten Brandschutz in Alten- und Pflegeheimen. "Jedes Pflegeheim sollte über eine aufgeschaltete Brandmeldeanlage verfügen, so dass bei einem Feuer automatisch die Feuerwehrleitstelle benachrichtigt wird", forderte forderte der geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch. "Ebenso muss jedes Zimmer über einen Rauchmelder verfügen, der mit der Brandmeldeanlage verbunden ist."

Angelika Röpcke, DPA / DPA
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